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Bildende Kunst 7 Min. Lesezeit

Neue Herausforderungen in der Mediation

In der Hauptstadt gibt es sieben Museen, darunter fünf, die für Besucherbetreuung und Vermittlung zuständig sind. Sie beantworten unsere Fragen

Erschienen in Ausgabe Oktober 2021
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Sie haben nicht dieselben Abschlüsse, nicht dieselbe Erfahrung und arbeiten in Einrichtungen unterschiedlicher Größe und Struktur. Dennoch verfügen alle sieben Museen und Kunstzentren der Hauptstadt über eine Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit oder Vermittlung. Das ist bereits ein Zeichen der Zeit. Da einige Museen zusammengelegt sind (das MNHA mit den „Dräi Eechelen“ und die Villa Vauban mit dem „Lêtzebuerger City Museum“), haben wir nur fünf Personen (schriftlich) zur Arbeitsweise ihrer Abteilungen und Programme befragt. Hier einige der aussagekräftigsten Antworten.

d’Land : Was sind die besonderen Herausforderungen der Vermittlung in Ihrem Museum ?

Katharina Stütze (Casino Luxembourg) : Wir haben keine Dauerausstellung. Daher muss das Vermittlungsangebot an jede Ausstellung neu angepasst werden. Kooperationen, Angebote und Partnerschaften müssen in kurzer Zeit umgesetzt werden, und bei der Planung der Vermittlungsmaterialien ist Flexibilität gefragt.

Valérie Tholl (Mudam) : Unser besonderes Anliegen ist es, ein besseres Verständnis und eine tiefere Wertschätzung der zeitgenössischen Kunst zu ermöglichen. Der Ansatz der Besucherbetreuung spiegelt die Offenheit des Museums wider und widerlegt das Klischee, das zeitgenössische Kunst als elitär abstempelt. Zeitgenössische Kunst ist in der Tat eine Kunst für alle, sofern es den Institutionen gelingt, sie zugänglich zu machen. Wir analysieren kontinuierlich unser Besucherspektrum und entwickeln ein einfühlsames und innovatives Programm, das auf deren Bedürfnisse und Wünsche eingeht.

An welche Zielgruppen richtet sich das Angebot?

K. S.: Wir versuchen, Vermittlungsangebote für alle Zielgruppen zu entwickeln und dabei ein breites Spektrum abzudecken (zielgerichtete Führungen, Workshops, Vorträge, Veranstaltungen). Auch wenn Angebote für Familien und Schulklassen bislang im Mittelpunkt unserer Aktivitäten standen, möchten wir verstärkt mit Einrichtungen im sozialen Bereich zusammenarbeiten, um dauerhafte Beziehungen aufzubauen und dieser Zielgruppe den Zugang zur Kultur zu ermöglichen. Die Kostenfreiheit der meisten unserer Angebote ist Teil unserer Vision vom Zugang zur Kultur. Wir streben zudem die Inklusion von Besuchern mit besonderen Bedürfnissen an, beispielsweise durch Führungen für seh- oder hörbehinderte Menschen.

Michèle Platt (MNHA, 3E) : Die verschiedenen Besuchergruppen interessieren sich für unterschiedliche Themen und Formate: Die Einheimischen kommen wegen der Wechselausstellungen, während Touristen eher die Dauerausstellung entdecken möchten. Es werden Führungen, Diskussionsrunden, Kreativworkshops und Vorträge angeboten. Dennoch bleibt es eine Herausforderung, junge Menschen außerhalb des schulischen Rahmens anzusprechen.

V. T. : Die organisierten Veranstaltungen und Aktivitäten sollen die Vielfalt der Bevölkerung widerspiegeln. Das Motto lautet, das Programm GEMEINSAM mit den Zielgruppen zu gestalten. Sie werden zu den Hauptakteuren des Museums. Wir beziehen sie kontinuierlich in die Umsetzung der pädagogischen Projekte ein, sei es für Kinder, Erwachsene, Schulen oder alle Projekte zur sozialen Inklusion. So ist das Programm „Fanclub Classes“ ein einzigartiges Projekt für Kinder ab neun Jahren. Dieses Programm zur Entdeckung der zeitgenössischen Kunst begleitet die Kinder über einen längeren Zeitraum hinweg. Zu der Sammlung wird ein Führer in Leichter Sprache veröffentlicht, an dem wir das Künstlerkollektiv Dadophonic und den Verein Klaro beteiligt haben, der das Korrekturlesen durch Menschen mit Behinderung durchführt.

