Ein XXL-Ausstellungsraum, eine Ausstellung von ebenso großem Umfang, könnte man sagen, und so ist es nur logisch, dass die Ausstellung von Bernard Piffaretti im Wandhaff, in der Galerie Ceysson & Bénétière (bis zum 13. Dezember), den Titel „XXL“ trägt. Eine Bezeichnung, die nicht nur für einen Großteil der ausgestellten Gemälde gilt – die größten erreichen drei Meter Breite oder Höhe ; sondern auch für den Zeitraum, den die Gemälde umfassen – rund vierzig Jahre –, was uns zurück in die 1980er Jahre führt, als Bernard Piffaretti zum ersten Mal in Luxemburg in der Rue Beck in der Galerie Beaumont ausstellte… Er war in diesem Land nie wirklich abwesend, nun ist er also zurück mit einer Ausstellung, die zwar nicht den Anspruch einer Retrospektive erhebt, aber dennoch einen sehr umfassenden Einblick in dieses malerische Werk geben kann, das über die Jahre hinweg vollständig nach einem einzigen methodischen Prinzip aufgebaut und weiterentwickelt wurde: das doppelte Malen, Leinwände, die in zwei Hälften geteilt sind, mit einem vertikalen Strich in der Mitte als zentraler Achse.
Deshalb wirkt es so, als hätte die Zeit keinen Einfluss auf die Werke gehabt. Da es schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist, sie in einen zeitlichen Rahmen einzuordnen, hat sich die Kuration folglich für andere Mittel oder Wege, Formate, Motive und Farben entschieden, um unseren Blick und unser Interesse – die sich ihrerseits ständig erneuern – entlang der Galeriewände zu lenken. Dabei bleibt jedoch – und das Prinzip lädt nicht nur dazu ein, sondern verlangt es geradezu – die ständige Beschäftigung mit dem Malprozess selbst, ja sogar mit dessen Wesen. Eine Distanzierung sozusagen, eine Zäsur, in die sich unsere Reflexion über das Wesen dessen, was wir sehen, einschleicht. Und doppelt zu sehen ist ausnahmsweise einmal kein Zeichen einer Beeinträchtigung, sondern regt im Gegenteil zur Freude und zur Interpretation an und bereichert diese.
Bernard Piffaretti geht also von links nach rechts vor, durch Verdopplung, durch Wiederholung. Ein Teil besteht aus der ursprünglichen Geste, ein anderer Teil wiederholt diese lediglich, greift sie bewusst wieder auf. Freiheit einerseits, Zwang andererseits – doch dieser wird frei akzeptiert, in einer Praxis, die ohne Vorlage und ohne jegliche Hilfe ausgeübt wird. Was sich auf diese Weise vor unseren Augen vervielfacht – ein visuelles Echo –, erweist sich als äußerst vielfältig: Die ersten oder ursprünglichen Kompositionen integrieren alle möglichen Formen, manchmal eher geometrischer Art, sei es isoliert oder stärker ineinander verschachtelt, das spielt keine Rolle; zu anderen Zeiten sind sie stärker von der Vorstellungskraft oder gar von einer Fantasie geprägt, und es kommt vor, dass sich die einen wie die anderen – die nur sehr wenig oder gar nicht mit irgendeiner Realität in Verbindung gebracht werden können – isoliert durchsetzen. Bevor sie natürlich ihr Alter Ego zu ihrer Linken finden.
Auf diese Weise lässt sich die Malerei von Bernard Piffaretti in eine Dialektik von Freiheit und Zwang einordnen. Zwei Pole, wenn man so will, jedes Schaffens. Und wenn die Wahl der Formate – durch ihre Größe, ja durch ihre Form selbst, wobei sich beispielsweise Tondi (oder Tondos) mit rechtwinkligen Leinwänden vermischen – bereits noch bevor der Künstler den Pinsel in die Hand genommen hat, wie sehr konkrete Variationen um seine ursprüngliche Absicht herum, so wird diese es auch nicht versäumen, sich zu entziehen, sich zu viel Strenge und zu viel Regelmäßigkeit zu entziehen. Das betrifft nicht nur die Figuren, nein, hier ist ein Gemälde, dessen rechter Teil unberührt geblieben ist und sich somit der Regel der Duplizierung entzieht, offen und bereit für jede andere Wirkung. Und weiter hinten, wie kleine Gemälde – zwar selten, aber in Sequenzen nebeneinander angeordnet, vier, die zusammen immerhin fast dreieinhalb Meter erreichen, acht, in denen Tondi vorkommen und die fast zwei Meter ausmachen –, weisen diese Gemälde nur noch den vertikalen Strich in ihrer Mitte auf, rot und schwarz. Das Rückgrat, das Gerüst für äußerste Freiheit.
Bernard Piffaretti, XXL: Rund 35, 36 Gemälde beleben die Räume des Wandhaff. Und die Räumlichkeiten verdanken ihr Leben – und der Besucher im Zuge dessen zum großen Teil sein Vergnügen – der Art und Weise, wie der Künstler seinen Gemälden Glanz verleiht, ganz gleich, ob die Farben kräftig sind oder nicht, ob sie miteinander harmonieren oder einen Kontrast bilden. Er ist der Piffaretti, der Diptychen schafft, durch deren Ausstellung man wie durch ein Bilderbuch schlendert; er ist der andere, ein Kolorist, der gekonnt mit seiner Palette umgeht.