Wenn man sich „Des formules heureuses“ ansieht, verlässt man die Ausstellung tatsächlich mit einem Gefühl des Glücks. Es berührt einen tief im Inneren, sowohl im Kopf als auch im Zwerchfell. Es ist ein schwer zu beschreibendes Gefühl, das zugleich intellektuell und körperlich ist. „Jeder trägt einen Raum in sich“, sagt Dominique Dureau. Das ist es zweifellos: dieser innere Raum, der den Besucher der Galerie in der Rue Wiltheim erfüllt. Dieses Zitat bildete jedenfalls die Grundlage für Dominique Dureaus Kreativität. Es stammt nicht von ihm, sondern von Franz Kafka.
Dominique Dureau (geb. 1956 in Marmande, lebt in Luxemburg) spricht eloquent über sein Werk. Das liegt daran, dass er an der Universität Le Havre moderne und zeitgenössische Kunstgeschichte, Bildsemiotik und Filmwissenschaft unterrichtet hat. Dennoch hält er sich bedeckt, was den „Raum an sich“ in seiner persönlichen Dimension betrifft: Erinnerungen, Empfindungen, Bilder. In dieser Hinsicht ist die Serie, die den Zeitraum von 2011 bis 2025 umfasst und im kleinen Saal der Galerie ausgestellt ist, am verwirrendsten: Man begibt sich auf eine Reise rund um den Raum. Es ist ein Parcours aus Sequenzen traditioneller und modernistischer Häuser sowie ländlicher Landschaften. Es gibt einige Figuren. Ein junges Mädchen, das am Rand eines Feldes sitzt, die Beine eines kleinen Jungen auf einem Skateboard, ein Schimpanse.
Diese kleinen Bilder – oder besser gesagt: Tafeln (Öl auf Holz und Papiermasse) in zartem Blau und Rosa – sind nicht mit Bildunterschriften versehen, sondern mit Überschriften, die im Widerspruch zum Bild stehen. Diese Kombinationen aus Text und Bild entführen den Betrachter in eine fiktive andere Welt, die Dominique Dureau aus sich heraus geschaffen hat und die diejenigen, die seine Werke sehen, fortan in ihr eigenes Zimmer mitnehmen. Das ungleiche Wechselspiel zwischen Verstand und Bauchgefühl ist hier auf seinem Höhepunkt – beunruhigend, verwirrend, einladend, sich darauf einzulassen.
In der Mitte des Raums steht ein kleiner Tisch, auf dem das steht, was wir uns als eine Einfamilienhaussiedlung vorgestellt haben, in der das Schlafzimmer selbst zu einem befreienden Auswuchs aus einem formalen Korsett wurde. Die Titel dieser Arbeiten aus Keramik, Holz und Farbe sind für Dominique Dureau Zusammensetzungen architektonischer Formen, die sich aus dem banalen Schema des Hauses ableiten. War ihm bewusst, dass er sich bei der Erforschung dieser Auswüchse den Versuchen der Architekten Coop Himmelblau und Haus-Rucker-Co aus den 1980er Jahren annäherte? Erweiterungen, die eine Verschmelzung von Natur und Künstlichem darstellen, verbinden diese beiden Erfahrungen reiner Architektur miteinander.
Ein großes, aus verschiedenen Elementen zusammengesetztes Werk, das an der Wand des Galeriebüros hängt, veranschaulicht den Weg eines Menschen durch seine entmenschlichte Umgebung. Dominique Dureau hat den Weg in einzelnen Sequenzen eines nächtlichen Spaziergangs im Mondlicht (Gouache auf Karton und bemaltem Holz) nachgebildet, der zwischen Vorstadtwohngebieten und Wohnblocks verläuft. Die Architektur ist, wie man erahnen kann, die von Le Havre. Dem bildenden Künstler ist es gelungen, diesem grauen und uneinheitlichen Ensemble eine Poesie zu verleihen, die den Filmstreifen eines gerissenen Films im Mondlicht „wieder zusammenfügt“. So haben wir jedenfalls diese runden Formen interpretiert, die die urbane Härte mildern. Man erinnere sich daran, dass Dominique Dureau auch Videokünstler ist; er drehte unter anderem „La conversation de l’art“, einen Dokumentarfilm, der 1998 im Rahmen der Biennale Manifesta in Luxemburg gedreht wurde.
Gelungene Kompositionen… Den Hauptraum der Galerie Nosbaum Reding nehmen die jüngsten Arbeiten des Künstlers ein, die sich den Kombinationen aus Keramik und Holz widmen: „Les Modénatures“. Seite an Seite oder übereinander angeordnet stellen die Keramiken, die das klassische Blau der Delfter Kacheln aufweisen, so etwas dar wie die Innenwände von „ dem Zimmer an sich “&: Blumen und Motive, die aus einer Zeit stammen, als Tapeten in Mode waren. Dann folgt die Arbeit aus reiner Keramik, in der sich Landschaften, Häuser, Blumenmotive und reine Farbblöcke zusammenfügen, wie Buchrücken, die dicht an dicht in einem Bücherregal stehen.
Man kann diese Beschreibung also buchstäblich mit „Glückliche Formeln auf aus Buchstaben zusammengesetzten Werken“ abschließen. Das Glück in drei Teilen, in vier Teilen, in fünf Teilen – so viele, wie der bildende Künstler Zeichen für ein neues Alphabet geschaffen hat. Eine neue Reise kann beginnen. Persönlich, rätselhaft oder fiktional – wobei die Bildunterschriften der Werke und Serien die Schlüssel dazu sind.