Als Ende 2021 die neueste Ausgabe des „Bildungsberichts“ erschien – in der sich mehrere lange Abschnitte mit portugiesischsprachigen Schülern und insbesondere mit den sozialen Ungleichheiten befassen, denen sie im luxemburgischen Schulsystem ausgesetzt sind –, hätte man einen Aufschrei seitens der Hauptbetroffenen oder zumindest ihrer Eltern erwartet. Dabei wurde jedoch nicht mit dem Zusammenbruch und der sehr wahrscheinlichen Auflösung des Vereins gerechnet, der sich drei Jahrzehnte lang als Sprachrohr der portugiesischen Gemeinschaft etabliert hatte.
Der Verband der portugiesischen Gemeinschaft in Luxemburg (CCPL) wurde 1991 gegründet, also zu einer Zeit, als die portugiesischen „ portugiesischen „Gastarbeiter“ ihre italienischen Vorgänger zahlenmäßig bereits bei weitem übertroffen hatten und man sich der Tatsache stellen musste, dass auch sie gekommen waren, um zu bleiben. Die CCPL hat ihr Ziel nie verheimlicht. Gemäß ihrer Satzung besteht ihr Zweck insbesondere darin, „sich als zentraler Ansprechpartner und Sprachrohr der portugiesischen Gemeinschaft in Luxemburg in ihren Beziehungen zur luxemburgischen Regierung und anderen nationalen Instanzen zu etablieren“. Zwar gab es bereits eine Reihe von Vereinen in so unterschiedlichen Bereichen wie Folklore, Fußball und Unternehmertum sowie sogar einige Verbände in spezifischen Sektoren (woher übrigens die Notwendigkeit des Begriffs „Verband“ rührt), war es das Ziel, die lokale portugiesischsprachige Elite in einer einzigen Struktur zu vereinen, um sich gegenüber dem Gastland besser Gehör zu verschaffen. In Luxemburg lebten damals fast 40.000 Einwohner mit portugiesischer Staatsangehörigkeit, doch es kam nicht in Frage, dass sie alle Mitglieder der CCPL werden konnten, da der Zugang den Delegierten der Vereine sowie einer Handvoll Personen wie den portugiesischen Vertretern im Nationalrat für Ausländer und in den kommunalen Beratungsgremien für Integration (CCCI) vorbehalten war.
Von den sechs Gründern, allesamt portugiesische Männer, stammte die Hälfte aus dem europäischen öffentlichen Dienst und die andere Hälfte aus der Privatwirtschaft (ein Bankangestellter, ein Lagerist und ein Arbeiter). Diese Vielfalt, auch wenn sie sich auf den beruflichen Hintergrund beschränkte und in soziologischer Hinsicht nicht unbedingt die portugiesische Gemeinschaft widerspiegelte, ist dreißig Jahre später insofern aktuell, als die nachfolgenden Führungskräfte immer wieder die Sichtweise auf die portugiesische Gemeinschaft beklagten, die oft von Klischees und Stereotypen geprägt war, die mit der starken Präsenz portugiesischer Staatsangehöriger im Reinigungs- und Bausektor zusammenhingen. Über dieses Imageproblem hinaus nutzte José António Coimbra de Matos seine lange Amtszeit als Vorsitzender, die sich von 2000 bis 2015 erstreckte, um sowohl die Schwierigkeiten portugiesischsprachiger Schüler im luxemburgischen Schulsystem (er stellte insbesondere lange vor anderen die Alphabetisierung in Deutsch in Frage) als auch die politische Teilhabe seiner Landsleute thematisieren. Was die Form betrifft, hat er nie ein Blatt vor den Mund genommen und damit die Rolle eines inoffiziellen Botschafters übernommen, der äußerst fordernd war und sich keineswegs auf diplomatische Floskeln beschränkte, wobei er regelmäßig bei den politischen Entscheidungsträgern, insbesondere bei den für Integration und Bildung zuständigen Ministern, anklopfte. Da die CCPL nicht über die finanziellen und personellen Mittel verfügte, um Kampagnen durchzuführen oder gar eine Kommunikationsstrategie aufzustellen, fanden seine Beschwerden letztendlich wenig Gehör. Doch inhaltlich erkennen selbst seine Kritiker innerhalb der CCPL mit etwas Abstand an, dass er auf der ganzen Linie Recht hatte und dass es unter anderem richtig war, unermüdlich auf die Frage der Unterrichtssprachen zu bestehen.
