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Bildende Kunst 5 Min. Lesezeit

Das Agape-Essen im Museum – ein vernachlässigter Bereich

Die in Museen eingerichteten Brauereien, Cafeterias und sonstigen Bars sind selten ein Erfolg

Erschienen in Ausgabe Oktober 2021
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An den Wänden hängen (manchmal geniale) Kunstwerke, und bei so viel Kreativität läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Das alles kann Hunger und Durst wecken. Man möchte sich gerne über das austauschen, was man gerade bewundert hat. Manchmal liegt die Einrichtung, die man besucht hat, etwas abseits von jeglichen Kneipen. Aber sich in die hauseigene Cafeteria zu setzen, reizt einen nur mäßig. Was stimmt da nicht?

Und doch gibt es in Städten und Ländern Beispiele für gelungene Museumsgasthäuser. Im Centre Pompidou in Paris sind das „Georges“ und seine Dachterrasse stets gut besucht. Das Gleiche gilt für das herrliche Restaurant im neunten Stock des Blavatnik-Gebäudes der Tate Modern in London. Zugegebenermaßen bieten beide als zusätzlichen Vorteil einen unvergleichlichen Panoramablick auf die jeweiligen Städte. Außerdem haben sie nicht gezögert, die Küche erfahrenen Köchen anzuvertrauen. Erwähnenswert sind auch die Räumlichkeiten des Palais de Tokyo mit einem Nebengebäude des Museums, dessen Konzept sich recht regelmäßig ändert, dem herrlichen „Monsieur Klein“ im Untergeschoss und der riesigen Terrasse, die gemeinsam mit dem Musée d’art moderne de la ville de Paris genutzt wird.

Es liegt uns fern, die Küchen dieser Kultstätten mit der Brasserie des Bergbaumuseums in Rumelange oder der des Kutschenmuseums in Peppange zu vergleichen – dabei handelt es sich um regionale Museen, die vor allem ein lokales Publikum anziehen und keine gastronomischen Ambitionen haben. Aber was die Hauptstadt angeht, sieht es nicht gerade glorreich aus, wenn man sich ansieht, was in den Tempeln der Kultur geboten wird. Wir wollen nicht näher auf Kulturzentren wie die Rotondes oder das Neimënster eingehen, die eher Treffpunkte als Ausstellungsorte sind und zumindest in dieser Hinsicht ein gewisses treues Publikum anziehen. Im Grund ist es übrigens bisher keinem Betreiber gelungen, regelmäßig Gäste anzulocken, was vermuten lässt, dass der Aspekt „Essen und Trinken“ dort stets etwas stiefmütterlich behandelt wurde. Wie so oft wird die gesamte Verantwortung einem externen Betreiber übertragen, der im Rahmen einer Ausschreibung ausgewählt wurde, und man kann sich fragen, ob man – abgesehen von der Suche nach dem günstigsten Angebot – wirklich dessen Fähigkeiten analysiert, ein Restaurant zum Leben zu erwecken. Wir hoffen, dass das Projekt, das Kim Mathekowitsch entwickelt, uns eines Besseren belehren wird.

Im Mudam hatte die damalige Direktorin, Marie-Claude Beaud, beschlossen, die Brasserie des Museums ausschließlich den Besuchern vorzubehalten. Für den Zugang musste man zwingend den Eintrittspreis bezahlen. Dabei hätte der Weg durch die große Eingangshalle die Restaurantbesucher dazu motivieren können, sich in die Ausstellungsräume des Museums zu wagen. Seitdem, auch wenn sich die Situation geändert hat, belebt sich dieser sehr große Raum, der zudem von den renommierten Designern, den Brüdern Bouroullec, gestaltet wurde, wirklich nur an Vernissagenabenden. Man muss zugeben, dass es nicht viel gibt, was Feinschmecker anziehen könnte, weder durch eine verlockende Speisekarte (dem Menü mangelt es, so regional es auch sein mag, deutlich an Mut und Kreativität), noch durch coole Veranstaltungen, wie sie einst mittwochabends mit DJ-Sets stattfanden. Junge Köche einzuladen, um bei Pop-up-Veranstaltungen ihr kulinarisches Konzept vorzustellen, wäre eine ebenso interessante Idee für das Museum wie für die angehenden Köche.