André Faber (MNHN): Die Vermittlung in den Ausstellungen richtet sich mit einem differenzierten Angebot an alle Altersgruppen. Für bestimmte Zielgruppen gibt es ein Programm mit Aktivitäten innerhalb und außerhalb des Museums (Jugendliche, After-Work-Veranstaltungen, „Frënn vum natur musée“).

Kyra Thielen (Villa Vauban, LCM): Je nach Zielgruppe (Kinder, Jugendliche, Familien, Senioren, Kindertagesstätten, Grundschulen, Gymnasien, Fachpublikum, Menschen mit besonderen Bedürfnissen) ist es wichtig zu wissen, wo man sie antrifft, um sie direkt anzusprechen. Grundsätzlich muss die Kommunikation an die Zielgruppen angepasst werden.

Was macht für Sie einen guten Mediator aus? Welche Eigenschaften sollte er/sie mitbringen?

K . S. : Ein guter Vermittler muss Einfühlungsvermögen besitzen und den Menschen ein Gefühl der Geborgenheit vermitteln. Er muss in der Lage sein, abstrakte Konzepte verständlich zu machen und Verbindungen zwischen der Kunst und den persönlichen Erfahrungen der Besucher herzustellen. Er oder sie sucht den Austausch mit den Besuchern und nimmt deren Meinung ernst. Er oder sie möchte nicht nur Wissen vermitteln, sondern nutzt die Kunst als Ausgangspunkt für einen Austausch auf Augenhöhe, bei dem die Erfahrungen jedes Einzelnen wertgeschätzt werden. Kenntnisse der in Luxemburg gebräuchlichen Sprachen sind wichtig.

Herr P. : Anpassungsfähigkeit ist das Wichtigste: je nach Ausstellung, Besuchern, deren Fragen und Interessen sowie den gesprochenen Sprachen

A.F.: Zu den wesentlichen Kompetenzen gehören die Fähigkeit, sich in mehreren Sprachen auszudrücken, kurze und verständliche Erklärungen zu geben sowie die Vermittlung mithilfe spezifischer oder didaktischer Objekte, die den Vortrag veranschaulichen, in den Vordergrund zu stellen.

K ?. T. : Bei der Vermittlung geht es in erster Linie darum, Wissen zu vermitteln, doch manchmal stehen manche Besucher dem Museum oder den ausgestellten Werken sehr kritisch gegenüber. In solchen Momenten besteht die Aufgabe des Vermittlers eher darin, die Neugier des Besuchers zu wecken und sein Misstrauen gegenüber dem Museum abzubauen, als ihm Wissen zu vermitteln.

Arbeiten Sie mit internen oder freiberuflichen Mediatoren zusammen?

K. S. : Wir arbeiten mit drei internen Mediatoren und freiberuflichen Mediatoren zusammen. Die internen Mitarbeiter entwickeln eine Strategie, um dauerhafte Beziehungen zu den verschiedenen Partnerorganisationen aufzubauen. Die Freiberufler unterstützen das Team bei zahlreichen Veranstaltungen punktuell.

M.P. : Wir beschäftigen Freiberufler aus einem relativ festen Pool. Sie bieten den Vorteil der Flexibilität.

V.T. : Die internen Vermittler sind aktiv an der Gestaltung des pädagogischen Begleitprogramms zu den Ausstellungen beteiligt. Ein Team aus zehn freiberuflichen Vermittlern unterstützt sie dabei.

A.T.: Wir arbeiten seit 25 Jahren mit Museumsmitarbeitern und Freiberuflern zusammen. Die Freiberufler betreuen insbesondere Schulgruppen. Die internen Vermittler konzentrieren sich – abgesehen von den Führungen – auf die Ausarbeitung von pädagogischen Einheiten und Leitfäden für den Rundgang durch eine Ausstellung.

