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Bildende Kunst 5 Min. Lesezeit

Öffentliche Projekte

Jean Leyder veröffentlicht ein nachschlagewerkartiges Werk über die öffentliche Architektur des letzten Jahrzehnts in Luxemburg

Erschienen in Ausgabe Januar 2022
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Am Ende der Veranstaltung posieren sie alle gemeinsam mit dem neuen Direktor der Verwaltung für öffentliche Gebäude (ABP), Luc Dahmen, der die Nachfolge von Jean Leyder angetreten hat. Dieser hatte im vergangenen Frühjahr nach 35 Jahren sein Amt als Leiter niedergelegt. Damit war er jedoch noch nicht fertig mit seinen Unterlagen: Man sah ihn bei der Arbeit, dank dieser Unterlagen bestens informiert über jeden Haushaltsposten und jeden zeitlichen Schritt der von den staatlichen Architekten verwalteten Projekte in seinem Büro in der Rue du Saint-Esprit. Für die Öffentlichkeit, die diese Unterlagen gerne in den Händen halten möchte, bedeutet dies die Veröffentlichung von 111 Projekten aus den Jahren 2010–2021.

Die ABP ist schon weitaus länger als das als Bauherr für die vom Staat errichteten oder renovierten Gebäude tätig: Vor genau 111 Jahren wurde die Behörde gegründet, und anlässlich dieses Jubiläums erscheint eine Präsentation der 111 Projekte des letzten Jahrzehnts. Diese symbolische Zahl ist Anlass genug, das hundertjährige Jubiläum mit der Veröffentlichung der jüngsten Dekade zu feiern, die reich an Projekten in den folgenden Kategorien ist (hier in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt): Verwaltung, Kultur, Bildung, Sicherheitskräfte, Unterbringung, Jugend, Justiz, staatliche Laboratorien, Vertretungen des Großherzogtums im Ausland, Gesundheit, Rettungswesen, Sport und Tourismus.

Das Bildungswesen nimmt in dieser Aufzählung einen herausragenden Platz ein. Nicht weniger als 33 weiterführende Schulen aus einem Jahrzehnt werden vorgestellt, darunter die bemerkenswerte Sanierung des Athénée de Luxembourg, ein Meisterwerk des Architekten Laurent Schmit aus den 1960er Jahren. Wie in einem Ticker-Beitrag in der letzten Ausgabe des „Land“ von 2021 angemerkt wurde, war diese Sanierung und die Anpassung an die aktuellen Standards kostspielig, und generell können die für das Bildungswesen bereitgestellten Budgets exorbitant erscheinen. Uns persönlich scheint es, dass die Qualität der in Luxemburg für alle zugänglichen Bildungseinrichtungen eine der wichtigsten Chancen in einer multikulturellen Gesellschaft mit vielfältigen sozialen Hintergründen darstellt.

Jean Leyder hingegen führt weitaus pragmatischere Argumente an, um die hohen Kosten insbesondere der Gymnasien im Großherzogtum zu erklären, was sie zu „nachhaltige Gebäude sind, bei denen alle Bauvorschriften eingehalten werden, insbesondere die allgemeinen Sicherheits- und Brandschutzvorschriften, die Normen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität (PMR), die Energieeffizienznormen sowie die Vorschriften zum Wassermanagement“. Er fügt hinzu: „ als öffentlicher Bauherr muss die ABP die Vorschriften für die Vergabe öffentlicher Aufträge einhalten und alle Kategorien von Bauleistungen und Dienstleistungen ausschreiben, wobei zu berücksichtigen ist, dass das Budget zu Beginn vom Projektprogramm abhängt, das der kritischen Analysekommission (CAC) unterzogen und von dieser validiert wird, noch bevor die groben Vorentwürfe (APS) und anschließend die detaillierten Vorentwürfe (APD) von den projektverantwortlichen Architekten gemeinsam mit der ABP ausgearbeitet und schließlich ein letztes Mal der CAC vorgelegt werden“ …

