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Bildende Kunst 4 Min. Lesezeit

Formen und Erzählungen

Die strukturierte Sprache von Thomas Arnolds und die sich entwickelnde Zeichenkunst von Jeanne Mons. In der Galerie Nosbaum Reding

Erschienen in Ausgabe Oktober 2023
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Thomas Arnolds kehrt mit einer dritten Einzelausstellung zu Nosbaum Reding zurück. Sechs große Ölgemälde auf Leinwand im Hochformat und eine Leinwand mit einer Länge von zwei Metern und einer Höhe von 1,50 Metern. Die Hängung von „RUN (Frühstück)“ ist äußerst zurückhaltend. Neun Kohlezeichnungen, alle im Format 42 x 29,5 cm, ergänzen im kleinen Saal diese Serie, die sparsam an den großen Bilderschienen des Raums zur Straße hin aufgehängt ist.

„RUN (Frühstück)“ knüpft an „RUN Light“ an, das 2021 in der Brüsseler Galerie Nosbaum Reding präsentiert wurde, sowie an „Augmented Bonsaï“ in Luxemburg im Jahr 2019. Hinzu kommt die Teilnahme an der jüngsten Gemeinschaftsausstellung von „Malerei“ im Jahr 2022, ebenfalls in der Rue Wiltheim. Aber kann man im Schaffen von Thomas Arnolds von Kontinuität sprechen? Von einem roten Faden in seinem Werk, das dem deutschen Neoexpressionismus zugeordnet wird?

Man muss seinen Werdegang erwähnen. Thomas Arnolds wurde 1975 in Geilenkirchen geboren, arbeitete als Maurer und studierte Bildhauerei. Anschließend war er an der Restaurierung von Sakralbauten beteiligt, wo er tatsächlich als Bildhauer tätig war. Danach unterbrach er seine berufliche Tätigkeit und absolvierte ein fünfjähriges Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig (2001–2006). Im Jahr 2005 lässt er sich in Köln nieder und widmet sich der Malerei. Von der Kritik wird er dem Neoexpressionismus zugeordnet. Da stellt sich die Frage: Ist Arnolds ein figurativer oder ein abstrakter Maler?

In „RUN (Frühstück)“, das seinem aktuellen Ausdruck entspricht, spielt die Farbpalette eine wichtige Rolle. Die Hintergründe sind schwarz, grau, apfelgrün und hautfarben. Einheitlich bedeutet nicht gleich glatt. Man sieht die Pinselstriche, winzige weiße Stellen der blanken Leinwand. Es handelt sich um eine reliefartige Oberfläche, vor der sich das Motiv des Werks abhebt, gezeichnet mit dicken Strichen in Schwarz, Blau und Rot. Die Hand dominiert. Sie dient als Stütze für eine Art Halbkugel, die Arnolds Lieblingsmotiv zu sein scheint. Doch es gibt noch weitere wiederkehrende Motive, wie die antike Säule. Und ein Feuerzeug, dessen Rillen fast identisch mit denen der Säule sind.

Dies sind die Leitmotive von Arnolds, der im Laufe seiner Karriere das Material dick, fein, abgekratzt, wie Garnknäuel verdreht oder – fast – an gewebte Stoffe erinnernd bearbeitet hat. Die Kohlezeichnungen von RUN (Frühstück) verdeutlichen wohl am besten, wie oft bei Arnolds etwas auftaucht, das wie architektonische Landschaften wirkt. Man glaubt, ein Feuerzeug, eine Weste oder ein halb liegendes Kapitell zu erkennen. Und warum nicht auch die Freiheitsstatue? Wir überlassen es dem Besucher, herauszufinden, um welche Zeichnung es sich handelt. Die Assemblagen von Thomas Arnolds zeigen, dass neben seinem Talent als Zeichner auch der Maurer und der Bildhauer in ihm verwurzelt sind – Künste, die durch die zentrale Positionierung der „Objekte“ noch betont werden.

Im Project Room sieht es ganz anders aus. „Amour, ihr wisst nicht, was die Abwesenheit von Jeanne Mons bedeutet, wird von Vincent Vanden Bogaard kuratiert, einer wichtigen Persönlichkeit der Brüsseler Galerie Nosbaum Reding, wie es bereits bei der ersten Arbeit von Gladys Bonnet der Fall war (siehe d’Land vom 02.06.2023). Auch hier handelt es sich wieder um eine sehr junge, 22-jährige französische Künstlerin, die ebenfalls an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Brüssel studiert hat. Den Artikel über Gladys Bonnet hatten wir „Die Erzählerin“ betitelt. Hier ist nun eine weitere.

Die Kulisse ist die Natur, in der sie Szenen inszeniert, deren Protagonisten ein Paar sind. Sie posieren in einer Art Rollenspiel. Die Körper des Mannes und der Frau werden ganz realistisch dargestellt, so wie es ein Schüler im Aktzeichenunterricht wahrnimmt. Eine andere weibliche Silhouette hingegen wirkt geradezu nicht existent, weiß, leer. Der männliche Körper ist kraftvoll, ja trägt sogar eine Kriegerrüstung aus der griechischen Mythologie. Der weibliche Körper wirkt sichtlich zerbrechlich, ja magersüchtig, oder hat perfekte Formen, wie das tyrannische Selbstbild auf der Leinwand.

Vincent Vanden Bogaert geht im Begleittext auf Comics der 1980er- und 1990er-Jahre ein; die Titel der Werke verweisen ihrerseits auf reale Erlebnisse oder eine autofiktionale Inszenierung. Es sind lange, poetische Sätze, die der Selbstsuche der geisterhaften Gestalt entsprechen. Wir persönlich dachten dabei an die Art-Déco-Zeit, ein wenig kitschig, ein bisschen dekadent. „Liebe, du weißt nicht, was Abwesenheit ist“ ist ein erster Versuch, dem man je nach der Denk- und Arbeitsweise, die Jeanne Mons entwickeln wird, weiter folgen sollte.

„RUN (Frühstück)“ von Thomas Arnolds und „Amour, vous ne savez pas ce qu’est l’absence“ von Jeanne Mons sind noch bis zum 4. November in der Galerie Nosbaum Reding zu sehen