K. T. : Ausschließlich Freiberufler

Gibt es eine Preisliste?

K.S.: Es gibt zwar keine offizielle Tabelle, aber wir versuchen, uns unter den Museen abzustimmen.

M. P. : 40 Euro pro Stunde

A.F.: Freiberufler werden je nach Dauer und Ort des Einsatzes, ihrer Ausbildung und ihrer Berufserfahrung bezahlt. Im Durchschnitt liegt der Stundensatz bei etwa 60 Euro für einen Besuch bei einer Gruppe, der weniger als zwei Stunden dauert.

Wie hat sich die Mediation im Zuge von Covid weiterentwickelt?

K. S.: Wir wollten, dass die Besucher zeitgenössische Kunst live in unseren Ausstellungsräumen erleben und nicht hinter ihrem Bildschirm. Wir haben jedoch das Tool „Spark“ entwickelt, das als Ergänzung dient und Informationen zu den Themen der laufenden Ausstellungen bietet. Seit Jahren bieten wir den Besuchern die Videos der „Channel Box“ an, die auch auf unserer Website und somit von zu Hause aus abrufbar sind.

Herr P : Wir haben weitere digitale Angebote entwickelt, darunter Live-Streams der Vorträge auf Facebook oder 3D-Scans der Wechselausstellungen.

V. T. : Die Gesundheitskrise hat es uns ermöglicht, unsere Arbeitsweise neu zu gestalten und Alternativen zu unseren Programmen und Aktivitäten anzubieten. Wir stellen fest, dass wir mit Online-Programmen ein breiteres Publikum erreichen können, das über die Grenzen Luxemburgs hinausreicht. Die aktuelle Gesundheitslage erinnert uns daran, wie wichtig unser Auftrag ist: Kultur für alle zugänglich zu machen.

A. F. : Das Naturmuseum gehörte zu den ersten Museen, die bereits zu Beginn der Pandemie Videokonferenzen und Webinare angeboten haben.

K. T. : Es versteht sich von selbst, dass das Tragen einer Maske die Führungen für die Besucher, vor allem aber für den Museumsvermittler, mühsamer macht. Allerdings schätzen die Vermittler es, dass die Gruppen auf zehn Personen begrenzt sind. Es ist einfacher, mit einer kleineren Gruppe zu interagieren und auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Teilnehmers einzugehen. Außerdem haben wir eine YouTube-Reihe gestartet. Vermittlung muss nicht nur innerhalb der Museumsmauern stattfinden.

Wie beurteilen Sie die Besucherbetreuung und die Vermittlung ?

K. S. : Wir setzen kein spezielles Bewertungsinstrument ein, aber als Vermittler suchen wir stets den Austausch mit unserem Publikum, beobachten dessen Reaktionen und versuchen, bestmöglich darauf einzugehen.

V. T.: Die beste Bewertung ist, wenn ich sehe, dass die Leute wiederkommen. Es geht darum, eine dauerhafte Beziehung zum Besucher aufzubauen, damit er spürt, dass ihm ein wichtiger Platz eingeräumt wird. Seit jeher spornt uns der direkte Kontakt zu ihm dazu an, unsere Vorgehensweisen ständig zu hinterfragen und neue Projekte zu entwickeln, die dem Zeitgeist entsprechen.

A. T. : Die Museumsführer merken als Erste, wenn die Besucher nicht mitziehen, und sie sind ausreichend geschult, um ihre Erläuterungen anzupassen und stärker auf die Erwartungen des Publikums auszurichten. Bei Gruppenführungen wird den Lehrkräften und Gruppenleitern eine Bewertung angeboten.

K. T.: Wir werten die Rückmeldungen von Besuchern, Vermittlern, Kuratoren und Sicherheitspersonal aus. Wir analysieren die Buchungen für Führungen und Workshops, um herauszufinden, welche Angebote das größte Interesse wecken und an welchen Tagen die meisten Besucher kommen, um daraus Schlussfolgerungen für die zukünftige Programmgestaltung zu ziehen.