Das größte Gemälde der Einzelausstellung „Broken Blocks“ von Cosimo Casoni ziert die himmelblaue Bildleiste, die in derselben Farbe wie der Hintergrund der Leinwand gestrichen ist. Doch erst im hinteren Raum befinden sich die Werke, die dieser Ausstellung zugrunde liegen. In der Bildmitte steht ein großes Landhaus, an das sich ein Wald aus Pinien anschließt. Dieses intensive Grün ist das der Allee, die zu dem Anwesen mit dem ockerfarbenen Ziegeldach führt. Der untere Teil des Bildes ist mit Olivenbäumen übersät, vor dem gelben Hintergrund eines frisch abgeernteten Feldes. Der Himmel zeigt die Farben der Morgendämmerung, die einen heißen Tag ankündigen.
Diese stereotype Landschaft findet sich in allen Epochen der italienischen Malerei wieder, oft als winziges Detail im Hintergrund eines byzantinischen oder Renaissance-Gemäldes, bis hin zu den „Macchiaioli“, die sie zu eigenständigen Bildthemen machten. Auch wenn wir schon weit entfernt sind von diesen toskanischen Malern der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, den Pionieren der modernen italienischen Malerei, bekundet Cosimo Casoni auch heute noch seine Vorliebe für volkstümliche Motive, seien sie städtischer oder ländlicher Natur, sowie den freien Einsatz von Farben in nebeneinander angeordneten „Farbfeldern“.
Das Bild von Cosimo Casoni trägt den Titel „Sliding Window“ und erinnert tatsächlich an das berühmte „Sfumato“, das diese transparente Textur erzeugt und die Konturen auflöst, ohne dabei die realistische Wirkung des Motivs zu beeinträchtigen. „Realistische“ Werke gibt es fünf in „Broken Blocks“. Das Thema ist die Architektur. Zwei mittelgroße Darstellungen ländlicher Ansichten, die die Bildmitte einnehmen, „als ob ihre Ansicht durch das Format des Computerbildschirms bestimmt wäre“. Das ist Cosimo Casonis Art, mit der Gegenüberstellung von Realismus und Fiktion zu spielen (ist die Ansicht an sich vielleicht aus dem Internet entnommen?), jedoch eingebettet in einen abstrakten Rahmen, in dem sich der Maler „austobt“&: Er nennt dies „kontrolliertes Chaos“, das – immer nach seinen eigenen Worten – „ein Gleichgewicht zwischen Standbild und Bewegung herstellt.“
Er demonstriert dies auf atemberaubende Weise in den beiden großformatigen Werken neben den kleinen ländlichen Ansichten. „Konstruktion“ ist das malerische Schlüsselwort dieser Wohnhäuser, deren Thema an die beiden großen Gemälde im ersten Raum der Galerie anknüpft. Sie sind die Fortsetzung des Ausstellungstitels: „Broken Blocks“ und „Floating Blocks“. Hier zeigen sich Architektur im italienischen Stil, ein „Sammelsurium“, bei dem die unvollendeten und stilistisch willkürlich zusammengefügten strukturellen Elemente Cosimo Casoni den Stoff für – auch wenn es überraschend erscheinen mag – geometrische Kompositionen liefern.
Dies kann durch die Wiederaufnahme eines dekorativen Elements geschehen, wie beispielsweise die Vordächer eines Hauses, die auf den benachbarten Bildschirm übergehen und so die Umrisse der Pinienform nachzeichnen – und dann, Casoni, der klassische Maler, Erbe einer der raffiniertesten künstlerischen Ausdrucksformen überhaupt, wird zum zeitgenössischen Künstler: Das nennt er den Einsatz seiner „integral tools“: Fingermalerei, Malen im Vorbeifahren mit dem Skateboard in der Hand, also physische Werkzeuge.
Cosimo Casino ist zugleich sehr körperbetont und beherrscht die Situation – das spiegelt sich in der strukturellen Bedeutung des Fahrradrahmens in den beiden Gemälden „Broken Bikes“ wider. Wie wird es weitergehen ? „Maremme Camouflage“ ist eine Anspielung auf seinen Lebensraum, der sich hinter Collagen verbirgt. „Melanzana“ schien uns einen Weg zu weisen. Alle zeitgenössischen Werkzeuge und Materialien – Acrylfarbe, Sprühfarbe, Kohle, Bitumen, rohe Leinwand und die Skateboard-Figur – tendieren zur Spontaneität.
Oder ist es vielleicht nur eine Skizze? Er wurde 1990 in Florenz geboren und hat uns die mineralische Zusammensetzung des toskanischen Rotweins in der Renaissance so anschaulich erklärt…
„Broken Blocks“ von Cosimo Casoni, zu sehen in der Galerie Valerius bis zum 14. Februar