Das ist der Eindruck, der den Besucher auf Anhieb erfasst: Wie gut die großformatigen Werke (und das ist auch nötig) aus Robert Brandys jüngster Malerei – die alle aus den letzten Jahren stammen und meist zwei Meter breit oder sogar noch breiter sind – zu den weitläufigen Räumen der Galerie passen. Man könnte sogar sagen, dass sie diese Räume bewohnen, sie bevölkern, ihnen Atem und Leben verleihen. Der Titel der Ausstellung, „Open Landscape“, lädt zu weiteren Assoziationen ein: Landschaften, die sich uns darbieten, nebeneinander stehen, und an denen man vorbeizieht, wie man es auf einer Reise tut.
Kommen wir nun zu einem letzten Vergleich auf ganz anderem Gebiet: Variationen, wie sie die Musik so gerne mag, über ein vorgegebenes Thema, mit all den beruhigenden Wiederholungen, die dazu gehören. „Nur mit der Melodie seid Ihr ein wenig frei; … / Jetzt richtet mir noch einen zweiten Takt, / damit man merkt, welcher der erste war…“ Sachs’ Ratschläge an Walther von Stolzing in den „Meistersingern“ scheint Robert Brandy voll und ganz befolgt zu haben: ein Grundgerüst, das sich von einem Gemälde zum nächsten wiederholt, und doch immer wieder anders ist, sich auflösende Knoten, entstellte Kreuze, und zwischen den dicken, kraftvollen Strichen aus Tusche die Entfaltung, das Aufblühen der Farbnuancen.
Noch etwas anderes: Man könnte die schwarzen Spuren oder Striche als die Glieder dieses Gemäldes lesen. Nur werden sie genau in dem Augenblick eingefangen (daher der zeitliche Einschnitt), in dem sie ihre Verbindung verlieren – es sind also ebenfalls unzusammenhängende Gemälde, mit dem Paradoxon, dass sie gerade aus diesem Moment des Bruchs ihre große Ausdruckskraft beziehen. Sich auseinanderbewegende Verbindungsstellen, wie Kreuzungen, die zur Wahl einladen, die sich verzweigen und Landschaften und Gemälde in alle Richtungen öffnen, jenseits aller Grenzen.
Man ahnt bereits, dass die Freiheit, von der Sachs spricht – in diesen Werken von Robert Brandy zunächst mit der Melodie verbunden –, hier zu finden ist und dass sie den Unterschied bzw. die Raffinesse gegenüber der Rauheit in den (meist, um die Leichtigkeit zu betonen,) flüchtigen Farbtupfern ausmacht. An diese hat uns Robert Brandy gewöhnt, und sie führen zurück zur Wahrnehmung oder zum Erfassen von Landschaften, wie Jean Sorrente es anhand von Hélène Berr und ihrer Erfahrung beschreibt, die Welt auf den Kopf gestellt, mit nach hinten geneigtem Kopf, in „ wunderbaren Harmonie der Farben “, das Ocker, das gleichermaßen ins Gelbe, Braune und Rote tendiert, das Blau, das Grün.
Natürlich leben Robert Brandys Gemälde heute – das heißt in diesen Werken der letzten Jahre, die schärfer sind als je zuvor – ebenso sehr von der Gestik wie von dem samtigen, ja fast wolkigen Charakter der Nuancen, die sie umgeben. Beides macht ihren Reichtum und ihre Tiefe aus, und die Ausstellung wird so zu ihrer Erzählung, zu einer Geschichte mit zahlreichen Kapiteln, zum Epos der Malerei im Schaffen eines ganz und gar eigenständigen Künstlers.