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Bildende Kunst 4 Min. Lesezeit

Die Malerei als Waffe

Damien Deroubaix und Aleksandra Chaushova bringen bei Nosbaum Reding beide subtile Formen von Gewalt zum Ausdruck

Erschienen in Ausgabe Februar 2024
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Mutti, im Mittelpunkt der Ausstellung © MB

Nein, Damien Deroubaix ist nicht ruhiger geworden. Obwohl er weiterhin seine gewohnten Techniken – Malerei, Holzschnitt, Collage – einsetzt, scheint sich dennoch ein Wendepunkt hinsichtlich der Wut abzuzeichnen, die sein Schaffen prägt, trotz der tragischen aktuellen Lage – und die ist derzeit in der Ukraine und im Nahen Osten düster.

Bei einem Besuch der Ausstellung von Damien Deroubaix & Guests in der Galerie Nosbaum Reding ist Rot zwar die vorherrschende Farbe. Dennoch wirkte sein Werk auf uns visuell eher friedlich. Im Mittelpunkt der Galerie steht ein ganz kleines Werk: „Mutti“ (2023), ein bemalter Gipsabguss, der die prähistorische Venus aus der Höhle Fels in Deutschland nachbildet. Sie wird von einem Eisenstab gehalten und steht auf einem Sockel aus unbehandeltem Holz.

Man könnte meinen, dass seine Ausstellung „La Valse d’Orphée“ im Musée de la chasse et de la nature (2021) – wo Deroubaix diese Technik der Skulpturenpräsentation erlernt hat – einen Wendepunkt in der zentralen Inszenierung der fruchtbaren, kurvenreichen Frau darstellt, die die Art fortpflanzt. Denken wir zum Beispiel an „Picasso et Moi“ im Mudam im Jahr 2016, wo er die ganze Wut des Mannes zum Ausdruck brachte, die ihn beherrschte, seit er 1937 im Alter von 19 Jahren zum ersten Mal Picassos Schmerz gesehen hatte, der nach der Bombardierung von Guernica zum Ausdruck kam. In Paris erforderte das Formen von Tieren aus Urzeiten, das Eintauchen des Besuchers in das nächtliche Blau der Höhlen, einen anderen Ansatz: eine Hymne an das Leben.

Heute, mit 52 Jahren, findet man seine trashige Ästhetik zweifellos in „Lucyd Farytale“ wieder, einem in diesem Jahr gemalten Anti-Business-Gemälde (Öl und Collage), sowie den Bezug zum deutschen Expressionismus in „Golgotha“ – wobei anzumerken ist, dass die Gekreuzigten Frauen sind. Die Kraken, Schlangen, Fledermäuse und andere Tiere, die mit der Nacht und dem Tod assoziiert werden, finden sich in „Live after death/Tournesols“ wieder.

Eine Hommage an Vincent van Gogh, den stets unzufriedenen, einsamen und in den Selbstmord getriebenen Künstler, in Form eines Blumenstraußes, in dem die Blumen einen Totentanz bilden – das ist Deroubaix’ mittelalterlicher Bezug. Und das kleine Rhombikuboktaeder, eine Anspielung auf das 26-seitige Polyeder von Leonardo da Vinci: Die Renaissance, ein weiteres wiederkehrendes Zitat des Malers, befindet sich am Fuße von „Guest for Fire“.

Die Frau, die wie eine Majestät der Jungfrau Maria wirkt, ist zweifellos eine jener Frauen, die wegen Hexerei angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden… Aber wo bleibt denn nun jene Besinnung, von der wir zu Beginn gesprochen haben? Vielleicht sollten wir lieber von immer tieferem Wissen, von Kunstgeschichte und den Fortschritten der Wissenschaft sprechen. Was wir für Totems gehalten hatten, sind, wie man uns lehrt, „ Erzählerstöcke “. Wie jener, der von einem Tintenfisch gekrönt ist (Lindenholz, Buchsbaum und Tinte) – ein Tier, dessen Intelligenz noch lange nicht vollständig erforscht ist und dessen Tintenstrahlen eine Form der Kommunikation darstellen sollen.

Aber hier sind auch Blumensträuße von Deroubaix zu sehen, die seltsam klassisch wirken und in der Bildmitte angeordnet sind; es handelt sich um Iris (Iris und Norway in September (2023 und 2024)) aus dem zweiten Teil der Ausstellung, Damien Deroubaix & Guests. Eine Entdeckung sind die kleinen Formate von Fritz Bornstück. Ihr Ausdruck ist ganz schlicht, doch sie offenbaren ein gewisses Talent in der Assemblage-Technik: bemalte, ausgeschnittene Leinwandstücke, die reliefartig auf den Hintergrund des Bildes geklebt sind, sowie Blumen aus Farbtubenverschlüssen. Natürlich ist auch eine giftige Pflanzenart in der Ausstellung vertreten. So zum Beispiel die Datura-Girlande von Camille Fischer (Mischtechnik auf Papier, 2021), dekorativ im Stil der britischen Arts & Crafts-Bewegung, ein wenig dekadent.

Im Projects Room sind zehn großformatige Gemälde zu sehen, deren Hintergrund einheitlich rot, blau oder grün ist – genau wie die dargestellten Objekte, die ebenfalls in denselben leuchtenden, aber pastelligen Farben gehalten sind, von Aleksandra Chaushova. Alltägliche Gegenstände wie eine Schere, ein Messschieber oder eine Zange, aber auch zeitgenössische Objekte wie Ladekabel für Elektroautos. Die Zigarrenabschneider zeugen von einem kostspieligen Zeitvertreib. Noch luxuriöser sind die Feuerzeuge – das eine mit Guilloché-Verzierung, das andere im Streamline-Design –, die buchstäblich zweischneidig sind, ganz im Sinne des Ausstellungstitels: „Fine Blades Pleasures“.

Aleksandra Chaushova, die in Brüssel lebt und arbeitet, wurde 1985 in Sofia, Bulgarien, geboren. Auch wenn die Zigarrenabschneider zwar an Entenköpfe erinnern oder wie ein Nachtfalter aussehen mögen, darf man nicht vergessen, dass es sich bei diesen Gegenständen um Guillotinen handelt. Der Schritt zu verschiedenen Deutungsebenen des Vergnügens ist somit schnell getan. Die der Hedonisten und die der Folterer…