Im vergangenen Februar veröffentlichte die Sängerin und Pianistin Kinga Radics, alias Kinga Rose, beim deutschen Label Timezone Records ihr erstes Album mit dem Titel „Vision“. Das einheimische Publikum konnte sie durch Konzerte im Grund Club Luxembourg kennenlernen, mit dem sie seit 2020 zusammenarbeitet, aber auch durch ihre Singles, die regelmäßig im Radio gespielt werden. Das von Lata Gouveia, dem Gründer des Grund Club Luxembourg, produzierte Projekt ist auf jeden Fall einen Hörversuch wert. Die Veröffentlichung der CD fand am vergangenen Samstag im Kulturzentrum Altrimenti statt. Eine Gelegenheit, dieses Projekt mit zehn Titeln und einer Spielzeit von vierzig Minuten (wieder) zu entdecken.
Gegen 20 Uhr, am Eingang des Saals, in dem das Konzert stattfinden wird, kümmern sich zwei sehr sympathische Damen um den Einlass. Da nur Bargeld akzeptiert wird, wird ein Paar gebeten, am nächsten Geldautomaten, der 400 Meter entfernt ist, Bargeld abzuheben. Im Inneren ist das Licht gedämpft, und die überall aufgestellten Tische verleihen dem Ganzen einen recht angenehmen „Balle-à-l’ancienne“-Charakter. Ein Mann an der Bar, der sich wohl an eine vergangene, sehnsüchtig vermisste Zeit erinnert, fragt den Kellner, ob das Rauchen erlaubt sei. Das Quartett des Abends wird begrüßt. Kinga Rose, am Klavier und als Sängerin, wird begleitet von Max Duchscher am Schlagzeug, Tom Heck am Bass und Laurent Pierre an den Saxophonen und der Flöte. Das Programm ist einfach: Die Gruppe wird die zehn Songs der Platte in zufälliger Reihenfolge interpretieren.
Was ist diese Platte also wert? Das Albumcover – eine relativ veraltete und wenig inspirierte Fotomontage, auf der der Künstler vor einem grün-rosa Hintergrund zu sehen ist – wird der Qualität der Aufnahmen nicht gerecht. Schon beim Intro „Weeping Willow“ ist man von der besonders gelungenen Orchestrierung von Ivan Boumans überrascht. Der Text ist einfach, die Reime vorhersehbar (window/rainbow), aber das Ganze kommt gut rüber. Das darauf folgende „Run Away Child“ klingt vertrauter, und das aus gutem Grund: Hinter den Arrangements steckt der unaufhaltsame Pol Belardi. „How Else“ mit seinen Blues-Rock-Akzenten (unterstrichen durch das Tempo und die Chöre) wird durch Gesangspassagen und Höhenflüge ausgeglichen, die dem Ganzen einen orientalischen Charakter verleihen. Die aus Ungarn stammende Kinga Rose erklärt, dass sie schon in jungen Jahren sowohl in der Schule als auch zu Hause mit traditioneller Musik in Berührung gekommen ist, und dieser starke Einfluss ist insbesondere im zweiten Teil des Titels „Vision“ zu spüren.
Besonders in den Erinnerung bleibt eine sympathische Hymne an die Liebe auf „Cosmic Love“, ein Hauch von „Englishman in New York“ auf „Girl In A Long Skirt“ und Anklänge an Burt Bacharach auf „If I Can’t Breathe“. Kinga Rose nennt ihrerseits Tori Amos und Kate Bush als Einflüsse und bekennt sich zu ihrer Liebe zum Latin-Jazz, die man tatsächlich in kleinen Anklängen spürt.
Laurent Pierre fühlt sich auf der Bühne besonders wohl. Man bedauert jedoch das Fehlen von Streichern, die dem Ganzen noch ein wenig mehr Seele verliehen hätten, und bemängelt die ungleichmäßige Akustik. Die Sängerin neckt das Publikum und ihre Musiker. Sie versteht es, die kleinen Pannen, die bei Konzerten nun einmal vorkommen, aufzugreifen und mit gewissem Geschick zu entschärfen. Als beispielsweise ein Kind zu Beginn eines Liedes etwas zu laut wird, versucht sie, mit ihm mittels „Gagaga“ zu kommunizieren, was den Kleinen sofort beruhigt. Kinga Rose erklärt, dass sie die zehn Lieder des Albums in Zeiten geschrieben hat, die eigentlich schwierig hätten sein können – eine Schwangerschaft und die uns allen bekannte Pandemie –, die aber tatsächlich „eine sehr ruhige und harmonische Zeit“ in ihrem Leben darstellten. „Ich hatte viel Zeit, tief in mein Innerstes einzutauchen und spirituelle Momente zu erleben.“
Auch wenn sie zugibt, sich eher an ein weibliches Publikum zu richten, hat man bei „Vision“ zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass sie offene Türen einrennt. Vielmehr entdeckt man Lebensvisionen, die sich durch das gesamte Projekt ziehen und eine Botschaft der Hoffnung vermitteln – für alle, die dafür empfänglich sind. „Ich wollte kein feministisches Album schreiben, aber die Texte sind tatsächlich aus einer weiblichen Perspektive über das Leben selbst verfasst und richten sich hauptsächlich, wenn auch nicht ausschließlich, an ein weibliches Publikum.“ Am Ende des Konzerts gibt es eine Zugabe mit einer Coverversion des Titels „Girl In A Long Skirt“. Anschließend geht Kinga Rose zu ihrem Publikum, das sich, wie sie bemerkt, aus bekannten Gesichtern und Unbekannten zusammensetzt.