Das Jahr 2015 wird ein Jahr der Umwälzungen und enttäuschter Hoffnungen sein. Nach seinem letzten Parteitag als Vorsitzender trat Coimbra de Matos – dem einige Monate zuvor der „Ordem do Infante D. Henrique, einer vom Präsidenten der Portugiesischen Republik verliehenen Ehrenauszeichnung – erhalten hatte und der nach so langer Zeit den Eindruck erweckte, alles bereits durchschaut zu haben – übergibt das Amt an Paula Martins, die erste Frau, die dieses Amt übernimmt. Obwohl beide derselben Generation angehören, unterscheiden sich ihre Werdegänge in fast jeder Hinsicht, was erhebliche Auswirkungen auf ihre Herangehensweise an ihr Engagement haben wird.
Während der scheidende Präsident sich als Erwachsener in Luxemburg niedergelassen hatte, zu seinem kämpferischen Temperament stand und seinen Lebensunterhalt teilweise im Vereinswesen verdiente, ist seine Nachfolgerin eine Einheimische. Die CCPL erhielt somit zum allerersten Mal eine Vorsitzende, die zwar in Portugal geboren war, aber die luxemburgische öffentliche Schule besucht hatte, die Landessprachen beherrschte, sich insbesondere in einer so luxluxemburgischen Organisation wie dem Ombudscomité fir d’Rechter vum Kand (mittlerweile umbenannt in Ombudsman fir Kanner a Jugendlecher) engagierte und sogar die luxemburgische Staatsangehörigkeit besaß. Angesichts dieses Profils und ihres vorbildlichen Werdegangs erwartete der Verwaltungsrat eine deutliche Verbesserung der Kommunikation mit den Behörden und den nationalen Medien. Zumal sich nur wenige Wochen nach der Amtsübergabe etwas mehr als 78 Prozent der luxemburgischen Wähler im Rahmen eines Referendums gegen das Wahlrecht für ausländische Einwohner bei den Parlamentswahlen aussprachen, und damit jede Hoffnung auf eine stärkere Beteiligung der Portugiesen am politischen Leben ihres Aufnahmelandes zunichte machten.
Angesichts dessen, was von vielen Ausländern als regelrechter Schlag ins Gesicht empfunden wurde, hat Paula Martins, die es eher als störend empfand, dass die portugiesische und die luxemburgische Gemeinschaft bei Volksfesten und ähnlichen Veranstaltungen kaum miteinander in Kontakt kommen, es während ihrer Amtszeit vorgezogen, auf das „Zusammenleben“ zu setzen (auch, wie sie selbst sagt, weil sie im Bildungsbereich eine gewisse Stagnation feststellen musste). Während sie bis heute zu dieser Entscheidung steht, werfen ihr Kritiker vor, jeglichen „politischen Ansatz“ völlig aufgegeben zu haben. Mário Lobo, ehemaliger Vizepräsident der CCPL und ehemaliges Mitglied des Nationalen Rates für Ausländer, kann nicht nachvollziehen, dass eine so wichtige Einrichtung darauf reduziert worden sein soll, das „Wurstessen mit den Nachbarn“ zu fördern. Zwar räumt er ein, dass Paula Martins im Gegensatz zu so vielen anderen nie den Anspruch erhoben habe, „König oder Königin der Portugiesen“ in Luxemburg zu sein, doch das Fehlen einer Vision und politischer Forderungen habe der portugiesischsprachigen Gemeinschaft geschadet.
