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Bildende Kunst 3 Min. Lesezeit

Eine ganz neue Route

Großregion

Erschienen in Ausgabe September 2023
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Frauke Eckhardt translocation_link, 2022 © Saarart-Festival

Als großes Event der zeitgenössischen Kunst bietet die SaarART 2023 die Gelegenheit, die Werke von 62 deutschen, aber auch luxemburgischen und lothringischen Künstlern in elf verschiedenen Institutionen von Saarbrücken über Neunkirchen und Merzig bis nach Saint-Wendel zu entdecken. Ein einzigartiger Rundgang, den es bis zum 17. September zu entdecken gilt.

Zum ersten Mal wurden auf Initiative von Andrea Jahn, der künstlerischen Leiterin des Saarländischen Kulturbesitzes und der Moderne Galerie des Saarlandmuseums, Künstler aus der Großregion (Luxemburg und Lothringen) für eine Ausstellung ausgewählt. Vier Themenbereiche wurden ausgewählt: Identität, Vergänglichkeit, Schönheitsideal und Isolation.

Halbinsel

Isolation – sprechen wir darüber! Das Kollektiv Bremm hat beschlossen, diesem Thema eine ganz besondere Resonanz zu verleihen, indem es den Betrachter in diese Pufferzone zwischen Deutschland und Frankreich eintauchen lässt, die an der Bremm zu einem Niemandsland geworden ist, mit einem verlassenen ehemaligen Zollposten und einem Gestapo-Lager. Dort kann man „Schlafende Zöllner“ (2007) des Kollektivs entdecken. Ein neu interpretierter Ort, der auch als Vorläufer der Arbeiten der Künstler Mane Hellenthal und Ulrich Behr mit „Peninsula“ (2023) dient – einem Wandgemälde, das eine ganz andere Sicht auf den Ort vermittelt. In ihren gemeinsamen Arbeiten zum öffentlichen Raum beschäftigen sich Mane Hellenthal und Ulrich Behr unter anderem mit Umnutzungsobjekten wie ehemaligen Kasernen oder Grenzübergängen. Diese Orte werden durch ihre Interventionen metaphorisch neu interpretiert und vorübergehend wieder zum Leben erweckt. Die Arbeit von Lukas Ratius hingegen legt den Schwerpunkt auf seine dokumentarischen Beobachtungen mittels Fotografie. In der Arbeit „Auch Nomaden machen Rast“ beschäftigt sich Lukas Ratius mit Lkw-Fahrern und deren Mangel auf dem europäischen Markt. Der enorme Mangel wird durch Arbeitsmigranten aus Osteuropa, der Ukraine, Kasachstan und sogar aus Pakistan und Indien ausgeglichen. Die Arbeitsbedingungen sind hart, und die Abhängigkeit der Fahrer von ihren Arbeitgebern ist enorm. Berichte über prekäre Arbeitsbedingungen häufen sich, doch das öffentliche Interesse an der Situation der Betroffenen ist gering. Lukas Ratius greift dieses Thema mit seinen Fotografien auf.

Pop-Feminität

Ein weiteres Thema dieser Ausgabe von SaarART 2023, die Vorstellung von Schönheit, findet sich diesmal bei einer Malerin wieder. Die in Deutschland lebende Künstlerin Darja Linder. In einer Farbenpracht spielt eines ihrer Werke mit dem Thema des Selbstporträts. Das Gemälde zeigt eine junge Frau, die lässig die Beine spreizt und den Betrachter unverblümt ansieht; es verkörpert eine Pop-Weiblichkeit, die die Fragen widerspiegelt, die die Identität und die Normen prägen, die Frauen in einer bestimmten Epoche auferlegt werden. Auch Élodie Grethen hinterfragt diese Normen in ihrem Werk „Odaliske“ (2022). Inspiriert von Ingres scheint sich die Wirbelsäule der Hauptfigur des Bildes bis ins Unendliche zu verlängern. In Merzig, im Museum Schloss Fellenberg, inszeniert Stefan Zöllner ein Kuriositätenkabinett, eine seltsame und faszinierende Ansammlung von Fundstücken. Die Ausgabe SaarART 2023 versteht sich als Streifzug, Reflexion und Entdeckung des zeitgenössischen künstlerischen Schaffens. Die verschiedenen Orte zeichnen einen vielseitigen Parcours nach, der dennoch seine Gesamtkohärenz bewahrt: Wie lässt sich eine Welt im großen Wandel begreifen? Indem man sie sich durch die Kunst zu eigen macht.

Weitere Informationen zu den Ausstellungen: www.saar-art.de