Die Verbindungen zwischen bildender Kunst und Essen sind nicht neu. Man findet bereits in der altägyptischen oder antiken griechischen Welt Buffets, die den Göttern und Göttinnen bestimmt waren, Stillleben seit den flämischen Meistern des 17. Jahrhunderts, Reliefs von Mahlzeiten auf den Tischen von Daniel Spoerri, Warhols Suppendosen oder, in jüngerer Zeit, die „Chocolate Factory“ von Paul McCarthy. Eine Ausstellung diesen Verbindungen zu widmen, ist ebenfalls nichts Neues. Die von Nicolas Bourriaud 2019 in Montpellier kuratierte Ausstellung „Cookbook“ hatte die Messlatte sehr hoch gelegt.
Mit „Hors d’œuvre“ im Cercle Cité (bis zum 21. Januar) greift Anastasia Chaguidouline, Leiterin des Hauses und Kuratorin der Ausstellung, ein bekanntes Rezept auf und verfeinert es nach ihrem eigenen Geschmack. Sie schafft einen Dialog zwischen Künstlern verschiedener Generationen aus Luxemburg, den Benelux-Ländern und der Großregion. Zudem stellt sie ihre Ausstellung in einen größeren Zusammenhang und zieht eine Parallele zu „All you can eat – Der Mensch und seine Ernährung“, die im Lëtzebuerg City Museum zu sehen ist. „Angesichts ökologischer Fragen, des übermäßigen Konsums, der Produktion und der (Ent-)Wertung von Arbeit ist Essen in der zeitgenössischen Kunst zu einem Medium geworden, um kritische gesellschaftliche Themen zu beleuchten“, heißt es in der Einleitung. Die Ausstellung geht nicht ganz so weit wie diese Einleitung vermuten lässt, auch wenn Themen wie Verschwendung, Sucht, Identität oder Genuss durchaus präsent sind.
Zunächst eine Entdeckung: das Werk von Jieun Lim – eine weiße Neonleuchtschrift mit den Worten „Dried squid cold beer and peanuts“ in Großbuchstaben. Dieser Text stammt aus einem koreanischen Film, in dem ein Straßenverkäufer den Inhalt seines Handwagens ankündigt. Aus dem Kontext gerissen könnte das Zitat an ein Werbeschild erinnern, an eine konzeptuelle Beschreibung à la Joseph Kosuth. Der kulinarische Bezug ist zugleich offensichtlich und faszinierend. Man erkennt darin eine sehr regionale Besonderheit, doch die Übersetzung ins Englische verleiht ihm eine größere Tragweite.
Daneben verwirrt und fasziniert die Fotoserie „Chewing in Venice 2“ von Simone Decker, die für die Biennale von Venedig 1999 entstanden ist. Überfluten riesige Kaugummis etwa die Serenissima? Tatsächlich arbeitet die Künstlerin mit einem speziellen Blickwinkel, der den Betrachter buchstäblich täuscht. Die Begriffe von Maßstab und Perspektive werden verwischt. So untersucht sie, wie der öffentliche Raum gestaltet und genutzt wird; die winzigen Kaugummis werden zu Skulpturen, Mauern, Barrikaden. Man kann diese Bilder als Warnung vor Umweltverschmutzung und Müll in einer Stadt interpretieren, die unter der Last der Touristen zusammenbricht.
Es entsteht eine offensichtliche Verbindung zu den Videoarbeiten von Bea de Visser. „Blowup“ zeigt aus nächster Nähe junge Mädchen, die Kaugummi kauen und Blasen machen – ein alltägliches und scheinbar unschuldiges Ritual. Die Nahaufnahme zieht den Betrachter auf eine intimere Weise in den Bann, und die Bilder erhalten einen stärker sexualisierten Charakter, wodurch die Dualität zwischen Unschuld und Vulgarität im idealisierten Frauenbild hervorgehoben wird.
Wir hatten Trixi Weis’ Arbeiten rund um das Thema Zucker bereits bei einer Ausstellung in Dudelange bewundert. Nun legt sie mit „Sugar“ nach – einem aus Zucker gefertigten Miniaturhaus, das eine Anspielung auf die Kindheit und ihre Freuden ist, die letztendlich süchtig machen. Mit ihrer Performance „Economy class“ nimmt sie zudem die westliche Gesellschaft kritisch ins Visier: Die von der Künstlerin gefertigten Gläser sind horizontal in zwei Hälften geteilt und können daher nur zur Hälfte gefüllt werden. Auch in „Sweet Country“ von Florence Haessler steht Zucker im Vordergrund. Ihr rot-weiß-blaues Triptychon erinnert an die Farben der luxemburgischen Flagge, ihres Wahlheimatslandes, während die darin hyperrealistisch gemalten Bonbons eine Art ideale, erstarrte Vergangenheit heraufbeschwören. Auch Alexandre Lavet würdigt die Stadt, die ihn aufgenommen hat: Brüssel. „All the good times we spent together“ sind Nachbildungen von Bierdosen, die ebenfalls hyperrealistisch gestaltet sind. Doch während Florence Haessler die plastische und glänzende Schönheit der Verpackungen hervorhebt, macht sich Alexandre Lavet über den Alkoholkonsum bei Vernissagen lustig und lässt Zweifel an der Realität seiner Werke aufkommen, die bewusst auf dem Boden liegen gelassen werden.
Die monumentale und imposante Installation „Plague“ von Puck Verkade verbindet auf humorvolle Weise aktuelle Themen wie Feminismus und ökologisches Bewusstsein. Eine Kulisse aus Pommes-Frites aus Pappe umrahmt einen Videobildschirm, auf dem ein Stop-Motion-Film auf spielerische Weise das Aufeinandertreffen einer Hausfrau und einer zunehmend aufdringlichen Fliege in einer kafkaesken Verwandlung inszeniert. Schließlich greifen die vier Gemälde von Ugo Li, die über die Ausstellung verteilt sind, die klassische Ikonografie von Banketten und Stillleben auf. Seine Arbeit mit Perspektiven, seine Wortspiele und seine wiederkehrenden Motive (Stühle, Weingläser, menschliche Körperteile) stellen das Ritual des Essens auf den Kopf und verlagern es in einen persönlicheren Rahmen. Man schwebt gewissermaßen in einem Moment, wie in einer Filmsequenz, die einer Katastrophe vorausgeht.
Man bleibt ein wenig auf dem Trockenen sitzen, da man die Ausstellung schnell durchgesehen hat. Doch die Auswahl ist stimmig und vermittelt aus zeitgenössischer Perspektive einen guten Einblick in die komplexe Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Ernährung.