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Bildende Kunst 4 Min. Lesezeit

Fragen der Zeit

Bilder – sowohl Standbilder als auch bewegte Bilder –, wie es sich für das CNA gehört, wo Kay Walkowiak alle Darstellungen hinterfragt

Erschienen in Ausgabe Oktober 2024
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Ein Wiedersehen nach gut einem Dutzend Jahren geht nicht ohne ein gewisses Maß an Unsicherheit vonstatten – oder sagen wir: eine Erwartung, in die sich ein Zweifel oder eine Verlegenheit einschleicht. Da es sich in diesem Fall um einen Künstler handelt, stellt sich die Frage, wie sich sein Schaffen weiterentwickelt hat: Hat er beispielsweise den ihm eigenen Weg noch weiter vertieft oder ist er neue Wege eingeschlagen? Kay Walkowiak hatte 2011 im Rahmen des Austauschprogramms mit Salzburg in Luxemburg ausgestellt. Objekte aus Metalllinien, die vielleicht für bestimmte Zwecke gedacht waren, die aber selten zum Einsatz kamen. „Hinter jeder Offensichtlichkeit, in jedem Akt des Bedeutens, gibt es eine Bedeutungslosigkeit, die man auch als das Naheliegende bezeichnen könnte“, hatte Jörg Oberreiter kommentiert.

Kay Walkowiak ist zurück in Luxemburg, im CNA in Dudelange, mit einer Einzelausstellung unter dem Titel „Traces of Time“. Und wie es sich für diesen Ort gehört, besteht sie im Wesentlichen aus Bildern, Fotografien und Videos; die Künstlerin hat also ihr Material gewechselt, was jedoch geblieben ist, ist ein radikaler Ansatz der Hinterfragung. Das überrascht nicht bei jemandem, der Psychologie und Philosophie studiert hat und darüber hinaus den Fernen Osten bereist und dort gelebt hat. Dennoch sind hier und da Objekte, Skulpturen, wenn man so will, aus lackiertem Stahl an den Wänden des Kubus im Inneren des Pomhouse zu sehen.

Schon vor dem Betreten der Ausstellung wird der Besucher mit dem furchteinflößenden Thema der Arbeit des Künstlers konfrontiert: die Zeit – was sie sein soll, wie wir sie empfinden, wie sie dargestellt wird. In manchen Kulturen ist sie eine gerade Linie, auf der man sich unaufhaltsam vorwärtsbewegt – auf den großen Abend oder das Jüngste Gericht zu. Anderswo herrscht Wiederholung, und die zyklische Wiederkehr führt uns zurück in dieselben Gewässer, oder aber die Zeit scheint stehen geblieben zu sein, erstarrt in einer Art ewiger Gegenwart.

„Traces of Time“: Außen die Fotografien, innen ein sechzigminütiger Film, bestehend aus ebenso vielen Standbildern – jedes natürlich eine Minute lang –, und man kann den Zeigern folgen, die das Verrinnen der Sekunden anzeigen. Wir befinden uns in Indien, offenbar bei Privatpersonen oder in einem Geschäft, mit Blick auf eine mehr oder weniger geschmückte Wand und die besagte Uhr. Allerlei Innenräume, allerlei Bilder, und an der Decke oft Ventilatoren, deren Flügel sich deutlich schneller drehen als die Zeit vergeht. Manchmal dringt durch Spiegelungen die Außenwelt herein, zum Beispiel vorbeigehende Fußgänger.

Mit dem größten Stück (ein bewusst gewählter Ausdruck, wie Sie sicher verstehen werden) gehen wir weiter und steigen in den Tank des Wasserturms hinauf: „Rise and Fall“ heißt die Filmmontage von Kay Walkowiak, die auf dem Panorama des Naturkundemuseums von Chandigarh basiert, und wir verlassen die Intimität und die individuelle Wahrnehmung der Zeit – in einem kurzen Zeitabschnitt – zugunsten einer quasi unendlichen Dauer, die der Entwicklung des Lebens auf der Erde entspricht. Die Epochen folgen aufeinander, ziehen vor unseren Augen vorbei, von den geologischen Zeitaltern über das Neogen bis hin zum Erscheinen des Homo erectus. Zunächst geschehen dies in scharfen Bildern mit leuchtenden Farben; in einer zweiten Runde verlieren sie ihre Leuchtkraft, verblassen und verschwinden gänzlich – vielleicht eine Auswirkung des Anthropozäns, des Einflusses des Menschen auf die Geschichte der Erde.

Von einem Museum zum nächsten – Orte der Darstellung par excellence – entreißen uns Fotocollagen endlich solchen (allzu) ernsten, ja sogar düsteren Bildern und Vorstellungen (trotz oder gerade wegen ihres Verblassens). Im MNAHA hat Kay Walkowiak auf die Keramiksammlung zurückgegriffen, insbesondere auf die Produkte von Villeroy & Boch. Und jedes Mal hat er sie in einem äußerst fragilen Gleichgewicht – einer wahren Akrobatik – aufeinandergestapelt. Das überrascht natürlich, das amüsiert, diese Montagen, diese Konstruktionen, erinnert aber auch daran, dass unser Geist bei allen Arten von Darstellungen kaum anders funktioniert.