Die Anzahl der Werke wurde nicht gezählt, doch die Hängung ist bei den Gemälden von Pit Riewer und Jack Hilton sehr dicht, linear bei den Fotografien von Marie Capesius mit neonfarbenem Glanz auf blauem Hintergrund sowie von Julien Hübsch (Write about my piece) bei dieser dritten Gruppenausstellung „The Third Act“, die die Vorliebe der strahlenden und entschlossenen Galeristin Julie Reuter für farbenfrohe Malerei bestätigt. Ein weiteres Merkmal ist, dass es sich um eine Ausstellung der jungen Generation handelt.
Die großformatigen Arbeiten von Pit Riewer sind schon von der Rue Notre-Dame aus ein Blickfang – während die kleine Größe der Polaroids von Marie Capesius dazu zwingt, ganz nah heranzugehen. Die junge Französin, die 1988 in Straßburg geboren wurde, hat nach einem vierjährigen Fotografiestudium an der Ostkreuzschule in Berlin kürzlich einen Post-Master-Abschluss in Forschung an der ENSAD in Nancy erworben und lebt nun in Luxemburg. Pit Riewer wurde 1999 in Luxemburg geboren und stellt Gemälde aus, die Teil seiner diesjährigen Abschlussarbeit an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Antwerpen sind.
Beide thematisieren Intimität, allerdings auf gegensätzliche Weise. Zart, aber ohne Scheu – das gilt für die Serie mit den für Schnappschüsse typischen Formaten, in der Marie Capesius, wie zu Zeiten der klassischen Kunst, ihre Aussage durch einen Titel für die Serie „Memory Remains“ unterstreicht. Der Stuhl in „Viens“, der auf einen Besucher wartet, und der in „Prends place“, auf dem man physisch zum Platznehmen eingeladen wird, rufen Tatsachen in Erinnerung. Das Gold in greifbarer Nähe, goldene Mimosenknospen, gehört zur Vergänglichkeit, ebenso wie „Est-ce bien ce dont je me rappellerais ?“, eine weniger „lesbare“ Fotografie. Die Serie ist das Ergebnis des Künstleraufenthalts von Marie Capesius am Centre National de l’Audiovisuel (CNA) in diesem Jahr.
Pit Riewers Handschrift in seinen sechs Gemälden ist weitaus kraftvoller, und man kann sich die Gestik des Malers in diesen großformatigen Werken vorstellen, die mit Gouache und Acryl auf Leinwand entstanden sind. Doch auch er beschwört lediglich flüchtige Augenblicke herauf, deren Herzstück „Bath“ ist: Der Badende ist im Begriff, den Raum zu verlassen, der Heizkörper steht für Wärme, das Waschbecken für Wasser. Man kann sagen, dass Julie Reuter ihre Vorliebe für Anspielungen „à la Bonnard“ bekräftigt, wobei sie sich hier mit der Komposition der Elemente einer Szene auseinandersetzt.
Jack Hilton (geb. 1996 in London) wird ebenso wie Riewer erneut von der Galerie eingeladen. Die Betrachtung seines Werks in „The Third Act“ lässt bei diesem Künstler, der aus einer Künstlerfamilie stammt und ebenfalls die Malerei als Ausdrucksmittel gewählt hat, ein narratives Ganzes erkennen. Inspiriert von der Literatur, die er studiert hat, entstanden Werke wie „The Last Town Crier“, ein Ölgemälde auf einem Hardcover-Buchumschlag, „Seahorse with no Rider“ – das kleine Meerestier, das es nie gab – oder auch „Road to Damascus (Fragile Masculinity in Pink)“, das eine männliche Angst unserer Zeit thematisiert.
Julien Hübsch (1995), der in Deutschland lebt und dort sein Studium an der Kunsthochschule Mainz fortsetzt, zeigt Experimente mit Baumaterialien: Gips- und Keramikfliesen werden auf Styropor geklebt. Es handelt sich, so sagt er, um den städtischen Raum, der zu einer bildnerischen Intervention wird. Eine Arbeit, die bei genauer Betrachtung weit weniger roh ist, als sie zunächst erscheint.
Marie Capesius – Jack Hilton – Julien Hübsch – Pit Riewer. „The Third Act“ ist noch bis zum
10. September zu sehen. Reuter Bausch Art Gallery, 14 rue Notre-Dame, Luxemburg-Stadt. Täglich von 11:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, montags geschlossen.