Die Konschthal beteiligt sich am Kulturjahr Esch2022 mit einer Ausstellung zeitgenössischen Metalldesigns – ein offensichtlicher Bezug zur metallurgischen Vergangenheit der Stadt, die noch immer als „Metropole des Eisens“ bezeichnet wird. Der Titel ist selbsterklärend: „Metal Works – Designing & Making“. Doch zunächst wird der Besucher von einer riesigen Murmelbahn empfangen, deren Linien, Kurven und Achterbahnen sich über die drei Etagen der neuen Kultureinrichtung am Boulevard Prince Henri erstrecken.
Die Kugel (hier ein weißer PVC-Ball) aus der Installation „Distance“ (2004) des 1974 geborenen dänischen Künstlers Jeppe Hein ist ein auf XXL-Maß vergrößertes Kinderspiel und, wie Christian Mosar, der Leiter des Ortes, betont, ist sie „eine Maschine, ein mechanisches Gebilde, das man mit seinen Geräuschen und Klängen betrachten kann“. Das ehemalige Möbelgeschäft, dessen Struktur, Wände und Boden nun in ihrem rohen Zustand zu sehen sind, eignet sich offensichtlich sehr gut für das Geflecht aus Beinen, Pfosten, Metallbögen und Schienen mit kunstvollen Windungen, die die Etagen ästhetisch perfekt ausfüllen und auf denen die Kugel gleitet, die man beim Betreten in Bewegung setzt. Vor allem der Klang, der im gesamten Konschthal widerhallt, bleibt in Erinnerung, ebenso wie der Geruch von bearbeitetem Metall, der in der Luft schwebt und natürlich an Fabriken erinnert.
Die weiße, hochgebogene Bank am Eingang des Gebäudes stammt ebenfalls von Jeppe Hein. Die „Modified Social Bench“ (2012) ist Teil des Kunstparcours im öffentlichen Raum „Nothing is permanent“. Sie musste einfach vor der Konschthal Halt machen. (Siehe Seite 16). Es handelt sich um eine künstlerische Kreation, während die für „Metal Works – Designing & Making“ ausgewählten Stücke – gebogen, gestanzt, geschweißt, stranggepresst … von Georges Zigrand entsprechend ihrer Herstellungsweise ausgewählt und inszeniert wurden, Teil eines Teilbereichs der Innenarchitektur sind: dem Design. Hier ist der ikonische „Arm Chair Tom Vac“ von Ron Arad (1997) mit seinem Metallgestell und seiner Sitzfläche aus verchromtem Aluminium. Die Vasenserie „Nuages“ aus eloxiertem Aluminium von Ronan und Erwan Bouroullec lässt sich (zum Beispiel) auf das filigrane Regal aus Aluminiumguss des „Michael Young Retail Shelving System“ (2016) stellen.
In der Reihe der bearbeiteten und (hier durch Schweißen) zusammengefügten Teile präsentieren wir hier den Stuhl und den Schreibtisch „Officina“ aus dem Jahr 2015 – denn auch die Büroeinrichtung ist ein Bereich, in dem sich die beiden Brüder auszeichnen. Unter den mit Schrauben und Laschen montierten Stücken erkennt man, ebenfalls von Ron Arad, den unverzichtbaren „Well Tempered Chair“ aus dünnen, gebogenen Metallblechen und weiter hinten den „Plopp Stool“ von Oskar Zięta (2009) aus lackiertem Streckmetall. Der Name Oskar Zięta ist weniger bekannt als sein Hocker, der jedoch ein typisches Beispiel für den Wandel vom industriellen Metallbau hin zum häuslichen Gebrauch ist. Sein Erfolg ist paradoxerweise darauf zurückzuführen, dass er wie ein Sitz aus Kunststoff aussieht – einem Material, das heute verpönt ist…
Ebenfalls äußerst berühmt ist „Bent“ (2006), ein niedriger Stuhl aus gestanztem und gebogenem Stahl nach den Entwürfen des Luxemburgers Christophe de la Fontaine, sowie der schlichte Liegestuhl von Maarten Van Severen, eine Hommage an den Entwurf von Le Corbusier, LC95A (1993–1995), aus gebogenem und gewachstem Aluminium. Metal Works – Designing & Making widmet sich sowohl Neuinterpretationen des Geistes der Pioniere des 20. Jahrhunderts mit einfachen Formen und Konstruktionen, wie beispielsweise „Le Blanc“ mit der geschwungenen Sitzfläche von Xavier Lust (2000), der Faltkonstruktion (Beine und Tischplatte) des „Pallas“-Tisches von Konstantin Grcic, (2003) sowie komplexere Experimente. Der Hocker H.E.A. 310 mit Stahlgestell und einer Sitzfläche aus Leder, die an einen Motorradsattel erinnert, von Christophe de la Fontaine, sowie das Netzgewebe des „Pillon Chair“ von Tom Dixon, eine Anspielung auf einen Strommast.
„Metal Works – Designing & Making“ ist ein umfassender Katalog für zeitgenössisches Design. So führt uns der Rundgang vom „Spun Chair“ (polierter Stahl, 2016) von Thomas Heatherwick zum „Cloud“-Hocker aus gehämmertem Strangpressaluminium (2018) von Sigve Knutson. Der Hocker und der Sessel „MT und BC“ (2016) aus geblasenem Aluminium von Michael Young sehen paradoxerweise aus wie Beton. Im 21. Jahrhundert ist technisch alles möglich – außer vielleicht, dass die Experimente der Pioniere des 20. Jahrhunderts dank der Serienfertigung demokratisch und für Otto Normalverbraucher zugänglich sein sollten. Im 21. Jahrhundert ist Design zu einer Ikone und einem Modeprodukt geworden und hat sich endgültig zu einem elitären und teuren Vergnügen entwickelt.
Die Ausstellung „Distance“ von Jeppe Hein und Metal Works – Designing & Making ist
in der Konschthal (29–33 Boulevard Prince Henri
in Esch/Alzette) bis zum 4. September zu sehen