Nach einer ersten Ausstellung im Kreuzgang von Neumünster kehrt Paul Kirps mit „Instant Choices“ im Foyer des Theaters von Esch zu seiner Leidenschaft für Polaroid-Fotografien zurück. Auf die Frage, warum er diesen Ort gewählt habe, antwortet Paul Kirps, dass es sich um einen öffentlichen Ort handele und er als Architekturliebhaber das Foyer und dessen Form, die an einen Schiffsbug erinnert, besonders schätze. Tatsächlich fallen die großzügig verglaste Fassade mit Blick auf den Place du Brill und die geschwungene Linie der Geländer im Stil eines Ozeandampfers ins Auge, die sich von der Vorhangfassade abheben. Die Ecke wird über die gesamte Höhe hinweg durch ein modernistisches Buntglasfenster des Künstlers Franz Kinnen geprägt.
Paul Kirps wird am Mittwoch, dem 8. März, um 19 Uhr bei der Ausstellung anwesend sein. Wir hoffen, dass er seine Polaroid SX70 mitbringt. Er dürfte Erläuterungen zu seiner Arbeit mit dieser Kamera geben, die das technische Herzstück von „Instant Choices“ bildet. Es wird jeweils nur eine Aufnahme gemacht, und das Bild, das nach zwanzig Minuten erscheint, ist seitenverkehrt zu dem, was der Fotograf im Sucher gesehen hat. Zwar werden die Filme wieder hergestellt (was zu einem erneuten Interesse des Publikums an der Sofortbildfotografie geführt hat), doch die von Paul Kirps verwendeten Filme ermöglichen nur acht Aufnahmen.
Das erste Werk, das den Besucher empfängt, ist ein großformatiger Abzug mit kräftigen Orangetönen und geschwungenen Formen. Es handelt sich um ein Element, dessen Zugehörigkeit nicht erkennbar ist. Es gibt Orte, die sofort erkennbar sind – Gebäude auf dem Kirchberg –, doch das Diptychon mit Aufnahmen aus einem Vergnügungspark wirkt nicht wie ein Abbild der Realität. Die Farbtöne sind rosafarben und der Effekt verschwommen, im Gegensatz zu den Gebäuden mit ihren klaren Linien in Grau- und Violetttönen. Die chemische Emulsion lässt gegen Ende der Filmrolle nach; die Außentemperatur zum Zeitpunkt der Sofortentwicklung im Freien beeinflusst das Endergebnis.
„Instant Choices“ ist eine Art visuelles Notizbuch. Die in Originalgröße ausgestellten Fotografien sind in Serien zusammengefasst und entweder in einer einzigen Reihe, in zwei übereinanderliegenden Reihen oder sogar paarweise nebeneinander angeordnet. Es überrascht zwar nicht, dass Wandabschnitte und Stahlträger miteinander in Dialog treten, was an Paul Kirps’ „übliche“ Arbeit zur Geometrie erinnert, doch gibt es auch Schnappschüsse wie in einem Roadmovie. Es werden lediglich Details eingefangen, Ausschnitte aus der linearen Erzählung einer Reise. Das Heck eines Lastwagens und die Leitplanke auf der Autobahn, an einem Anlegeplatz festgemachte Boote, die Heizöl tanken.
Alles, was mit Maschinen zu tun hat, interessiert Paul Kirps. Aber bekannt ist auch seine Leidenschaft für die Berge, ihre Wellen, ihre natürlichen Falten und Windungen. Diese findet sich hier in einem Spiel aus Schwarz-, Grau- und Weißtönen wieder, das ihre Spalten und zerklüfteten Formen hervorhebt. Von der Landschaftsebene geht es in der venezianischen Serie zum behauenen Stein über. Venedig, die künstliche Stadt schlechthin, die jeder mit seinem Handy fotografiert.
Es handelt sich um Anti-Fotografie, und man vermutet Ironie in dieser Serie: Paul Kirps bevorzugt die Rückseiten von Jahrmarktskulissen, die aus allerlei Krimskrams zusammengesetzt sind. Man denkt an seine Ausstellung im Pavillon Annexe 22, an die auf Rollwagen platzierten Werke und ihre vielfältigen Materialien: Sperrholz, Plexiglas- und Isorel-Platten sowie Schneidematten (aus Land, 16.07.2021). „Instant Choices“ bildet letztlich keine Ausnahme bei den Entscheidungen von Paul Kirps. Die Momentaufnahmen sind ein Ausdruck, der Teil eines Ganzen ist.