Am Anfang stand ein Projektaufruf, aus dem die Ausstellung #BFF hervorging – die wir zunächst für etwas schräg, nicht ganz ernst zu nehmen oder sogar verrückt hielten ? Wer die Beziehung zwischen Chantal Maquet und Diego kennt, weiß: Sie und ihr Hund sind wie ein einziges Ganzes. Warum also nicht die Menschen durch die Augen ihres treuesten Freundes betrachten – heißt es nicht „wie der Herr, so der Hund“? Chantal Maquet und Julie Reuter haben daher gebeten: „Schickt uns ein Foto von eurem Hund.“
Im vergangenen Jahr hatte die Künstlerin die Bewohner von Clervaux und ihre Umgebung porträtiert, die Chantal Maquet durchstreift und gemalt hatte, ebenso wie die Gesichter (siehe d’Land vom 15.09.23). Zum Abschluss des Aufenthalts in der Ermitage im Cube 521 gab es eine Ausstellung der Bilder im „Touche-Touche“-Stil, mit knalligen Farben und einem Soundtrack aus den Stimmen der Einwohner, die über ihr Leben erzählten, als Hintergrundmusik.
Hier kein Gebell, sondern links vom Eingang zu #BFF eine Serie von fünf kleinen Gemälden (jeweils 20 x 20 cm): Bleib, Schau, Sitz, Weiter, Hier. Die Grundbefehle des Herrchens an seinen Hund, die Chantal Maquet entsprechend der jeweiligen Haltung gemalt hat. Der Wolfshund hat rotes Fell, die Figur ist rosa und der Hintergrund – Gras und der Rand eines Gartens oder Waldes – ist grün. Man könnte fast das Surren eines Projektors hören, so sehr ähneln die Sequenzen animierten Filmsequenzen. Soviel zur Einführung in die Ausstellung #BFF.
Im ersten Raum der Galerie sind in diesem Jahr entstandene Gemälde zu sehen, die neben älteren Werken aus den Jahren 2017 und 2018 hängen. „Neuer bester Freund“ aus dem Jahr 2017 markiert den Beginn einer Geschichte: die erste Begegnung zwischen einem Kind und einem Hund. Und man erinnert sich daran, „Zu Zweit mit Kessi“ 2018 in einem anderen Kontext in Bourglinster gesehen zu haben. Chantal Maquet arbeitete damals weniger mit flächigen Farbfeldern, sondern näherte sich eher den Erinnerungen an Fotoalben an, sowohl unscharf als auch realistisch.
Chantal Maquet arbeitet oft mit alten Postkarten, die sie auf dem Flohmarkt gefunden hat. In ihrer Arbeit gibt es etwas, das an eine soziologische Studie erinnert. Dies kommt gleich zu Beginn in dem Gemälde „What you see is what you get“ zum Ausdruck, auf dem ein Lehrer und Schüler sich über kleine, menschenähnliche Figuren auf einem Tisch beugen und diese betrachten. Im Jahr 2017 nahm sie mit diesem analytischen Ansatz am Robert-Schuman-Preis teil, doch erst 2022 erhielt sie den Pierre-Werner-Preis auf dem Salon du CAL mit „Tue dir Gutes und rede darüber“ #„Païschtcroisière“, einer Beobachtung menschlichen Verhaltens im Rahmen einer sehr beliebten luxemburgischen Volksveranstaltung.
Bei der Ausstellung #BFF geht es um Familien mit Hunden, in denen von Generation zu Generation Kinder mit Hunden aufgewachsen sind. So durchquert man die Zeit und die sozialen Schichten: die aristokratische Familie, die bürgerliche Familie, die Familie der Arbeiterklasse. Manche Porträts berühren mehr als andere: die im Gras sitzende Dame mit dem großen Hut aus den 1900er Jahren, die ihren Hund umarmt, „Dame mit Hut und Hund“, „der Hund“, der auf einem goldenen Sessel thront. Blau, Rosa, Grün. Die Farben leuchten. Man denkt eher an Neonfarben als an Expressionismus. Doch hier ist ein Werk, das etwas anderes aussagt. Es ist eine Straßenszene, in der die Figur grün und der Hund schwarz ist, der Hintergrund braun. Es trägt schlicht den Titel „Schwarzer Pudel“. Es ist zweifellos das komplexeste Gemälde der Ausstellung. Man stellt sich vor, dass der kleine Mann mit seinem altmodischen Anzug und seinem Spazierstock sowie der riesige, perfekt gepflegte schwarze Pudel ihren Lebensunterhalt damit verdienten, die Kleinheit des Menschen und die Größe des Hundes zur Schau zu stellen…
Heute sind wir weit entfernt von dieser traurigen Ausstellung. Aus zweihundert Fotos, die im Rahmen des Projektaufrufs der Galerie im Juli eingereicht wurden, hat Chantal Maquet 67 Hundeporträts gemalt. Besonders gut hat uns „Zwei mit Kölsch“ gefallen – ein Bier für den Herrchen, ein Bier für den Hund. Es gibt Schmusehunde, Kumpelhunde, Trosthunde und verwöhnte Hunde. In „Mit Jasper unterwegs“ sieht man nur die Beine des Besitzers und die Pfoten des Hundes. Nachdem sie sich auf das Spiel mit den Hundegeschichten eingelassen hatte – ein Panorama der Gegenwart –, kehrt Chantal Maquet nun zur Beobachtung einer Situation zurück.