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Bildende Kunst 3 Min. Lesezeit

Die Aneignung

ZEITGENÖSSISCHE KUNST

Erschienen in Ausgabe Mai 2022
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Vier unterschiedliche Ausdrucksformen könnten den Eindruck erwecken, dass der Blick des Besuchers mit verschiedenen Ausdrucksformen konfrontiert wird. Das ist auch der Fall. Doch geht von den ausgestellten Werken eine Einheit aus – oder „Dialoge“, wie die Ausstellung heißt –, die von Gelassenheit geprägt ist.

Dabei geht es jedoch nicht darum, eine schmerzhafte Vergangenheit nicht erneut aufzuarbeiten. So auch bei den beiden Gemälden von Eddy Kamuanga: „Attitude“ und „Pose“. Seit seiner ersten Einzelausstellung in London im Jahr 2016 werden die Werke des Künstlers weltweit ausgestellt und gesammelt. Seine Öl- und Acrylgemälde auf Leinwand greifen ein schreckliches Thema auf: die „Fermes Chapelles“. Eddy Kamuanga, der 1991 in Kinshasa geboren wurde, wo er heute lebt und arbeitet, zeigt die Geschichte von Kindern, die ihren Familien entrissen wurden.

Drei Elemente verweisen direkt auf diese Entfremdung von den Wurzeln: eine afrikanische Statue in einem der Gemälde, ein Kolonialsessel im anderen und das Weihrauchfass der Messe in beiden. Im Übrigen werden die Figuren, denen ihre kulturellen Wurzeln vergessen gemacht wurden, als mechanische Silhouetten dargestellt, deren Körper mit elektronischen Schaltkreisen überzogen sind. Abgesehen von dieser Robotik wollen wir uns nicht an eine Interpretation der Kleidung im Schottenkaro wagen, außer dass es sich um eine Vereinheitlichung handelt.

Eins und doch vielfältig zu sein – das ist das ganz eigene Anliegen von Gosette Lubondo. Die Fotografin und ebenso viele Abbilder ihrer selbst, alle im gleichen weißen Kleid, einen Blumenstrauß in der Hand, feierlich, wenn nicht gar zeremoniell, posiert in einer Serie von sieben Fotos, die in den Ruinen des luxuriösen Palasts aufgenommen wurden, den sich der Diktator Sese Seko Mobutu in seinem Heimatdorf errichten ließ. Die vertikale Statue ihres Körpers wird zur neuen Struktur dieses Gebäudes, dessen Formen der westlichen Geometrie entstammen.

Wieder einmal dient der Westen mit seiner Tradition der Adelsporträts als Ausgangspunkt für die drei Kompositionen, die Vitshois Mwilambwe Bondo präsentiert. Die Posen der Figuren sind in „Queen Nanny“, „The African Princess“ und „The Power“ hieratisch, auch wenn man sich bei letzterem fragen kann, ob es sich nicht um den Narren handelt, der die Ordnung der Hierarchie stören könnte. Die Figuren sind durch die Kleidung im Stil des Grand Siècle eingeschränkt. Doch vor einem einheitlichen königsblauen Acrylhintergrund bestehen die Silhouetten der Körper und der Kleidung vollständig aus schillernden, sich bewegenden Collagen. Die Vielseitigkeit seines Talents erlangte Vitshois Mwilambwe Bondo in Kinshasa, wo er 1981 geboren wurde, und später an der École des Arts décoratifs in Straßburg sowie an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam.

Alexis Peskine präsentiert Porträts, die wie alte Fotografien in ovalen oder runden Rahmen wirken. Doch lassen wir uns davon nicht täuschen. Alexos Peskine, der einzige der „Dialogues“-Künstler, der nicht in Afrika, sondern 1979 in Paris geboren wurde, praktiziert unter den vier Künstlern – zusammen mit Assiê Fian, Dou Ebi und Mwasi Na – zweifellos die ursprünglichste Form afrikanischer Kunst: Der Hintergrund besteht aus mit Kaffee gebeiztem Holz, und die Nägel, die das Relief der Gesichter und Haarpracht nachzeichnen, stammen aus der uralten Tradition der Nagelfetische im Kongobecken.

Die Ausstellung „Dialogues. Alexis Peskine, Eddy Kamuanga, Vitshois Mwilambwe Bondo und Gosette Lubondo“ ist noch bis zum 4. Juni in der Galerie Zidoun Bossuyt zu sehen. 6 rue Saint-Ulrich in Luxemburg-Stadt