Die Installationen und Filme von Eva L’Hoest untersuchen die vielfältigen Beziehungen zwischen dem Realen, Greifbaren, Materiellen und dem Digitalen, Virtuellen, Künstlichen. Die belgische Künstlerin (geb. 1991 in Lüttich) bedient sich digitaler Technologien und Sprachen, um sich mit der Vergangenheit, der Erinnerung und den Ursprüngen auseinanderzusetzen. Ausgebildet an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Lüttich, hat Eva L’Hoest einen eher untypischen Karrierestart hinter sich: Sie wurde bereits auf verschiedenen bedeutenden internationalen Veranstaltungen (insbesondere den Biennalen von Lyon, Okayama, Riga oder Sydney) entdeckt, bevor sie Ausstellungen in ihrem Heimatland, im Wiels oder im Kanal, realisierte. „The Mindful Hand“ im Casino Luxembourg ist ihre erste institutionelle Einzelausstellung. Der Titel wurde bewusst auf Englisch gewählt, um mit der Mehrdeutigkeit des Wortes „mindful“ zu spielen: Die Hand oder Geste (hand) ist hier zugleich bewusst, aufmerksam und geistreich. Zudem bietet die Ausstellung, die eine Reihe bisher unveröffentlichter Werke vereint, eine Art imaginäre Archäologie, die sich vom Ort, seinen Räumen und seiner Geschichte inspirieren lässt, um hybride und nicht klassifizierbare Werke zu schaffen.
Die Werke von Eva L’Hoest beeindrucken vor allem durch die Mischung aus handwerklichem Können und digitalen Techniken, die sie in ihren vielschichtigen Kreationen einsetzt: 3D-Druck, Abguss nach dem Naturmodell, Video, Analogfilm, computergenerierte Bilder, künstliche Intelligenz, Laserschneiden sowie Texte und Musik. Durch die Aneignung zeitgenössischer Technologien analysiert sie die Realität und deren Wahrnehmung durch unseren Körper.
Das erste Werk des Rundgangs stammt aus der Serie „Inkstand“. „The Belly of Small God“ ist eine imposante schwarze Skulptur, die mit Hilfe eines 3D-Druckers aus Kunststoffkügelchen (PLA) gefertigt wurde. Das Motiv stammt aus einem Gemälde, das die Wände des Casino-Restaurants ziert. Die Künstlerin hat es transformiert und so überarbeitet, als würde es aus der Oberfläche herausgedrückt, von der Zweidimensionalität hin zur Dreidimensionalität. Man steht vor einer Art Altarbild, wie einem Hochrelief, das an mittelalterliche Kirchenstatuen erinnert: Man glaubt, eine Grabfigur, eine Eidechse oder eine Schäferin zu erkennen. Eva L’Hoest hat die Spuren der Herstellung, die Mängel und Produktionsfehler, die der verwendeten Technik innewohnen, darin belassen. Sie gewährt uns somit einen Blick hinter die Kulissen der Ausführung, als wolle sie uns eindringlich warnen: „Digitale Werkzeuge errichten ein feudales Herrschaftssystem. Wenn man sie nicht beherrscht, ist es unmöglich, diese Zugbrücke zu überqueren, um zur Festung zu gelangen.“
Im großen Saal folgen weitere Werke aus derselben Serie, „Fragments of Intents“. Diesmal sind die mehr oder weniger idyllischen Szenen aus einer Legierung aus Wismut und Zinn gefertigt, die in Sandformen gegossen wurde, die wiederum aus einem 3D-Druck stammen. In transparenten Kästen platziert, lassen sich diese häuslichen Dioramen wie Versuchstiere beobachten. Die Installation erinnert übrigens an die Skinner-Boxen, in denen Experimente zum Verhalten von Tauben oder Nagetieren durchgeführt wurden. Kritisch und wachsam thematisiert die Künstlerin hier die moralischen Grenzen der Technologie und unser untergeordnetes Verhältnis zur digitalen Welt.
Der auf vier Bildschirmen gezeigte Film „Main Station“ füllt den Saal buchstäblich aus. Er verbindet analoge, auf 16-mm-Film gedrehte Aufnahmen mit computergenerierten Bildern in einer langsamen und fesselnden Kamerafahrt, die an verschiedenen Orten im Casino Luxembourg gedreht wurde. Man erkennt den Saal, in dem man sich befindet, in einer Art beunruhigender Mise en Abîme, aber auch den Dachboden, die Keller und Ausblicke nach draußen. Die Bilder verwischen die Wahrnehmung zwischen den Innenräumen, die jeglicher menschlichen Präsenz entbehren, und der Bewegung der Perlenwellen, die wie ein reißender Strom heranrollen, oder den Details von Materialien, die zweifellos im Verfall begriffen sind und durch ein Fischernetz gescannt werden, als wolle man die Partikel des Lebens einfangen. Im Hintergrund spricht der von Eva Mancuso verfasste Text (zu Musik von Clara Levy und John Also Bennett) von Gefangenschaft und Erinnerung. Man weiß nicht, ob sie die Lage der Frauen oder die der Maschinen beschreibt. Die Verbindung zwischen dem Werk und dem Kunstzentrum wird noch deutlicher, wenn man bedenkt, dass „Main Stations“ (diesmal im Plural) der Titel der letzten Ausstellung war, die im Rahmen des Kulturjahres 1995 in dieser Institution gezeigt wurde.
Etwas weiter entfernt steht die Skulptur „Ragdoll“ (wörtlich: Stoffpuppe), die das Ergebnis von Forschungen zur Simulation von Menschenmengenbildern ist. Auch hier begnügt sich Eva L’Hoest nicht damit, ein technologisches Experiment wiederzugeben, sondern bringt ihre Sichtweise und ihre Analyse als bildende Künstlerin ein. Hier wirken die Figuren wie übereinandergelegt, wodurch der Entstehungsprozess offenbart und die Grenzen der Maschinen aufgezeigt werden.
Schließlich ist „The Cave, The Cage, The Chorus“ zweifellos das spektakulärste Werk. Dieses Zoetrop erinnert an die Anfänge des Kinos oder vielmehr des bewegten Bildes: Ein optischer Mechanismus nutzt das Phänomen der Netzhautpersistenz, um die Illusion zu erzeugen, dass die Gesichter mit verbundenen Augen zum Leben erwachen. Dieses Karussell befindet sich in der Mitte eines Metallkorbs, einer Nachbildung desjenigen der Pariser Börse aus den 1960er Jahren. Die undeutlichen Stimmen der Börsenhändler geben den Rhythmus vor. „Diese Verbindung zur Börse verdeutlicht, wie neue Technologien auch dazu genutzt werden, unsere Zukunft vorherzusagen. Doch die gequälten Gesichter fügen hinzu, dass wirtschaftliche Schwankungen durch kollektive emotionale Reaktionen beeinflusst werden können“, bemerken Vincent Crapon und Stilbé Schroeder, die Kuratoren der Ausstellung.
Mit ihren Kombinationen aus Skulpturen und audiovisuellen Installationen webt Eva L’Hoest neue Erzählungen und Formen. Sie schafft eine seltsame Realität, die zugleich körperlos und anthropomorph ist. Der Besucher muss sich langsam hineinwagen, um besser in sie einzutauchen und sich in ihr zu verlieren.
Eva L’Hoest,