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Bildende Kunst 3 Min. Lesezeit

Blumen und Menschen

Gemalte, gezeichnete, modellierte und gefilmte Blumen und Wesen: Gefühle in den beiden Nosbaum-Reding-Galerien

Erschienen in Ausgabe April 2022
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Vor vier Jahren stellte Rafael Grassi-Hidalgo in der Galerie Nosbaum Reding Pflanzen in den Vordergrund, aber auch die Palette des Malers (der er ja ist) oder die Leinwand – ob bereits bemalt oder noch unbemalt –, vor einem Hintergrund, der wie ein Bühnenvorhang gestaltet war. Auf diese „Easy Paintings“ folgen derzeit in der Gallery | Projects Blumen, ausschließlich Blumen, unter dem pluralischen Titel „Forms of Life“.

Der Hintergrund dieser Ölgemälde auf Leinwand – die entweder sehr groß (230 x 180 cm) oder klein (50 x 40 cm) sind und wie Skizzen der größeren Werke wirken, etwa wie bei „Drunken Bird“ und „Big Drunken Bird“ – ist ein leuchtender Himmel, in dem die Formen dieser Schnittblumen, ohne Wurzeln, Blätter oder Vase tanzen. Wäre man eine Biene, würde man sofort von diesen Blütenkelchen in den Bann gezogen oder von den Stielen, die wie Arme wirken, umschlungen werden, wie in „Flirt“.

Nur dass die drei Gemälde des „Magic Trio“, die die Hauptwerke von „Forms of Life“ darstellen, Zielscheiben sind, an deren flacher Oberfläche wir – wären wir eine Biene – zerschmettern würden. Aus dieser scheinbaren Lässigkeit kehrt Rafael Grassi-Hidalgo zum Stillleben zurück. Ein seit Jahrhunderten wiederkehrendes Thema der Malerei, das heute brandaktuell ist.

Ein weiteres hochaktuelles Thema, wenn es je eines gab, steht im Mittelpunkt einer Gruppenausstellung im benachbarten Hauptraum der Galerie Nosbaum Reding: „Emotions are facts“. Unter den Werken von acht Künstlerinnen verbringen wir einen Teil der Zeit damit, den Film „TouchMETell“ von Melanie Bonajo anzuschauen. Was könnte spontaner Emotionen wecken als die körperliche Empfindsamkeit von Kindern? Aber was wird aus ihr im kalten digitalen Zeitalter? Wütend – so drückt sich Carmen Ayala Marin auf einer großen Leinwand aus, auf der das Hausmädchen (eine Spanierin, die im Frankreich der 1980er Jahre gemeinhin „Conchita“ genannt wurde) in der Badewanne ihrer Arbeitgeber faulenzt, einen Revolver in der Hand… Das ist gemalte Movida.

„Parasites of Joy“ ist hingegen rot wie die Freude. Auf einem sehr langen Werk, das an mittelalterliche Rittergeschichten auf Wandteppichen erinnert (Teile davon sind hier gestickt), nur dass der Held hier eine Heldin ist, Konstantia Krikzoni, eine autobiografische Erzählung mit den Attributen, die gemeinhin als weiblich gelten: dämonisch und heilend. Ebenfalls an der Wand der Galerie zu sehen ist ein Blumenbouquet – 400 der 2.000 von Boryana Petkova gezeichneten, jeweils eines pro Tag, in Aquarell oder Graphit –, das von zufälligen Emotionen erzählt.

Und nun gehen wir auf Bodenhöhe weiter. Wie könnte man nicht von den dort liegenden „Chrysalis“ von Monica Mays beeindruckt sein – aus Materialien wie Seide, Wolle, Blumen, Blättern, Baumwolle, Pferdehaaren und Heu, die diese Mischformen zwischen Pflanzen und Tieren bilden. Und schließlich: Was oder wer sind die Figuren von Kong Shengqi? Ein echtes Gesicht oder eine Maske aus seinem „Anatomischen Theater“ – je nachdem, wie man diese Skulptur aus wiederverwertetem Holz betrachtet.

„Forms of Life“ von Rafael Grassi-Hidalgo in der Galerie | Projects Nosbaum Reding sowie „Emotions are Facts“, eine Gruppenausstellung mit Werken von Carmen Ayala Marin, Melanie Bonajo, Monica Mays, Miriam Cahn, Konstantina Krikzoni, Boryana Petkova, Kong Shengqi und Zoreh Zavareh, in der Galerie Nosbaum Reding. Zu sehen bis zum 30. April, 2 und 4 rue Wiltheim, Luxemburg-Stadt