Die Moderne Galerie des Saarlandmuseums in Saarbrücken zeigt die Ausstellung „Slevogt und Wilde Westen“ . Auf dem Plakat sind Pferde zu sehen, die wie eine gezeichnete Kavalkade wirken. Denn der Maler Max Slevogt hat auch viel gezeichnet, und die Auseinandersetzung mit seinen Zeichnungen ermöglicht es, sein malerisches Werk in einem neuen Licht zu betrachten. Die Sammlungen des Saarlandmuseums umfassen 70 selten gezeigte Arbeiten auf Papier des deutschen Malers, der vom Wilden Westen und den damit verbundenen Abenteuern und der Freiheit fasziniert war.
Der 1868 in Landshut geborene Max Slevogt, ein impressionistischer Maler, Grafiker und Zeichner, gilt neben Lovis Corinth und Max Liebermann als einer der wichtigsten Vertreter des deutschen „Plein-Air“-Stils. Inspiriert von einer Ägyptenreise im Jahr 1914 schuf er zahlreiche Gemälde und löste sich nach und nach von den akademischen Vorlagen. Sein Talent als Kolorist zeigt sich in einigen freien Ölgemälden in den Sammlungen des Saarlandmuseums, wie beispielsweise in „Tiger im Zoo“ (1901). Slevogt ist zudem bekannt für „Chanteur d’Andrade in der Rolle des Don Juan“ (Staatsgalerie, Stuttgart), von dem drei Versionen existieren (Nationalgalerie, Berlin; Kunsthalle, Hamburg), in denen sich sein Talent als Kolorist und seine Kompositionskunst erneut zeigen. Weniger bekannt ist sein bemerkenswertes Schaffen als Illustrator. So illustrierte er 1900–1902 „Ali Baba“, 1907 schuf er eine Serie von zwölf Lithografien zur „Ilias“ und 1925–1927 zu Goethes „Faust“. Auf diesen Aspekt möchte die Ausstellung „Slevogt und der Wilde Westen“ näher eingehen.
Max Slevogt, der sein ganzes Leben lang von Abenteuerromanen und Geschichten über die Eroberung des Westens fasziniert war, fühlte sich besonders von der Dramatik dieser Erzählungen angezogen. Die bewegten Geschichten von „Lederstrumpf“ (The Leatherstocking Tales von James Fenimore Cooper), „Waldläufer“ (Adaption von „Le Coureur des bois“ von Gabriel Ferry) oder „Coranna: Eine Indianergeschichte“ (W. Claire) boten ihm eine willkommene Grundlage für seine Fantasie. Geprägt von seinen Leseerlebnissen in Kindheit und Jugend sowie von der Romantik des Wilden Westens, die im Deutschen Reich vorherrschte, setzte er die damit verbundene Idee von Abenteuer und Freiheit künstlerisch in zahlreichen Buchillustrationen und Grafiken um. Die großformatigen Ausgaben der „Lederstrumpf“-Erzählungen und des „Waldläufers“ sind übrigens ausgestellt. Man erahnt darin, wie auch in den Zeichnungen des Malers, die schillernde Fantasiewelt, die sich darin entfaltet. Man kann sich vorstellen, wie fremd diese Landschaften für Europa gewirkt haben müssen – zwischen mondähnlichen Weiten, Territorialkriegen zwischen Indianern und den zukünftigen Amerikanern und der Eroberung eines fantasierten Westens. Die ausgestellten Zeichnungen, die manchmal eher Skizzencharakter haben, erzählen implizit von diesem Kampf auf Leben und Tod und lassen dessen Umrisse erkennen. Was sie an Exotik in sich bargen. Der zur gleichen Zeit wie Slevogt geborene deutsche Kunsthistoriker Aby Warburg reiste 1895–1896 in den Südwesten der Vereinigten Staaten, wo die Hopi leben. Von dieser Expedition brachte er einige Fotografien mit, aus denen er
Das Schlangenritual: Bericht über eine Reise ins Land der Pueblo-Indianer. Hier wird die Faszination für ein fernes, noch zu erkundendes Anderswo deutlich. Eine noch wenig bekannte Facette von Max Slevogt, die auch eine neue Lesart seines malerischen Werks ermöglicht.
„Slevogt und der Wilde Westen“, zu sehen bis zum 1. Oktober in der Moderne Galerie, Saarlandmuseum, Saarbrücken