Der Bereich der „Moderne Galerie“ im Saarlandmuseum, der speziell für die Präsentation neuer Formate zeitgenössischer Kunst und immersiver Werke eingerichtet wurde, lud Katharina Grosse ein, die Ausstellungswände zu gestalten. Die deutsche Künstlerin wurde 1961 in Freiburg im Breisgau geboren. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Neuseeland. Seit Ende der 1990er Jahre erfindet sie das malerische Medium neu, indem sie direkt in die Architektur der Institutionen eingreift, die ihre Werke beherbergen. In jüngerer Zeit hat sie ihr Ausdrucksspektrum erweitert, indem sie auf gespannte Laken malt oder Fotografien auf Stoffe druckt – ein faszinierendes Spiel mit der Eigenreflexivität ihrer Praxis.
Ein anhaltender Eindruck von tanzenden Schleiern, von Schleiern, die die Farbe gleichermaßen zusammenhält und wieder auflöst, geht von dem monumentalen Raum der Moderne Galerie aus, in dem sich die Bilder von Katharina Grosse dem Betrachter nach und nach offenbaren. Der Träger ist nicht der eines traditionellen Keilrahmens; die deutsche Künstlerin ist bestrebt, diesen zu überwinden. Die Formate sind nicht ganz identisch, auch wenn die recht großen Werke es dem Betrachter ermöglichen, in das Bild einzutauchen, ähnlich wie bei den Werken von Joan Mitchell. Dennoch entsteht ein ganz anderer Eindruck: Grosse entzieht sich durch die Farbe einem abstrakten Expressionismus à la Pollock. Während Mitchell die Farbe auf der Leinwand einfangen, entflieht sie bei Grosse. Sie ist innerhalb und außerhalb der Leinwand. Bei den immersiven Werken, in die die Betrachter eintreten können, befindet sie sich im Inneren. So hat Katharina Grosse den historischen Saal des Hamburger Bahnhofs – Museum für Gegenwart in Berlin, einen ehemaligen Bahnhof, der zu einem Museum für zeitgenössische Kunst umfunktioniert wurde, sowie den Außenbereich hinter dem Gebäude in ein riesiges Gemälde verwandelt, das die bestehende Ordnung der Museumsarchitektur radikal ins Wanken bringt.
In der Ausstellung „Katharina Grosse – Wolke in Form eines Schwertes“ verankert sich die Form durch die Farbe und ihre verschiedenen Träger ebenso im Bild, wie sie sich von ihm lösen kann. Sie bindet sich an das Bild dieser aus dem Bild herausragenden Äste: eine Dialektik von Innen und Außen. Dann driftet sie ab, wie jene gestrandeten Schiffswracks, die man auf Schiffsfriedhöfen sieht. Die sich entfernende Form interagiert mit dem Raum, den die Künstlerin durch die Farbe verwandelt. Katharina Grosse bewegt sich sowohl im institutionellen Rahmen eines Museums als auch im Rahmen des Programms „Mural Arts Philadelphia“ (2014) und reflektiert dabei stets über die Form. Die Künstlerin schuf 2016 zudem die Werke „Rockaway“ für das gleichnamige Programm des MoMA PS1 in Fort Tilden in den USA und das Wandbild „Mural: Jackson Pollock I“ im Museum of Fine Arts in Boston. Das Museum bietet zudem eine schöne Wiederentdeckung der Werke einer weiteren deutschen Künstlerin: Monika von Boch.
Aus seinen Schwarz-Weiß-Fotografien des Strandes und des Meeres spricht eine unbestreitbare Poesie. Das Meer dehnt sich aus und zieht sich zurück, ruht sich aus, bevor es erneut seine schlummernde Gischt aufwirbelt. Die Ausstellung „Elemente“ bietet einen schönen Überblick über das Werk des Künstlers, das es gemeinsam mit den Arbeiten von Max Beckmann, Joachim Lischke, Otto Steinert und Hans-Christian Schink neu zu entdecken gilt. Zwischen menschenleerem Strand und der Aufmerksamkeit für das durchdringende Tageslicht entfalten die Fotografien des Künstlers eine unbestreitbare surrealistische Poesie. Ein Surreales, das diese Ausstellungen treffend zusammenfasst, in denen sich aus der Farbe, die das Bild übersteigt, ein glühender Strand vorwärtsbewegt.