Aus Altem Neues schaffen und noch viel mehr: Bild- und Klangkunst. Das bietet Esch2022 im Bridderhaus. Im „White Cube“ im ersten Stock ist eine Installation zu sehen. Auf dem Boden liegt ein Haufen Glühbirnen von Erwin Stache. Er bildet das Herzstück der Radio Art Zone, einem Auftrag für 22 Stunden Radiokunst.
Der quadratische Raum passt perfekt zu dem Haufen von Glühbirnen, die auf den ersten Blick einheitlich grau und erloschen wirken. Doch plötzlich leuchtet hier eine grüne Glühbirne auf, dort eine orangefarbene. Ein Ton hallt durch den Raum. Man würde ihn nicht als elektronisch, sondern als akustisch bezeichnen, und der Besucher wird, wenn er sich nähert, zum Akteur der Installation „Magic Eyes“ von Erwin Stache.
Die Miniaturisierung – bis hin zu Smartwatches – löst fast schon einen Erinnerungsschock aus, wenn man in die Welt des bildenden Künstlers Erwin Stache eintaucht und daran teilnimmt. Und doch ist es die Welt des TSF (drahtlose Übertragung, dem Vorläufer des Radios), das in den Haushalten wie ein Hausgott thronte – in den 1930er Jahren aus Holz, in den 1950er Jahren aus Bakelit, in den 1960er Jahren manchmal sogar mit einem Plattenspieler aufgesetzt. Das war, bevor der Transistor das Radio aus dem Haus verdrängte und es zu einem generationsübergreifenden Objekt zu Beginn der Ära der mobilen Musik wurde, das man mitnehmen und mit Freunden teilen konnte. Sein Höhepunkt war der Ghettoblaster der 1980er Jahre, ein Symbol der Hip-Hop-Kultur, bevor es sich entmaterialisierte und in unsere Handys integriert wurde.
Die Glühbirnen von Magic Eyes – technisch gesehen spricht man von Röhren –, die am Sockel mit Stiften versehen sind, die man Dioden nennt, erinnern in den Installationen von Erwin Stache an die „ Kiste “ des Radios oder an das „ Glockenspiel“. Man sieht sie von vorne, man sieht sie von der Seite, sie strahlen ein grünes Licht aus, zeigen eine orangefarbene „9“, eine „6“ und geben Töne von sich (Neon-Grün I und Neon-Grün II).
Die magischen Augen verwandeln sich in magische Schriftzeichen in der Installation auf der Abdeckung eines „echten“ Radios. Es gab Lang-, Mittel- und Kurzwellen. Die Jugendlichen aus dem Westen und dem Osten hörten die Hitparade der 1970er Jahre. Erwin Stache, der 1960 in der DDR geboren wurde, erinnert uns mit „Ost-West Skalensalat“ daran, dass das Umschalten von einem Sender zum anderen gleichbedeutend mit dem Überqueren der Mauer war. Man musste nur den Knopf drehen und die Nadel anhalten.
„Magic Eyes – Erwin Stache“ ist noch bis zum 19. September im Bridderhaus, 1 rue Léon Metz in Esch/Alzette, zu sehen