Die Veröffentlichung ihres Werks „Stardust“ im Jahr 2022 zeigte, dass Anna Krieps schon seit ihrer Kindheit von Flugzeugen und der Weltraumforschung fasziniert ist. Davon zeugen in der Galerie Nei Liicht Fotografien aus ihren Serien „Cosmic Dream“ und „Autoaustroporträts“. Laut dem Text von Fanny Weinquin beschwört die Fotografin „einen kosmischen und universellen Traum … hin zu einem anderen Ort, der vielleicht besser ist.“ Der Titel der Ausstellung, „In between us“, wäre somit eine intergalaktische Reise, auf der der Mensch eine neue Welt und „authentische menschliche Werte“ finden würde, fernab vom „Planeten Erde (der) langsam stirbt“. Ihre Angehörigen – ihre Schwester Vicky und ihr Zwillingsbruder – scheinen im wirklichen Leben für Anna Krieps von entscheidender Bedeutung zu sein. Sie sind ihre Vorbilder, ebenso wie die Jungfrau Maria und Christus (die interessanterweise in der Serie „Space Generation“ eingeordnet sind), der Kosmonaut und der Kleine Prinz, nach der Geschichte des Piloten der Aéropostale und Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry.
Anna Krieps nimmt den Besucher mit auf eine Reise durch den Kosmos und kehrt dann zu der Hütte zurück, deren Wände mit Postkarten geschmückt sind, die aus aller Welt an ihre Großmutter geschickt wurden. Dieses aussterbende Kommunikations- und Versandmittel (wie bei Saint-Exupéry) verweist eindeutig auf einen Rückzugsort, eine Rückblende aus ihrem aktuellen Leben als junge Frau in den Dreißigern in ihre Kindheit.
Anna Krieps liegt es zweifellos am Herzen, aufzuzeigen, was auf dem Planeten Erde nicht stimmt. Ihre Schwester, eine Kosmonautin, spaziert in einem vor jeglicher Verschmutzung schützenden Anzug durch ein Feld aus künstlichen Sonnenblumen, die die echten ersetzen. Als Piraten verkleidete Freunde veranschaulichen (immer noch laut Fanny Weinquin) „auf humorvolle Weise die Ängste einiger Menschen, von Flüchtlingen kolonisiert zu werden“. Diese Serie, „Un bon port“, ist natürlich eine Umkehrung des „sicheren Hafens“, den die Passagiere der zerbrechlichen Boote im Mittelmeer leider nicht immer erreichen, unsicher über ihr Schicksal in einem zunehmend zurückhaltenden Europa.
Die kritische Distanz, die Anna Krieps in ihren Fotografien herstellen möchte, wird durch die Ästhetik unterlaufen. Was wir in Wirklichkeit sahen, wie diese „Modern Ophelie“ auf ihrem Bett aus handgestickten Rosen aus der Serie „Fashion“ – sie wurde von der luxemburgischen Stylistin Laurie Lamborelle eingekleidet –, ähnelt zu sehr einem „In-Between“ (In between us), dessen Obsoleszenz von der Geschichte mit großem „ H “ vorprogrammiert ist und die immer schneller voranschreitet.
Mit „Into The Void“ verfolgt Marc Soisson in der Galerie Dominique Lang einen ganz anderen bildnerischen Ansatz. Der aus Esch stammende Künstler, Mitte vierzig, verwendet für seine kosmische Erkundung Rußpulver (man denkt an die Arbeiterhäuser, die früher mit Kohle beheizt wurden) und Eisenspäne, die im Gestein des Südens enthalten sind. Anschließend verarbeitet Marc Soisson eine durch und durch gefärbte Papiermasse, um eine Reihe von Werken mit rohem, physischem Charakter zu schaffen. Es sind sehr persönliche Kreationen, die jedoch mit fundierten Kenntnissen der Sternbilder und der antiken griechischen Mythen einhergehen und auf mathematischen Regeln basieren. Er knüpft zudem an die Land Art an und – last but not least – lässt auch den Humor nicht zu kurz kommen.
Gleich am Eingang der Galerie befindet sich „N.E.B.R.A.“, bestehend aus fünfzehn Autobremsscheiben und mit Bleistift direkt an die Wand gezeichneten Kreisbögen. Das Werk ist eine zeitgenössische Reproduktion der ältesten Darstellung der Plejaden aus der Bronzezeit, die 1999 in Sachsen-Anhalt entdeckt wurde. Diese „Karte“ ist der Ausgangspunkt für alle plastischen Variationen von Marc Soisson im Erdgeschoss. So könnten auf der Rückseite der Sternenkarte die winzigen, auf Stecknadeln aufgereihten Papiersplitter und ihre Schatten den Zyklus von der Ernte bis zum Pflügen symbolisieren, den bereits Homer in der „Ilias“ und der „Odyssee“ beschrieb. Gegenüber befinden sich die Sterne der Serie „Perseus“ in Form von „Briketts“ aus schwarzer Kohle. Gibt Marc Soisson mit dieser Nicht-Farbe demjenigen eine Chance, der über den ersten Eindruck hinausblickt, dem Blick der Medusa standhält, sie tötet und so zur Erkenntnis gelangt?
Mit der Archimedischen Spirale oder der Fibonacci-Folge der Serie „5 x 4 Spirals“ möchte Marc Soisson unsichtbare und uralte Gesetzmäßigkeiten aufzeigen. Was jedoch nicht unsichtbar ist, ist seine Kunst: Die flüssige, mit Kohle getränkte Papiermasse wird auf MDF-Platten gepresst, anschließend formt er die Spiralen mit den Fingern wie ein Töpfer als Relief heraus. Oder wie die Künstler der Land-Art (er selbst zitiert Robert Morris und Dieter Roth).
Zurück aus dem Kosmos auf der Erde begeben wir uns in den ersten Stock, wo den Besucher Zeichen erwarten: eine Reihe kleinformatiger Werke, auf denen schwarze Strichschrift auf erdfarbenen Hintergründen (verdünntes Gelb, Rot, Ocker) zu sehen ist. Es handelt sich dabei sowohl um eine Art zeitgenössisches Graffiti als auch um eine Rückbesinnung auf die Malereien prähistorischer Höhlen. Ein merkwürdiger Titel also, „Into the Void“, für „Elemente, die der minimalistischen Wüste wieder Erzählung und Anekdote einhauchen“, wie Virginie Mossé im Begleittext schreibt. Dies trifft zweifellos auf die „Lebenszeichen“ zu, zwei sehr großformatige Arbeiten (300 x 157 cm), die mit flüssiger Kohle auf Papier entstanden sind. Marc Soissons Gestik, bei der er das Papier so bearbeitet, als würde man weiße Laken ausschütteln, ist der Ursprung der verlaufenden Linien.