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Bildende Kunst 4 Min. Lesezeit

Die Farben des Sommers

Ist die Malerei tot? Es lebe die Malerei! Sechzehn Talente und eine gelungene Ausstellung

Erschienen in Ausgabe August 2023
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Die Blumenübungen von Pascal Vilcollet und Clément Davout © MB

Die Galerie Reuter Bausch stellt sechzehn Künstler aus, von denen vierzehn bereits in den 18 Monaten seit Bestehen der Galerie in der Rue Notre-Dame zu sehen waren. Hinzu kommen zwei neue Künstler: Mia Kinsch und Kolja Kärtner Sainz. Stammgäste des Ortes werden den ganz eigenen Stil von Jim Peiffer und die Motive von Ugo Li wiedererkennen, der erst kürzlich zu sehen war, hier aber neue Werke ausstellt.

Die Malerei erlebt derzeit eine Blütezeit: Die Ausdrucksformen sind vielfältig und frei – vorausgesetzt, die Künstler werden von einer Galerie unterstützt. Julie Reuter lässt sich dabei größtenteils von ihrem Bauchgefühl leiten. Für „Un été en papier“ kommen Aussagen wie „Das ist Geschmackssache“ und „Es ist für jeden Geschmack etwas dabei“ natürlich nicht in Frage. Zudem ist die Hängung stimmig. Da sie nacheinander folgen, treten Serien in einen Dialog, wie beispielsweise die sogenannten Blumen-Serien von Clément Davout und Pascal Vilcollet. Sie können sich auch direkt gegenüberstehen: die Blumen von Vilcollet und gegenüber die Vasen von Simon Demeuter.

Manchmal kommt es zu einem Genrewechsel. Wie etwa in der Abfolge der Vasen mit menschlichen Figuren von Simon Demeuter und den kleinen Kartonarbeiten von Mia Kinsch. Vor den drei „Études“ von Pascal Vilcollet wird man sicherlich einen Moment verweilen. Drei mittelgroße Formate, auf denen eine Blume mit großzügigen Pinselstrichen in Acryl skizziert und mit kleineren, präziseren Knospen mit Ölstiften auf Papier hervorgehoben wurde. Es handelt sich um eine schnell entstandene Arbeit, deren bläuliche Akzente uns an eine Unterwasserwelt denken ließen. Daneben befinden sich sechs kleine Formate mit ebenfalls bläulichen, rosa und orangefarbenen, jedoch einfarbigen Hintergründen. Die Pflanzen in „Crépuscule“ sind in Aquarell wie Schattenspiele gestaltet und erinnern daran, dass Clément Davouts Motiv von seinen nächtlichen Spaziergängen durch Brüssel stammt, bei denen er die Pflanzen auf den Fensterbänken beobachtete, die vom Licht der Innenräume beleuchtet wurden.

Die Ausstellung hätte auch „Endlose Geschichte(n)“ heißen können. Die Kopfvasen von Simon Demeuter, kraftvoll mit Pastellfarben gestaltete „Vestiges“, knüpfen an eine alte Tradition Süditaliens an. So wie auch die beiden Tierdarstellungen des Engländers Jack Hilton an alte Mythen erinnern. Dazwischen lässt die noch sehr junge Mia Kinsch, eine Newcomerin in der Galerie, eine noch naive Welt aufleben. Äpfel, ein Esel, der ihr Lieblingstier zu sein scheint. Auch Humor hat sie: Die halb verdeckten Brustwarzen in „Strandbikini“ fragen sich: „Is this a topless beach?“

Sie arbeitet mit Acrylfarben auf winzigen Formaten von 8 x 8 cm. Daneben erkennt man unweigerlich die phantasmagorische Welt von Jim Peiffer sowie die Embleme, Wappen und sonstigen Symbole – die Schlange, die E-Gitarre – der „Rockerin“ der luxemburgischen Malerei, Catherine Lorent.

Ugo Li hat für „Un été en papier“ sechs neue Werke beigesteuert, in denen der Hummer und die chinesische Vase sowie das Durcheinander eines Pokertisches wiederkehren. Ugo Li kann aber ebenso gut ein zartes Herbarium malen, „9Wild“. Es handelt sich um ein schnelles, fröhliches Werk in Öl auf Leinwand. Die Skizzen von Viki Mladenovski sind durchdachter und dienen als Vorarbeiten für Werke, die kürzlich ebenfalls in der Galerie zu sehen waren. Von Valentin Van der Meulen zeigt Julie Reuter die Schwarz-Weiß-Skizzen in Kohle, schwarzem Kreide und Ölfarbe auf aufgezogenem Papier, „Végétation 8/7/6“, zur Erprobung dreier verschiedener Bildausschnitte derselben Pflanze, die man bereits bei der Eröffnung der Galerie gesehen hatte. Es handelt sich zweifellos um das strengste Werk von „Un été en papier“.

Bei Thierry Harpes verlassen wir den figurativen Ausdruck und wenden uns der Abstraktion zu. Zwar finden sich „seine“ Farben wieder – Blau, Rosa, Orange – sowie ein Hauch von Raum in „Window“, doch vor allem eine grafische Freiheit, in der sich der Bezug zum Süden und zu Matisse in den Hintergrund verlagert. Der Stil von Kolja Kärtner Sainz, seine Flüchtigkeit, hebt sich deutlich von den anderen Ausdrucksformen ab. Julie Reuter schätzt die Sanftheit und Zartheit, die von diesen Öl- und Tuschearbeiten auf Papier ausgeht.

Uns hat die Arbeit von Julien Hübsch besser gefallen, der mit Stift auf Papier systematisch eine Art Ideogramm wiederholt, das von einer zerbrochenen Mandelschale ausgeht. Diese Wiederholung eines einzigen Themas ist zeitlos. Die Porträts, die Pit Riewer wie in einer Dunkelkammer aufhängen wollte, da er die fotografische Übertragung nutzt, brechen mit der allgemeinen Anordnung.

Vor nicht allzu langer Zeit sprach man noch von der „toten Malerei“. Das Gegenteil davon lässt sich in „Ein Sommer aus Papier“ nachlesen.

„Ein Sommer aus Papier“ ist bis zum 14. August in der Galerie Reuter Bausch zu sehen, anschließend vom 28. August bis zum 9. September