„Arschbombe“ ist noch bis Samstag, den 19. Oktober, in der Valerius Gallery zu sehen
Es ist das letzte Wochenende, an dem man sich „Arschbombe“ ansehen kann – oder wie uns Kleinigkeiten das Leben vermiesen. Einfach so, ganz unbedeutende Zwischenfälle, die zwar harmlos sind, aber das „Murphy-Gesetz“ bestätigen, wonach alles, was schiefgehen kann, auch schiefgeht.
Das ist wie damals, als wir uns gerade am Pool niedergelassen hatten und – plumps! Da ist einer, der Anlauf nimmt, mit den Knien bis zum Kinn springt, den Körper zu einem Ball zusammenzieht und die Füße flach auf die Wasseroberfläche aufschlägt, um die Wasseroberfläche noch stärker zum Spritzen zu bringen. Die sorgfältig aufgetragene Bräunungscreme läuft uns in die Augen, die Spritzer sind eiskalt, das Badetuch ist klatschnass. Der deutsche Ausdruck ist bildlich gemeint: Arschbombe – und das ist der Titel der Ausstellung von André Wendland.
Platsch, spritz… Auf den Bildern gibt es keine Sprechblasen wie in den Werken des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein, der sich von Comics inspirieren ließ: Mickey, die Kriegspiloten (es war der Vietnamkrieg), die trägen Mädchen aus den Vorstadthäusern, die von der perfekten Küche für den perfekten Mann träumten. Wouahh, whaam. Auch die Titel der Bilder sind keine Lautmalereien. Das Bild, von dem hier die Rede ist, gemalt von André Wendland, heißt „Cliff Cannonball“. Dieser „Bombenmann“ illustrierte die Sonderbeilage der „Le Monde Diplomatique“ vom Mai 2024, die den Olympischen Spielen in Paris gewidmet war. Auf der nächsten Seite stemmt eine Gewichtheberin eine Hantel, die so groß ist wie der Rahmen des Gemäldes. Weiter hinten winden sich zwei Zwillinge auf einem Hüpfball und scheinen die Ränder des Bildes zurückzudrängen…
Das ist eine der Besonderheiten der Malerei von André Wendland: Die Figuren Cliff Cannonball und Calvin Cannonball, die bei Valerius ausgestellt sind, sind so groß wie das Gemälde selbst – oder anders ausgedrückt: Das Gemälde hat genau die Größe der zu Kugeln zusammengeballten Körper, die mit einem „Splatch“ aufschlagen. André Wendland ist 29 Jahre alt, doch seine Schelme sind alterslos. Es ist der gedrungene Körper der Figur, der die Szene zum Ausdruck bringt, und die Ölfarben, die man – um sich ihre Textur vorzustellen – mit denen eines Street-Art-Künstlers vergleichen könnte, der mit den Fingern grelle Ölkreiden auf einem Bürgersteig verteilt.
Wir befinden uns hier sozusagen im Bereich der „verbürgerlichten“ Straßenkunst! So auch beim größten Gemälde der Ausstellung. Wendland hat seine Freizeit ruiniert: Man genießt gerade einen Aperitif im Garten, und schon fängt der Nachbar an, seine Hecke zu schneiden. Der Titel des 270 x 200 cm großen Gemäldes hat eine doppelte Bedeutung: „Cutting (H)edge“ – die geschnittene Hecke und die ausgeschnittene Ecke ganz oben links, in der der Aperitifverderber auftaucht. Man lacht. Doch das eigentliche Thema des Gemäldes ist die Hecke, die fast den gesamten Bildraum einnimmt. Der Cartoon-Charakter des Bildes ist fast schon nebensächlich.
In dem Diptychon „Under Pressure“ ist das Motiv ein auf sich selbst aufgerollter Gartenschlauch auf einer quadratischen Leinwand, der man glaubt, es mit eigenen Augen zu sehen, wie er gewaltsam aus dem Bildrahmen herausragt – ganz wie der Schwanz des Marsupilami von Franquin – und den Gießer nass spritzt, sobald dieser im ersten Bildfeld der Geschichte den Wasserhahn aufdreht. Ein kleines Gemälde im Format 70 x 50 cm, das zugleich den ersten Teil dieses Diptychons bildet, in dem eine Tulpe verwelkt. Man könnte dabei auch an David Hockney und seine Wassergeschichten denken. André Wendland besitzt eine ebenso teuflische Fähigkeit wie der englische Meister, die Körperteile außerhalb des Wassers von denen im Wasser zu unterscheiden.
Danger Zone, der Bereich, ab dem man keinen Boden mehr unter den Füßen hat. Fast ein Wortspiel mit der Hand, die am Rand des Bildes entlanggleitet und die opalfarbene Tönung des Wassers annimmt. Last Day Summer, die weiße Haut unter dem Träger des Badeanzugs und blub, blub, blub, die diskreten Bläschen der Badenden, die entlang ihres Rückens an die Oberfläche steigen … André Wendland malt ernsthaft Dinge, die nicht ernst sind. Denn mal im Ernst: „Bodo breaststroke“ fasziniert, und zwar so sehr, dass in einem perfekten Quadrat (90 x 90 cm) die Darstellung des Schwimmers einfach zutreffend ist. Zunächst die Hände vorne mit geschlossenen Fingern, dann die aufgeblasenen Wangen, aus denen die Luft entweichen wird. Darüber, in derselben Ebene, der unter Wasser liegende Teil der Nase und der Ohren und schließlich, oben im Bild und leicht nach hinten versetzt – so wie es der Anatomie eines Gesichts und eines Schädels tatsächlich entspricht –, die Schwimmbrille und die Stirn, die knapp über der Wasseroberfläche liegt.
Die Rundungen seiner Figuren machen diesen jungen Deutschen, der gerade sein Studium an der Kunstakademie Karlsruhe abgeschlossen hat, zu einer Art Botero der Generation Z.