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Bildende Kunst 4 Min. Lesezeit

Skulpturaler Schmuck

Die Sammlung von Diane Venet ist zu Gast in Luxemburg. Ein Querschnitt durch Kunstgeschichte und zeitgenössisches Kunstschaffen, zu sehen im Cercle Cité

Erschienen in Ausgabe Oktober 2021
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Wer sich die Augen verwöhnen lassen möchte – denn laut Marilyn Monroe sind Diamanten die besten Freunde einer Frau –, der sollte hier vorbeischauen. Die ideale Schmuckkollektion von Diane Venet, die nach einer Reise, die sie von New York über Athen und Valencia bis zuletzt nach Paris führte, nun im Ratskeller des Cercle Cité in Luxemburg Station macht, strahlt die Kreativität der Künstler aus.

Auch wenn sie nicht so glänzen wie in der Vitrine eines Juweliers, sind die ausgestellten Ringe, Armbänder, Broschen und Anhänger allesamt Schmuckstücke, da ihre Herstellung entsprechendes Fachwissen erfordert. In diesem Fall stammen viele davon von Giancarlo Montebello, dem Diane Venet die Ausstellung widmet. Bei diesen Schmuckstücken handelt es sich um Unikate oder um Stücke, die in sehr kleinen limitierten Serien hergestellt wurden, wie beispielsweise der Ring „Believer“ des luxemburgischen Künstlerduos Martine Feipel und Jean Bechameil. Sie können (selten) auch einen Edelstein enthalten, wie beispielsweise „Medusa“, eine Meeresschnecke mit einem Auge aus Amethyst, gefasst in Gold, von Rebecca Horn, oder sofort am Stil des Künstlers erkennbar sein: „Compression“, eine Miniatur auf einem Lederband, stammt natürlich von César.

Das fantastische Armband, das sowohl innen als auch außen mit Halbkugeln besetzt ist und an Lucio Fontanas gehämmerten Kreis erinnert, wurde von ihrem Ehemann, dem Bildhauer Bernar Venet, seiner Frau Diane geschenkt. Zusammen mit ihrem Ehering schmiegt es sich um den Finger der Braut wie eine seiner überdimensionalen Stahl-Lianen-Skulpturen – der Ausgangspunkt der Sammlung, die als Taschenmuseum und Kunstgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts um die Welt reist, sagt sie, zum Austausch von Wissen und zum Vergnügen.

„Les Bijoux d’Artistes“, die ideale Kollektion von Diane Venet, bedeutet in erster Linie, sich – beginnend in chronologischer Reihenfolge ab den 1950er Jahren – an den Kreationen von Hans Arp, Fernand Léger, Picasso, Man Ray und anderen zu erfreuen… Unter diesen Klassikern gewinnt die surrealistische „Kleiner Löffel“-Uhr von Salvador Dalí sowie eine Brosche, die aus Koketterie mit einem Kamm am Griff versehen ist, den Preis für das Komischste, das umgekehrte Kreuz von Man Ray, bei dem auf den seitlichen Armen ein Frauenoberkörper angedeutet ist („Optic Topic“), den Preis für Respektlosigkeit. Viele der ausgestellten Stücke spielen zudem mit dem Verhältnis zwischen Form und Titel. Wie beispielsweise, ebenfalls von Man Ray, die Ohrringe in Form eines aufgerollten Blattes „Pendentif-Pendant“, die zuerst von der Schauspielerin Catherine Deneuve getragen wurden.

Zwar hat Diane Venet im Laufe der Zeit viele solcher Stücke erworben, doch wurden zahlreiche Schmuckstücke eigens für sie angefertigt – oft erst nach langwierigen Verhandlungen –, denn die Schaffung eines kleinen Kunstwerks ist nicht dasselbe wie das Malen im Großformat oder die Anfertigung einer riesigen Skulptur für den öffentlichen Raum. Dennoch gelang es ihr, Frank Stella zu überzeugen, dessen Werk man anschließend im Innenhof des Max-Planck-Instituts in Kirchberg besichtigen kann, um zu erkennen, welche Vorbehalte ein Künstler gegenüber dem Übergang zur Miniatur haben kann. Die Ringe, die man auf dem in der Ausstellung gezeigten Video gut erkennen kann, sind übrigens für Schmuckstücke oft überdimensioniert: so zum Beispiel das erhabene rote Oval, ebenfalls von Lucio Fontana.

Diane Venet selbst weist darauf hin, dass es in ihrer Kollektion mehr männliche als weibliche Designer gibt. Dennoch ist in „Barre de métal“, einer Hundehalskette mit Leine, die sie im selben Video bei einem Mittagessen mit ihrem Vater trägt, ganz klar Louise Bourgeois am Werk, und von Orlan ist eine Selbstporträt-Brosche zu sehen. Denn alle Künstler, unabhängig davon, in welchem Maßstab sie arbeiten, weichen nicht von ihrer konzeptuellen Linie ab, und die hier ausgestellten Schmuckstücke sind ein integraler Bestandteil ihres Gesamtwerks. Es ist daher unmöglich, die Handschrift von Arman, Georges Braque oder Pol Bury, Giacometti oder auch Julio Le Parc und Anish Kapoor nicht zu erkennen.

Während ein Schmuckstück von Natur aus etwas Intimes und somit Egoistisches ist (wir sind ganz begeistert von der großen gelben Halskette von Claude Viallat), gebührt Lawrence Weiner der Preis für Intelligenz und Mitmenschlichkeit. „Human Rights Abonment“ ist eine Serie von Plaketten, die wie ebenso viele anonyme Identitäten an einer Kette hängen. Diane Venet stellt diese Kreationen, die zu ihren Favoriten zählen, separat aus; Nathalie Jacoby hat sie wie Ikonen unter Glasglocken arrangiert. Man kann die Ausstellung übrigens nicht besuchen, ohne den Rahmen rund um die Ausstellung zu sehen: Die hängenden Kästen, die Vitrinen und die Podeste, die von NJoy architecture inside entworfen wurden, sind aufgrund der Materialien äußerst schlicht und zugleich durch ihre Formen ein zusätzliches Schmuckstück. Ein Ideal, das, so hoffen wir, Diane Venet anlässlich der Präsentation ihrer Kollektion in Luxemburg zufriedenstellt.

„Les Bijoux d’Artistes“, die ideale Kollektion von Diane Venet, ist noch bis zum 23. Januar im Ratskeller des Cercle Cité zu sehen