Die Avenue de la Liberté, die schönste Allee Luxemburgs, sollte sich eine Identität schaffen, die der prächtigen Architektur des frühen 20. Jahrhunderts gerecht wird, und ihre (leeren) Geschäfte könnten zu einem neuen Anziehungspunkt der Hauptstadt werden. Das ist einer der Beweggründe der dynamischen Galeristin Françoise Kuth, die derzeit etwas einsam zwischen zu vermietenden Geschäftsräumen oder gar ganzen zum Verkauf stehenden Gebäuden und einigen Baustellen steht. Ein Aufruf also an alle Interessierten, Händler und Kunden, die der Oberstadt überdrüssig sind, wo die Luxusmarken der globalisierten Welt, die Pop-up-Stores und die „After-Hours“-Bars keine Lust mehr machen, „einen Spaziergang durch die Stadt zu machen“. Françoise Kuth hingegen hat vor zwei Jahren die Galerie Liberté eröffnet. Man beachte das Wortspiel: die Freiheit, die sich diese Juristin, die nach wie vor im Rechtsbereich tätig ist, nimmt, um ihrer Leidenschaft für Kreationen einer Design-Nische nachzugehen, die dem englischen Begriff „Arts and Crafts“ entspricht. Sie meidet die Serienproduktion von Möbeln und Leuchten sowie ikonische Neuauflagen, die jedoch in Massenproduktion kopiert werden.
Das Werkuniversum von Elisa Uberti, die mit „Liquid Horizons“ erstmals in Luxemburg ausstellt, bewegt sich zwischen Raffinesse und der zeitgenössischen Umsetzung eines uralten Materials: Ton. Doch bei ihr gibt es keine Töpferformen, wie sie die Menschheitsgeschichte von der Urzeit bis heute geprägt haben – keine Schälchen, Krüge oder Teller. Die Werke von Elisa Uberti sind Unikate oder werden in limitierten Serien von maximal vier Exemplaren (zuzüglich eines Künstlerexemplars) hergestellt. Die Kreationen von Elisa Uberti bewegen sich sowohl im Bereich der Möbel als auch der Skulptur.
Die für die Ausstellung „Liquid Horizons“ zusammengetragenen Werke könnten für sich genommen schon eine fast vollständige Inneneinrichtung bilden: Schreibtisch, Lampen, Stühle, Beistelltisch, Ablagetisch oder Nachttisch. Doch ihre visuelle Identität lädt eher dazu ein, sie als „zusätzliches Stück“ in ein zeitgenössisches, minimalistisches, schlichtes, persönliches und gemütliches Interieur zu integrieren – sei es harmonisch oder als Kontrastelement.
Zugegeben, hier stehen ein Stuhl, ein Beistelltisch, eine Lampe, eine Wandleuchte und ein Schreibtisch. „Fontaine de Jouvence“, ein fast zwei Meter hohes Großwerk, das von der Allee aus sichtbar ist, erinnert an Brancusi. Aus den Lampen und Wandleuchten strömt das Licht, gedämpft durch die Streuung in den geknoteten Wollfäden. Dieser „Lichtstrom“, so Elisa Uberti, „fließt wie Wasser“. Vertikalität und Fließendheit sind die Schlüsselbegriffe der Ausstellung. Doch das Gleichgewicht muss gewährleistet sein. Daher oft diese „U“-Form oder Bogenform, um den Halt der Leuchten „Baume“, „Jeanne“ und „Zenith“ zu gewährleisten. Die Wandleuchten, die nicht dem Gesetz der Schwerkraft unterliegen, erinnern an die Pflanzenwelt der Kakteen (Sconces Orée). Elisa Uberti möchte der Natur nahe sein.
Die Formgebung der Keramik – die Stücke haben diese cremeweiße Farbe des reinen, unglasierten Tons, sind also matt – bringt das Material selbst zur Geltung, das leicht gestreift und körnig ist. Jedes Detail ist sorgfältig durchdacht (ganz zu schweigen von der makellosen Lichtgestaltung), bis hin zu den Schaltern und dem altmodischen, geflochtenen Stromkabel, das ebenfalls cremefarben ist.
In Zusammenarbeit mit dem Tischler Mathieu Brossé verwendet Elisa Uberti manchmal auch Holz. Für den Tisch „Desk Artemis“, das meisterhafte Herzstück der Ausstellung, verwendet sie rohes Eichenholz; dabei ist der Tischler sogar so weit gegangen, einen Riss im Holz durch ein Intarsienstück zu verstärken. Ein weiteres außergewöhnliches Werk ist der Stuhl „Eclipse“, ebenfalls aus Eichenholz, der – ganz „nach alter Art“ – mit sichtbaren Zapfen und Zapfenlöchern zusammengebaut oder wieder auseinandergenommen werden kann. Diese äußerst einfache, traditionelle Technik macht dieses Objekt zu einem Stück, bei dem Form und Technik miteinander verschmelzen, um Spitzenqualität zu erreichen.
Auch Elisa Uberti mangelt es nicht an Humor. „Nuit Blanche“ ist ein kleiner Nachttisch. In Form eines Zauberpilzes? Der kleine Stuhl „Nuée“, der mit einem „Stoff“ aus glasierten Keramikkugeln bezogen ist, kam ohne jegliche Risse aus dem Brennofen. Auch diese Technik, die hier so meisterhaft beherrscht wird, lässt einen träumen. p