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Bildende Kunst 4 Min. Lesezeit

Die Feria Viallat

Die Räume der Galerie Ceysson & Bénétière verwandeln sich in eine „gestaltistische Orgie“, die aus Wiederholung und Unterschied besteht

Erschienen in Ausgabe April 2025
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Ausstellung des Künstlers Claude Viallat © Lucien Kayser

Claude Viallat stammt aus Okzitanien, wurde in Aubais geboren und lebt und arbeitet in Nîmes – beide Orte liegen nur etwa dreißig Kilometer voneinander entfernt. Dass er ein begeisterter Stierkampf-Fan ist, liegt im Zeichen der Dinge, im Schatten der Arenen. Eine frühere Ausstellung hatte sich auf diese Weise in die Tradition des Stierkampfs in der modernen oder zeitgenössischen Kunst eingefügt. Mit dem Elan und der Leidenschaft, die einer heute in Frage gestellten Aktivität eigen sind. Die Aufregung, die Begeisterung unter der sengenden Sonne, die den Sand und die Tribünen erhitzt, inmitten leuchtender Farben. Doch das Fest findet auch anderswo statt, der Rausch ist in dieser neuen Ausstellung nicht geringer – eine Rückkehr zur gewohnten Kunst von Claude Viallat, könnte man sagen, ganz im Sinne seines Markenzeichens.

Mehr – und farbenfroher – kann man an den Wänden und an dieser Stelle auf dem Boden in den Räumen des Wandhaff der Galerie Ceysson & Bénétière (bis zum 24. Mai) kaum finden. So sehr, dass der Besucher schon bei den ersten Schritten, während er den Blick schweifen lässt, wie erschüttert und benommen wirkt. Man wusste, dass Claude Viallat ein versierter und verführerischer Kolorist ist – doch hier erwartet einen ein wahres Feuerwerk (wobei diese Überfülle keineswegs störend wirkt), das einen geradezu überwältigt. Oft schon in den einzelnen Werken selbst, betrachtet man sie für sich, doch am stärksten entfaltet das Feuerwerk seine Wirkung im Gesamtkontext der Ausstellung – wie unzählige bunte Raketen, die in die Luft geschossen und an den Wänden befestigt wurden. Und so wie Pyrotechniker in solchen Momenten variieren und sich nur der Lichtfontänen bedienen, so spielt auch Claude Viallat manchmal mit Zurückhaltung, reduziert die Farbpalette, um später wieder Glanz und Schimmer aufzunehmen.

Es ist dieser farbenfrohe Reichtum, die Buntheit einer Ausstellung; die Vielfalt und Abwechslung sind natürlich auch bei den Stoffen selbst nicht geringer, wir sprechen hier nicht von Leinwänden oder, genauer gesagt, von Gemälden; die Stoffe sind einfach an den Wänden aufgehängt, ganz gleich, um welche es sich handelt – sie stammen zum Beispiel von der Hälfte eines Sonnenschirms einer bekannten Pastis-Marke. Alle möglichen Stücke reihen sich an den Wänden an, regelmäßig, mehr oder weniger schräg, zusammengesetzt, barock. Darauf entfaltet sich das, worüber noch nicht die Rede war, außer um das Bild von Claude Viallat zu erwähnen, diese nicht ganz rechteckige, leicht geneigte Gestalt, eine Art Bohne – oder tendieren wir eher zur Nierenform, die in den sechziger und siebziger Jahren im Design sehr beliebt war, insbesondere bei Tischen –, ja sogar zu Amöben, die noch beweglicher und fließender sind. Die Figuren von Claude Viallat beleben durch ihre Anzahl, ihre Anordnung und vor allem durch die wechselnden Richtungen in den Räumen, in denen der Künstler mit Assemblage und Falttechniken spielt.

Und welch atemberaubende Vielfalt an Größen und Abmessungen, bis hin zu einem Werk von fast drei mal sieben Metern, das auf dem Boden ausgebreitet ist und an das weitere Teile angefügt wurden. Denn Claude Viallat liebt es, auf diese Weise – indem er seiner Fantasie freien Lauf lässt und die verwirrendsten Schnitte einsetzt – dem entgegenzuwirken, was sich vielleicht als zu regelmäßig erweisen würde. So sprudelt es nur so hervor, entfaltet sich in alle Richtungen, horizontal, vertikal, in äußerster Freiheit, in grenzenlosem Genuss.

Es ist daher Aufgabe des Besuchers, sich auf dieses große Spiel von Claude Viallat einzulassen. Und beispielsweise dieses aus der Gestaltpsychologie bekannte Hin und Her zwischen Hintergrund und Form zu vollziehen, von einem zum anderen zu wechseln, wobei mal die Figur, ihre Armee, ihr Schwarm im Vordergrund steht, mal das, was sehr schnell wie ein Gitter erscheint. Noch eine Anmerkung zum Abschluss, um den Künstler in einen breiteren intellektuellen Kontext einzuordnen: Im Jahr 1969 gehörte Claude Viallat zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe „Supports/Surfaces“. Ein Jahr zuvor, 1968 – ein Jahr, an das man sich erinnert –, veröffentlichte der Philosoph Gilles Deleuze bei den PUF seine Hauptarbeit, die ebenso sehr eine Reflexion und Weiterentwicklung der Ästhetik wie der Metaphysik ausgehend von Leibniz und Kant darstellt. Ihr Titel: „Differenz und Wiederholung“ – zwei Pole, die genau die Kunst von Claude Viallat in dieser anderen Kritik der Darstellung ausmachen. So entsteht das, was die Ausstellung als Pracht unaufhörlicher Hinterfragungen der malerischen Praxis zu sehen und zu lesen gibt.