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Bildende Kunst 5 Min. Lesezeit

Das Selbstbild

Aktuelle Auseinandersetzung afroamerikanischer Künstler mit der „Black Lives Matter“-Bewegung in der Galerie Zidoun & Bossuyt

Erschienen in Ausgabe 1 Dezember 2023
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Blick auf die drei Künstler der Ausstellung © MB

Seine Identität zu bekräftigen und stolz darauf zu sein, bleibt für Afroamerikaner ein Kampf – trotz der in den 1960er Jahren errungenen Erfolge im Kampf für die Gleichberechtigung. Es ist bekannt, dass dies auch im 21. Jahrhundert ein schwieriger Weg der Mobilisierung bleibt, der von gewaltsamen Todesfällen geprägt ist. Man denkt dabei insbesondere an die Gründung der Bewegung „Black Lives Matter“ vor genau zehn Jahren, nach dem Tod von Trayvon Martin, gefolgt 2014 vom Tod von Eric Garner und 2020 vom Mord an George Floyd, stets durch selbsternannte Ordnungshüter oder weiße Polizisten, Vertreter der öffentlichen Gewalt.

Im selben Jahr wurden auf dem alten Kontinent infolge einer Welle der Empörung gegen Diskriminierung und rassistische Gewalt Statuen von Sklavenhaltern und Kolonialherren von ihren Sockeln gestürzt oder beschädigt. Auch die Galerie Zidoun & Bossuyt greift mit der Ausstellung „Dueling Consciousness“ und der 1984 in der Bronx geborenen Künstlerin Kim Dacres diese aktuelle Thematik auf. Die Büsten „Marian“, „Loma“, „Linda“ und „Des“, benannt nach einigen ihrer ehemaligen Schülerinnen, stehen auf Stelen aus gedrechseltem und lackiertem Holz, ähnlich wie jene der umstrittenen Persönlichkeiten, die im öffentlichen Raum verehrt werden. Aufgrund ihres häuslichen Charakters erinnern sie auch an die Büsten auf Sockeln des europäischen Adels, die jenseits des Atlantiks von den Mächtigen nachahmt wurden, um ihre Innenräume bereits seit dem Ende des 18. Jahrhunderts und der Gründung der Vereinigten Staaten zu schmücken.

Kim Dacres studierte Kunst, beeinflusst von ihrer Mutter, die sie zum Malen ermutigte, und von ihrem Vater, einem Reparateur von Haushaltsgegenständen, von dem sie offenbar die nötige Kraft geerbt hat, um mit dem von ihr verwendeten Material umzugehen. Es handelt sich um recycelten Gummi aus Fahrrad- und Motorradschläuchen. Zunächst war sie als Lehrerin tätig, bevor sie zu ihrer ursprünglichen Leidenschaft zurückkehrte: dem Formen der Gummibänder auf Mannequin-Köpfen, wobei sie diese wie eine Töpferin auf der Drehscheibe bearbeitet. Das Paradoxe daran ist, dass diese Köpfe mit ihren perfekten Proportionen – egal, ob man sie von vorne oder im Profil betrachtet – kein Gesicht haben. Das würde bedeuten – wie der Titel der Ausstellung „Dueling Consciousness“ vermuten lässt –, dass eine solche Frisur zwar die Persönlichkeit und die afroamerikanischen Wurzeln stark zum Ausdruck bringt, es im öffentlichen Raum und im gesellschaftlichen Leben jedoch nach wie vor ein Kampf ist, sich durchzusetzen. Werden diese Gesichter der Amazonen also durch einen Helm geschützt?

Von Geneviève Gaignard, die 1981 in Massachusetts als Tochter eines gemischtrassigen Paares – Vater schwarz, Mutter weiß – geboren wurde, sind nur zwei Gemälde zu sehen. In ihren Selbstporträts inszeniert sie sich selbst, ähnlich wie Cindy Sherman. Sie spielt mit der Möglichkeit, dass ihre gemischte Herkunft aufgrund ihrer weißen Hautfarbe und ihrer weißen Gesichtszüge übersehen werden könnte – sie selbst sagt, sie wolle sich niemals an den Privilegien weiden, die ihr dies verschaffen könnte –, und stellt sich in kitschigen und bissigen Situationen dar, die an den amerikanischen Traum wohlhabender Hausfrauen erinnern.

„Golden Brown“ und „When Sunny Gets Blue“ aus dem Jahr 2022, die hier zu sehen sind, tragen Titel, die Wortspiele darstellen und auf ihre gemischte Herkunft anspielen. Sie sind im gleichen Stil wie die Fotos gehalten, bestehen jedoch aus Collagen mit typischen Elementen der 1960er Jahre. Die Künstlerin spielt mit dem Kontrast oder gar dem Missverständnis zwischen den Gesichtern schwarzer Frauen (Vergrößerungen alter, verpixeltem Fotos aus Zeitschriften) und den Frisuren sowie den Kleidern weißer Frauen der 1960er Jahre, auf die billige Strasssteine reliefartig aufgeklebt sind, vor dem Hintergrund pastellblauer oder goldgelber Tapeten – dem Traum vom „Home Sweet Home“ jener Zeit.

Zidoun & Bossuyt hatte Jeff Sonhouse (geb. 1968 in New York) im Jahr 2021 mit der Ausstellung „Bodied“ gezeigt, in der Selbstporträts und Porträts seiner Freunde zu sehen waren, die Masken trugen, hinter denen die charakteristischen Gesichtszüge afroamerikanischer Männer mit dichtem Haar und manchmal auch dichtem Bart zum Vorschein kamen. Seine Art, die Einflüsse der Codes der westlichen Porträtkunst zu nutzen und gleichzeitig mit Materialien wie verbrannten Streichhölzern für die Haare oder rautenförmigen Kostümen im Stil des Harlekins zu arbeiten, hatte einen provokativen Maler offenbart, der bei der Darstellung schwarzer Männer ein unkonventionelles Vokabular verwendete.

Von Jeff Sonhouse ist in der Ausstellung „Dueling Consciousness“ nur ein einziges Werk zu sehen. Er hat auf der amerikanischen Flagge verstreute Köpfe angeordnet, bei denen das Gesicht durch ein Harlekin-Kostüm ersetzt ist und das dichte, schwarze Haar aus Streichhölzern besteht. Das Werk, das etwa zwei Meter hoch und mehr als dreieinhalb Meter breit ist, hat keinen Titel. Es entstand erst kürzlich und reiht sich stilistisch in die Tradition der „Flags“ von Jasper Johns aus den 1950er Jahren ein. Uns scheint jedoch, dass Jeff Sonhouse dem afroamerikanischen Künstler Dread Scott und dessen Werk „What is the Proper Way to Display a U.S. Flag“ (1989) näher steht, das die Besucher dazu einlädt, darauf zu treten. Sonhouse gehört derselben Generation wie Dread Scott an und bietet dreißig Jahre später eine neue Interpretation der Entheiligung der amerikanischen Flagge an. Der Rauch, der von den als brennende Streichhölzer dargestellten Haaren aufsteigt, verleiht den Köpfen Relief und hebt sie von der Flagge eines Landes ab, in dem die Verunglimpfung der Flagge im Namen der Meinungsfreiheit nicht verfassungswidrig ist.

„Dueling Consciousness“ mit Werken
von Kim Dacres, Geneviève Gaignard und Jeff Sonhouse ist noch bis zum 20. Januar in der Galerie Zidoun & Bossuyt in Luxemburg-Grund zu sehen