Etwas mehr als dreißig Jahre nach ihrer Gründung steht die CCPL nun „kurz vor der Schließung“, erklärt Paula Martins. Die Möglichkeit einer Auflösung war bereits vor einem Jahr in den portugiesischsprachigen Medien angesprochen worden, doch nun wird sie zum ersten Mal bestätigt. Wie konnte es so weit kommen? Laut der Vorsitzenden, die sich zwischen 2018 und 2021 aus beruflichen Gründen selbst zurückgezogen hatte, ist es praktisch unmöglich, Menschen zu finden, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren – ein Problem, mit dem die große Mehrheit der Vereine konfrontiert ist, unabhängig von ihrem Zweck. Hinzu kommen starke persönliche Animositäten und die Bildung von Cliquen, die die verbleibenden Mitglieder dazu veranlassen würden, lieber das Ende der CCPL in Kauf zu nehmen als ihr Fortbestehen in den Händen von Feinden. Paula Martins weigert sich jedenfalls, auf den weitaus heikleren Aspekt der Finanzen einzugehen. Tatsächlich soll die CCPL laut mehreren Quellen erhebliche Schulden haben.
Bereits 2015 wurden in Strassen Räumlichkeiten angemietet, um als vertraglich anerkannter Träger Sprach- und Informatikkurse anzubieten. Einerseits entsprach diese Tätigkeit sowohl einem echten Bedarf als auch dem Ziel der Integration; andererseits sollte sie auch Einnahmen generieren, wenn auch nur in bescheidenem Umfang, da sich die nationalen Behörden stets zurückhaltend gezeigt hatten, was die Finanzierung eines Vereins betraf, der den Namen einer bestimmten Gemeinschaft trug. Im Laufe der Jahre soll die Buchführung der CCPL jedoch immer chaotischer geworden sein, ja teilweise sogar ganz versiegt sein. Infolge von Zahlungsrückständen wurde der Mietvertrag in Strassen gekündigt. Laut der Nachrichtenseite LUX24 soll der gemeinnützige Verein zu einem bestimmten Zeitpunkt sogar aufgehört haben, die Telekommunikationsrechnungen zu bezahlen, wodurch er ohne Telefonanschluss und ohne Internetzugang dastand. Der jüngste im Handels- und Gesellschaftsregister veröffentlichte Jahresabschluss stammt aus dem Jahr 2016. Seitdem herrscht Funkstille. Paula Martins ist der Ansicht, dass „solche Dinge nicht öffentlich diskutiert werden“. Sie bestätigt lediglich, dass das endgültige Aus nur noch eine Formalität sei und dass es denkbar sei, die Interessen der portugiesischen Gemeinschaft auf persönlicher Ebene zu vertreten, ohne die Unterstützung eines Vereins.
Theoretisch könnten die portugiesischen Vertreter im Nationalen Rat für Ausländer diese Aufgabe übernehmen. Doch Mário Lobo, der kürzlich aus gesundheitlichen Gründen aus diesem Beratungsgremium ausscheiden musste, sieht keine Möglichkeit, wie mit so geringen Mitteln irgendeine Form von Lobbyarbeit erfolgreich betrieben werden könnte. So beträgt beispielsweise das Budget, das den Vereinen für die Kampagne „Ich darf wählen“ zur Verfügung gestellt wurde, die „die Information von Nicht-Luxemburgern über das Wahlrecht bei den Europawahlen fördern“ soll (etwa 100.000 Euro), geringer ist als das Budget, das dem Landwirtschaftsministerium für eine einzige Ausgabe der Zeitschrift GUDD zur Verfügung steht! (Im Jahr 2020 beliefen sich die Kosten für Veröffentlichung und Vertrieb auf 130.000 Euro ohne MwSt.). Sind Ausländer etwa nichts wert ?
Entretemps, le « Bildungsbericht » retient, parmi tant d’autres conclusions tout aussi limpides que démoralisantes : « Portugiesischsprachige Kinder, die keine der Unterrichtssprachen als Muttersprache erlernt haben, erfüllen in der 3. Klasse zumeist nicht die Mindestanforderungen (