Moritz Ney gehört zu den luxemburgischen Malern, die regelmäßig und beständig arbeiten. Nicht nur, weil man seine Themen und seinen Stil wiedererkennt, sondern auch, weil er sich jeden Tag schon bei Tagesanbruch an die Arbeit macht. Seine morgendliche Malübung gibt den Rhythmus für den Beginn des Tages vor.
Seine neuesten Arbeiten sind bei Fellner contemporary zu sehen. Mit mittlerweile 75 Jahren strahlen seine Momentaufnahmen des Alltags eine kindliche Frische aus. Drei mittelgroße Werke empfangen den Besucher und fassen das zentrale Thema der Ausstellung zusammen – den Jahrmarkt. Seine Art, die Elemente im Bild anzuordnen, kehrt auch in anderen Szenen immer wieder: Eine oder mehrere Figuren stehen meist im Mittelpunkt. Hier ein kleiner Junge auf seinem Fahrrad, dort Pferde, aber auch drei größere weibliche Figuren, die diesmal zur rechten Seite hin versetzt sind.
In diesen drei Gemälden, die zügig und mit einem Pinsel ausgeführt wurden, dessen sanfte Striche über das Kraftpapier gleiten, lässt ein zentraler Freiraum der Komposition stets Raum zum Atmen. Der obere Teil ist in zwei übereinanderliegende Streifen gegliedert. Der erste rahmt den zentralen Freiraum ein und verortet die Szene: Die Lastwagen der Schausteller kommen an, Häuser zeichnen eine Horizontlinie. Der Streifen darüber, der den oberen Rand des Bildes bildet, ist dicht bestückt mit Bäumen in Herbstfarben und einem Himmel, über den Wolken ziehen. Die Farben sind leuchtend: Orange, Blau, Violett.
Vier weitere Acrylgemälde, die ebenfalls auf Kraftpapier entstanden sind, zeigen ebenfalls den Jahrmarkt und zeugen von Moritz Neys gleichem Geschick bei der Gestaltung des Bildes, wie hier bei den vertikalen Stützen der Karussells, die gerade aufgebaut werden. Der Charakter des Jahrmarkts wird durch kleine menschliche Silhouetten wiedergegeben, die sich zu bewegen scheinen. In dieser Serie ist ein Lastwagen, der einen Zug aus Wohnwagen zieht, sehr präzise dargestellt. Hier zeigt sich eine Darstellung der Masse, die man von Moritz Ney vielleicht nicht erwartet hätte.
Der sichtlich Spaß daran hat. Eine Skulptur besteht aus einer Flasche, die den Körper einer Figur bildet. Die Materialien sind aus dem Recycling und bunt zusammengewürfelt. Holz, nicht einmal grob behauen, bespritzt mit Gips und kräftigen Farben. Meistens ist es Rosa, da es sich hauptsächlich um Gesichter handelt. Man muss es nicht mögen … Aber in einem großen Werk ragt ein Strauß Tulpen aus einer Vase hervor und zeugt von gekonntem Gleichgewichtssinn. Dieser Strauß, ebenfalls aus allerlei Fundstücken zusammengesetzt, wirkt lebendig, wie es echte Blumen tun würden.
Moritz Ney gehört zu jenen luxemburgischen Künstlern, deren Werk Hans Fellner sich vorgenommen hat, zu verteidigen. Doch was soll man zu den Blumensträußen von Moritz Ney auf Papier sagen? Zugegebenermaßen zeugen sie von einer Kunstfertigkeit, die die Transparenz einer Glasvase wiedergibt, von einer Schnelligkeit der Ausführung, fast wie eine Handschrift, um die Samtigkeit der Tulpenblütenblätter und die schlanken Linien der Iris einzufangen…
Kalligraphien im chinesischen Stil lassen deutlich erkennen, dass es sich um eine Art Schreibübung handelt. Zu diesem Thema möchten wir nicht weiter darauf eingehen. Interessant ist jedoch, wie die wässrige Farbe das sich zusammenziehende Papier bearbeitet. Andere Blumensträuße sind auf Hartplastikfolien nach der Technik der Hinterglasmalerei entstanden. Schade, dass diese Werke nicht beispielsweise zwischen zwei Glasplatten präsentiert werden, um ihre Transparenz zu unterstreichen, sondern wie alle anderen gerahmt sind, wodurch nichts mehr von der Beziehung zwischen Malerei und Technik zu erkennen ist. Und dann stößt man auf blutrote Mohnblumen mit schwarzem Herzen in einer ebenfalls schwarzen Vase. Das Schaffen von Moritz Ney ist umfangreich und daher zwangsläufig uneinheitlich. Aber es gibt echte Perlen.
Moritz Ney – New Works. Paintings & sculptures, ist zu sehen
in der Galerie Fellner contemporary, 2a rue Wiltheim
in Luxemburg, bis zum 11. März