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Bildende Kunst 4 Min. Lesezeit

Sechs im Sommer

„Fragments of Paradise“ – der Titel der Gruppenausstellung in der Galerie Zidoun-Bossuyt ist durchaus zutreffend. Feipel & Bechameil, Lucas Georges Christian, Louis Granet, Nick McPhail, Brian Rochefort und Summer…

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„Fragments of Paradise“ – der Titel der Gruppenausstellung in der Galerie Zidoun-Bossuyt ist durchaus zutreffend. Feipel & Bechameil, Lucas Georges Christian, Louis Granet, Nick McPhail, Brian Rochefort und Summer Wheat zeigen Werke, die in einem unruhigen geopolitischen Kontext eine Atempause bieten und gesellschaftliche Umbrüche zum Ausdruck bringen. Manchmal sind künstlerische Konzepte nicht leicht zu erschließen.

„Fragments of Paradise“ präsentiert „die schlichte Gabe, zum Staunen zu bringen“, wie Judicaël Lavrador kürzlich in der „Libération“ anlässlich des Todes von David Hockney schrieb. So auch Nick McPhail (Los Angeles, 1982), der Ölgemälde auf Leinwand schafft und dabei die Beziehung zwischen Bauwerk und Natur einfängt – er hat Architektur studiert. In „Stairs II“ (2026) leuchten Orange und Violett. Man könnte meinen, man befände sich noch weiter südlich, in Mexiko, angesichts dieser stark stilisierten Treppe im Stil von Luis Barragán. Auch hier gibt es – wie bei dem Architekten – einen Blick ins Freie durch eine rechteckige Öffnung nach draußen.

Auch das Auge kommt voll auf seine Kosten – allein schon durch die Vielfalt der Ansätze: Design, Keramik, Pastell- und kräftige Farben – ein fester Bestandteil der Galerie Zidoun-Bossuyt. „Shimmer“ von Nick McPhail ist gegenüber dem „Nile Dining Table“ und dem „Laine Seat“ (2026) ausgestellt, zwei Werke zwischen Architektur und Design, die von Lucas Georges Christian entworfen wurden, der aus einer Familie von Antiquitätenhändlern stammt. Der „Laine Seat“, der die Form eines Schafs oder eines Lamas hat (schwarz gebeiztes Holz und Himalaya-Ziegenwolle), ist ein Prototyp, der perfekt mit dem Tisch aus gekalktem Eichenholz harmoniert. Die Formen sind sehr puristisch – bis hin zum Rand der Tischplatte, der schräg abgesägt ist, sodass nur der Eindruck einer sich verjüngenden Linie verbleibt. Auch wenn sich Lucas Georges Christian in vielen seiner Kreationen auf Ägypten bezieht, schien es uns, dass ihn – wenn nicht ebenso sehr wie die Architektur – vor allem die Profilansicht und die Gestik der Arme der Silhouetten auf den Grabfresken inspirieren.

Ein kleiner technischer Wermutstropfen bei der angestrebten Perfektion: Im Fuß des Tisches verbirgt sich eine Beschwerung, die ein Kippen der Tischplatte verhindert. Schade. Das ist eine der Fallstricke der Ästhetik, wenn sie die Oberhand gewinnt. „Holding Tight“ (2026) von Martine Feipel & Jean Bechameil ist eine großformatige Keramik aus sechs Fliesen, eine Ode an die Natur, die in diesem Jahr während eines Künstleraufenthalts in Versailles entstanden ist. Man kann sich auch eine Verbindung zu stilisierter Architektur vorstellen, die vielleicht eher postmodern als modern ist … Bereits bei der Summer Show 2018 waren sie gemeinsam mit Louis Granet und Brian Rochefort vertreten. Der Werdegang von Louis Granet (geb. 1991 in Paris, wo er lebt) führte ihn vom Comic zur Natur, mit großformatigen Blumenkompositionen, insbesondere Tulpen, die ihn der minimalistischen Grafik von Feipel & Bechameil annähern.

Doch Louis Granet ist Maler, und nun präsentiert er ein einziges Werk, „Déjeuner sur l’herbe“ (2026), das reine Malerei ist. Es wirkt klassisch, fast impressionistisch. Man könnte meinen, jeden Grashalm, jede Blütenkrone berühren zu können. Das ist ganz unten im Ölgemälde zu sehen. Je weiter man sich entfernt, desto mehr verschmelzen die abwechselnden Blumenstreifen zu einem perspektivischen Effekt, der ganz oben am Rand eines Meereshorizonts gipfelt. Granet, der in Bordeaux studiert hat, wurde 1991 in Arcachon geboren.

Auch die Natur ist Teil des Universums von Brian Rochefort, allerdings auf die Dimension kleiner Keramikskulpturen reduziert. Rochefort, der in Los Angeles lebt und arbeitet, kennt die Gewalt der Natur, die das „Stückchen Paradies“, das die amerikanische Westküste darstellt, erschüttern kann. In der bei Zidoun-Bossuyt präsentierten Serie hat er leere Farbdosen dargestellt, aus denen die Reste der einst darin enthaltenen Farbspuren herabtropfen („Paint Can“ und „Double Paint Can“, 2025 und 2026). Es handelt sich schlichtweg um „Material“. Doch die Beherrschung der Ofenhitze ist dieselbe, sei es beim Brennen des Tons, beim Fixieren der Pigmente oder beim Erzeugen von Craquelé, Blasen und einer glatten Glasur auf den Keramiken. Bis hin ins Innere der Dosen. „Wie im Inneren eines Vulkankraters“, sagt Audrey Bossuyt.

Die Galeristin führt uns in den großen Raum im hinteren Teil der Galerie, der ganz „Summer Wheat“ gewidmet ist, einer der führenden Künstlerinnen der Galerie. Man kann sich an ihrer Lebensfreude gar nicht sattsehen, die hier in großen Gemälden zum Ausdruck kommt, die tatsächlich Lebensmittel darstellen. „Picnic“, „Refrigerator“, „Cold Storage“… (2026). Die Technik ist bekannt: Die Farbe (Acryl und Gouache) wird durch ein Metallsieb mit feinen Maschen auf die Leinwand gedrückt. Es sieht aus wie Kreuzstich-Wandteppiche. Im Gegensatz dazu erzählen ihre XXL-Kieselsteine aus Glasfaser, die mit Mosaikmustern überzogen sind, Geschichten von Früchten und Tieren, ähnlich wie die antiken römischen Pflastersteine. Natürlich gibt es auch eines seiner Lieblingsthemen: Fischerinnen (Woman with Fish, 2026). Der Sommer ist da.