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Musik 3 Min. Lesezeit

Die Freuden des A-cappella-Gesangs

Der Besuch der alten Saint-Laurent-Kirche im Herzen von Dierkich ist immer wieder ein Genuss. Nicht so sehr wegen ihrer malerischen Architektur, sondern wegen ihrer Akustik. Ein Ort, an dem Stimmen besonders gut zur…

Erschienen in Ausgabe Februar 2024
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Der Besuch der alten Saint-Laurent-Kirche im Herzen von Dierkich ist immer wieder ein Genuss. Nicht so sehr wegen ihrer malerischen Architektur, sondern wegen ihrer Akustik. Ein Ort, an dem Stimmen besonders gut zur Geltung kommen und an dem der zu laute Applaus einer einzelnen Person den Nachbarn fast das Trommelfell zerreißen kann. Alle zwei Jahre ist das Gebäude ein unverzichtbarer Schauplatz des Festivals „A Cape’lla“. Das 2016 vom CapE (Centre des arts pluriels d’Ettelbruck) in Zusammenarbeit mit dem Inecc (Institut européen de chant choral) ins Leben gerufene Festival widmet sich mehrere Tage lang den Freuden der A-cappella-Musik, also ohne instrumentale Begleitung. An diesem Samstag, dem 27. Januar, während sich der Himmel verdunkelt, betreten die vier Sängerinnen des Orenda Quartetts das Kirchenschiff und schreiten zügig zum Altar.

Sandrine Conry, Petrana Draganov, Stefka Miteva und Julia Orcet präsentieren eine Stunde lang abwechselnd Volkslieder aus dem Balkan und orthodoxe Kirchenmusik, die hier eine ganz besondere Dimension erhalten. In traditioneller bulgarischer Tracht gekleidet, leiten die vier Künstlerinnen die einzelnen Stücke nacheinander mit einigen Versen ein oder erzählen lokale Legenden, die die vorgetragenen mehrstimmigen Gesänge inspiriert haben. Manchmal geraten sie dabei etwas durcheinander, doch das Publikum verzeiht es ihnen. So folgt man einer zusammenhanglosen Geschichte aus jugendlichen Liebesromanzen und territorialen Streitigkeiten, die jedoch spannend bleibt. Das Publikum spielt dabei eine wichtige Rolle und beteiligt sich bereitwillig an den Feierlichkeiten, indem es im Kanon mitsingt und im Takt klatscht, um den Rhythmus zu untermalen.

Später drängen sich die Zuschauer in der Eingangshalle des CapE am Fuße der Treppe zum Auditorium, auf der die rund zwanzig Mitglieder von Nordvox, einem Kammerchorprojekt des Conservatoire de Musique du Nord, Platz genommen haben. Unter der Leitung von Matthias Rajczyk liefert das Ensemble vor einem begeisterten Publikum eine äußerst überzeugende Interpretation von „Soon ah will be done“. Pünktlich um 20 Uhr empfängt der vollbesetzte Saal das britische Vokalensemble Voce8, das als Headliner des Festivals auftritt. Nach einer kurzen, gekonnten Ansprache von Carl Adalsteinsson, dem künstlerischen Leiter des Hauses, betreten Dominic Carver, Eleonore Cockerham (als Ersatz für Molly Noon), Andrea Haines, Katie Jeffries-Harris, Christopher Moore, Blake Morgan, Barnaby Smith und Euan Williamson die Bühne. Das Spektrum, das das Ensemble abdecken wird, ist breit gefächert. Auf dem Programm stehen Rachmaninow, Nat „King“ Cole, Mendelssohn und sogar Paul Simon – vielfältiger geht es kaum. Die Vorstellung beginnt mit einem äußerst akademisch anmutenden „O Clap Your Hands“. Ein ähnlicher Eindruck entsteht beim nächsten Stück. Man spürt die Meisterschaft und die Professionalität, schaut aber dennoch auf die Uhr. Das war ein Fehler. Der Rest der Vorstellung entwickelt sich zu einem einzigen Crescendo, zu einer emotionalen Achterbahnfahrt, wie sie nur A-cappella-Musik hervorrufen kann.

Nach einer sehr gelungenen Coverversion des Otis-Blackwell-Klassikers „Fever“ rückt ein Teil der Truppe näher zusammen, um eine intime Atmosphäre zu schaffen, und stimmt ein wunderschönes Arrangement von „Only You“ von Yazoo an. Das ist weit entfernt von der Originalversion, die ganz im New-Wave-Stil gehalten ist. Ganz ohne Künstlichkeit und mit einer verblüffenden Bescheidenheit rührt diese Interpretation dem Verfasser dieser Zeilen die Tränen in die Augen. Eine große Premiere nach acht Jahren, in denen er die Konzertsäle des Landes durchstreift hat – im Guten wie oft auch im Schlechten. Hut ab vor den Künstlern. Hier und da hört man ein Schniefen während der langen Standing Ovations, die darauf folgen. Besonders in Erinnerung bleibt eine wirklich witzige Nummer rund um den Markt von Arras. Die Vorstellung endet mit Gershwin und einer Standing Ovation. Der Abend geht im Foyer mit einer Jam-Session weiter und am nächsten Tag mit drei weiteren Programmpunkten, die, wie man hört, ebenfalls lohnenswert waren.