Im Casino-Luxembourg in der Rue Notre-Dame ist es bedauerlich zu sehen, dass sein „Ca(fe)sino“ nie wirklich Fuß gefasst hat, obwohl es den schönsten Rahmen hatte, den man sich vorstellen kann. Es bleibt zu hoffen, dass sein Nachfolger, das „Kay“ – ein neues Konzept mit kreativer peruanischer Küche (auch wenn wir unter den Tagesgerichten ein Pad Thai entdeckt haben) – endlich seine Kundschaft finden kann. Das größte Problem hier ist die schlechte Schalldämmung im Saal, die man von Anfang an hätte beheben müssen, denn zu Stoßzeiten kann man sich kaum noch unterhalten.

Wie schade ist es übrigens, dass ein so hübscher Pavillon wie die Villa Vauban nie einen Ort bekommen hat, an dem man sich ausruhen und einen kleinen Imbiss genießen kann. Zumindest gab es hier früher Mittagessen im Grünen, doch dieses Konzept ist zu sehr von den Launen des Wetters abhängig, um sich langfristig etablieren zu können. Das einzige Museum, dessen Restaurant mit einem stimmigen Konzept gut angelaufen war, war das Stadtgeschichtsmuseum (umbenannt in Lëtzebuerg City Museum). Schon allein seine herrliche Terrasse mit Blick auf den Grund war bei den ersten Sonnenstrahlen ausgebucht, die angebotenen Menüs konnten sich sehen lassen, und der erste Betreiber, Robert Mailliet, zeigte sich kooperativ und organisierte Tanztees, Abendessen im Rahmen der Pariser Kommune, philosophische Cafés und sogar Hochzeitsfeiern. Die Nachfolger hielten sich nicht mehr an diese direkte Zusammenarbeit mit dem Ort selbst, was jedes Mal zu einer plötzlichen Schließung führte. Bis Anfang 2022 wird ein neues Team den Betrieb des Restaurants (und der Terrasse rund um die große Buche) wieder aufnehmen. Das Ruder übernehmen erfahrene Akteure der Szene. Man darf also auf einen gelungenen Neustart hoffen.

Abschließend – und zur Entlastung einiger Betreiber, die sich ohne großen Erfolg daran gewagt haben – muss man sich die Frage stellen, ob Museumsrestaurants in mittleren oder kleinen Städten nicht schwieriger zu betreiben sind, da die Museen selbst nicht besonders gut besucht sind ? Bei einem kürzlichen Besuch der Modern Gallery im Saarlandmuseum in Saarbrücken fanden wir ebenfalls eine leere Brasserie vor, und auf der Terrasse war sogar ein großer Bildschirm aufgestellt worden, auf dem Fußballspiele übertragen wurden – zweifellos in der Hoffnung, etwas mehr Publikum anzulocken. Was das Restaurant im Centre Pompidou in Metz betrifft, so scheint es ebenfalls Schwierigkeiten zu haben, sich zu behaupten, da der Betreiber im Laufe der Jahre bereits mehrmals gewechselt hat. Die mit Kulturstätten verbundenen Einschränkungen (einzuhaltende Öffnungszeiten, Abhängigkeit von der Institution, Lage…) erschweren den Betrieb solcher Lokale. Kehren wir jedoch zu uns zurück, so sieht man beispielsweise in der Brasserie Schumann am Grand Théâtre, dass eine starke Führungspersönlichkeit an der Spitze und ein stimmiges kulinarisches Angebot einen Ort, der zuvor nur so gerade so über die Runden kam, zum Erfolg führen können.