Max Dauphin malt, wie es ihm gefällt und wie es ihn begeistert. Nach einer Ausstellung in der Fellner Art Gallery ist er nun in die Fänge der dynamischen Julie Reuter geraten. Die junge Galeristin – das hat sich im Laufe ihres ersten Geschäftsjahres gezeigt – wird nicht müde, Künstler auszustellen, die keiner bestimmten Altersgruppe angehören und keine festgelegte stilistische Richtung verfolgen, abgesehen von einer fast durchgängigen Vorliebe für Farben und oft auch Pflanzen. Ihre Ausstrahlung und ihre Entschlossenheit tun ihr Übriges, um ihre Entscheidungen zu verteidigen. Und es funktioniert, ohne dass man sich den Kopf zerbrechen muss. So auch bei den neuesten Gemälden von Max Dauphin, der, nachdem er kürzlich Vater geworden ist, sich an großformatige Werke gewagt hat, in denen er Spielzeug seines Sprösslings, sein eigenes und das aus der Kindheit seiner Partnerin miteinander vermischt.
Jedes Gemälde (Mischtechnik auf Baumwollleinwand) erzählt eine Geschichte, die – ganz im Stil von Fanzines – „Bing und Bang“ macht, in sanften Farbtönen, die jedoch weder das Rosa noch das Blau von Babykleidung sind. Eher Beige und Braun, Türkisblau und Smaragdgrün. Das sind Farbtöne, die auf den ersten Blick völlig ungeeignet für kindliche und harmlose Szenen sind. Was sie übrigens auch nicht sind. Hulk, der Bösewicht nach den Spielregeln der inszenierten Wrestling-Kämpfe, wirft Babypuppen auf die Matte. Wenn Kinder kämpfen, geht es auch hart zur Sache. Max Dauphin rechtfertigt sich damit, dass es sich um ein simuliertes Wrestling-Match handelt. Die „Rambling Robots“ prügeln sich, Pinocchio benutzt seine lange Nase, um den Teddybären anzuzünden, Mimi, die verängstigte Maus, springt von seinem Schoß. Da ist Felix, die Katze, aber natürlich wird ihm der Schwanz abgeschnitten. Man könnte so weitermachen, und es steht fest, dass Max Dauphin uns in jedem dieser Bilder – sehr geschickt, vielleicht schnell ausgeführt, sicherlich wohlüberlegt – in die Kindheit zurückversetzt, auf der Suche nach „unseren“ Helden. Man erkennt Little Poly und den Nussknacker, Slimer und Barbie, einen Schlumpf. Doch Max Dauphin (geb. 1977) ist ein Erwachsener, der alle Spielzeuge zerbricht, ja sogar noch Schlimmeres tut, wenn man genauer hinschaut … Denn die von Max Dauphin dargestellten Spielzeuge sind geschlechtsspezifisch.
Chantal Maquet stellt in einem ganz anderen Bereich die Regeln des Stilllebens auf den Kopf. In der klassischen Malerei wird die Schönheit von Blumen in prächtigen Blumenarrangements in leuchtenden Farben wiedergegeben. Das beste Beispiel hierfür sind der Rococo-Stil und der Stil Ludwigs XV., die sich hier in voller Pracht entfalten. Chantal Maquet hingegen porträtiert ihre Pflanzen, die während der Pandemie mit ihr zusammengelebt haben. Zwar sind wir eher an ihre Gruppenbilder mit Menschen und ihre Ansichten ihres Lebensraums gewöhnt. Mehrere luxemburgische Museen haben übrigens bereits Gemälde der Preisträgerin des letzten Prix du Cercle Artistique (CAL) 2022 in ihren Sammlungen.
Nur wenige von Chantal Maquets Mitbewohnern kommen, so könnte man sagen, aus diesem „geschlossenen Raum“ unbeschadet heraus, abgesehen von dieser prächtigen Monstera (Öl auf Leinwand, 2022) mit ihren grünen, glänzenden Blättern vor ultraviolettem Hintergrund. Hier zeigt sich der kraftvolle Kontrast der Farbpalette jener Künstlerin, die sich dafür entschieden hat, unter dem kalten Himmel Norddeutschlands zu leben. Damit spielt sie in der gesamten Serie. So auch beim staubbedeckten Ficus (Benjamini, 2021), der zwar grün ist, aber vor einem übernatürlich orangefarbenen Hintergrund steht, sowie bei den Sukkulenten. „Kaktus“, ebenfalls grün auf orangefarbenem Hintergrund, „Drei Grazien“ in Orange auf blauem Hintergrund und „Zu Zweit“ in Ocker auf grasgrünem Hintergrund.
Doch nun zu den grauen Himmeln und Chantal Maquets Talent im Umgang mit einer einzigen Farbe. So entsteht eine Variation der Farbpalette, die ausschließlich aus Grautönen besteht: Topf, Pflanze, Bildfläche und Hintergrund sind einfarbig, und dennoch „Soma Dis Tanz grau“ hat Tiefe. Es ist eine Stilübung darüber, wie man Licht ausschließlich mit Schatten erzeugt. Die drei Hauptwerke der Ausstellung offenbaren sich erst, wenn man einen schweren, lichtundurchlässigen Vorhang durchschritten hat. Man entdeckt dann drei Leuchtkästen mit goldenem Rand, in denen Chantal Maquet die strahlende Bedeutung barocker Blumen zur Geltung bringt. Bis ins 19. Jahrhundert immer wieder kopiert – warum sollte man sie nicht im 21. Jahrhundert neu erfinden? Das Herstellungsgeheimnis wollen wir nicht verraten, aber so viel sei gesagt: Es bedurfte des Einsatzes von LED-Technologie und der Farbpalette des Regenbogens, um diese überraschende siebenminütige Animation zu schaffen, in der sich Farbwechsel und Farbakzente abwechseln, bis hin zu einem 3D-Tiefeneffekt. Die Sprache der Blumen ist eine Kunst. „Stay Gold 1, 2, 3“ interpretiert sie auf vielfältige Weise, bis hin zur optischen Täuschung. Ein zauberhafter Anblick, der das triste Leben von Topfpflanzen vergessen lässt – selbst in leuchtenden Farben.
Die Ausstellung „Chantal Maquet & Max Dauphin“ ist noch bis zum 11. Februar in der Reuter Bausch Art Gallery zu sehen,
14, rue Notre-Dame in Luxemburg-Stadt