Die Schularchitektur… Das Athénée, das 1962 auf dem Gelände errichtet wurde, das später zum Campus Geesseknäppchen werden sollte, blieb unserer Meinung nach lange Zeit eine Art „UFO“ in einer standardisierten Landschaft, doch wie „111 Projekte 2010–2021“ belegt, die ABP im letzten Jahrzehnt herausragende Leistungen erbracht hat. Die Vergabe der Bauaufträge im Rahmen von Wettbewerben hat es zahlreichen jungen Architekturtalenten ermöglicht, sich zu profilieren. Als Beweis dafür möchten wir – ohne jemanden speziell zu nennen (wir wollen ja niemanden eifersüchtig machen!) –, sondern indem wir die Bauqualität und Ästhetik auf alle oben genannten Kategorien öffentlicher Gebäude ausweiten, dass das Fachwissen und die Kreativität bei der Verwendung und Verarbeitung nachhaltiger Materialien (Ortsbeton), leichter Materialien (Metallgitter) und der Rückkehr zu einem lokalen Material wie Holz, das kurze Lieferwege gewährleistet, in Luxemburg auf hohem Niveau sind.

An dieser Stelle seien einige bereits bekannte, neuere öffentliche Gebäude genannt, die zudem jeder besichtigen kann: die neue Nationalbibliothek, die Philharmonie von Luxemburg, die, wie man in dem Buch erfährt, um einen Anbau erweitert werden soll, sowie den Gerichtshof der Europäischen Union, den man unbedingt während der Tage der offenen Tür am Europatag im Mai besuchen sollte. Wir geben auch zu, dass wir einige Favoriten haben. So zum Beispiel das Nationale Sprachinstitut, bei dessen Renovierung die ursprüngliche Strenge des großen Architekten der 1950er Jahre, Hubert Schumacher, respektiert wurde.

Etwas weniger im Blickpunkt stehend, da sie mit offiziellen Besuchen oder diplomatischen Kontakten zusammenhängen, werden in der Publikation die Renovierung des Schlosses von Senningen sowie – im humanitären Bereich – die Aufnahmeeinrichtung für Personen, die internationalen Schutz beantragen, in Sanem vorgestellt, bei der es sich um das erste Projekt in standardisierter Modulbauweise handelt.

Das Werk besticht durch eine umfassende und detaillierte Bilddokumentation sowie durch die berühmten Datenblätter, die Jean Leyder während seiner Zeit als Direktor der ABP ins Leben gerufen hat und die, da sind wir uns sicher, als Referenz für zukünftige historische Forschungen dienen werden. Es sei daran erinnert, dass die Architektur, mit der sich jeder im Alltag auseinandersetzt, oft oder gar schlichtweg „ignoriert“ wird. „111 Projekte 2010–2021“ könnte ein nützlicher Baustein für dieses Wissensgebäude sein. Zu beachten ist auch, dass die Namen der Urheber der im Rahmen des „ Ein-Prozent-Kunstprogramms “ in Auftrag gegebenen Kunstwerke genannt werden, die ebenfalls allzu oft ignoriert werden, obwohl es sich um talentierte Künstler handelt (siehe hierzu d’Land vom 19.11.2021). Warum sollte man sich nicht eine Veröffentlichung ähnlicher Art durch den in diesem Bereich ebenfalls maßgeblichen Bauherrn, die ABP, vorstellen? In der Zwischenzeit kann man die Broschüren, die die Verwaltung ihnen widmet, online einsehen.

Diese Publikation ist auch in digitaler Form erhältlich. Doch aufgrund der hochwertigen Gestaltung entscheiden wir uns persönlich für die gedruckte Ausgabe, deren 272 Seiten man wie ein Lexikon der öffentlichen Architektur des letzten Jahrzehnts durchblättern kann – mit einigen Projekten im öffentlichen Raum als Bonus, die bald zu sehen sein werden: die Neugestaltung der Place de la Constitution und ein neuer Pavillon für den Parc Dräi Eechelen. Schon das Thema allein sagt es : Die Landschaft wird ein zentrales Anliegen des kommenden Jahrzehnts sein !

111 Projekte 2010–2021, herausgegeben von der ABP. Autor: Jean Leyder, in Zusammenarbeit mit Isabelle Becker, Grafikdesign: MONOGRAM.
Zu bestellen unter der Adresse : secretariat@bp.etat.lu. Auch online einsehbar : travaux.public.lu