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Bildende Kunst 3 Min. Lesezeit

Traditionsrundgang

Das Lëtzebuerg City Museum stellt seine Sammlung von Haushaltsgegenständen und katholischen Prozessionsbaldachinen aus

Erschienen in Ausgabe November 2021
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Der Titel der Ausstellung im Lëtzebuerg City Museum „Sammeln, eine heidische Aufgabe… !“ bezieht sich auf die Konservierung der Objekte (es gibt etwa 22.000 davon, von denen nur 800 dauerhaft ausgestellt sind). Der Untertitel „Wie die Objekte ins Museum gelangen – am Beispiel des religiösen Kulturerbes“ ist ein ganzer Satz, der auf Raymond Waringo anspielt, einen Sammler häuslicher Andachtsbilder, der einen Großteil der vorliegenden Ausstellung inspiriert hat. Zu sehen sind dort auch prunkvolle Kultgegenstände, die anlässlich von Straßenprozessionen, wie etwa bei der Oktave, zum Einsatz kamen. Das war, bevor das Zweite Vatikanische Konzil 1963 diesem als zu prunkvoll erachteten Aspekt der Kirche ein Ende setzte. In den Depots werden sie von den Teams katalogisiert, gepflegt und repariert sowie gemeinsam mit den Konservatoren klassifiziert, die sie anschließend wie hier ausstellen können. Das Museum hat zudem Kerzenleuchter und Kandelaber sowie Buntglasfenster aus der Saint-Michel-Kirche geerbt. Neugotisch oder im Stil des flamboyanten Barocks, im 19. Jahrhundert hinzugefügt. Sie bestehen jedoch aus einfachen Materialien: Zinn, Messing oder sogar Aluminiumguss.

Die Texte zu den einzelnen Räumen erläutern den Brauch oder den Ritus und zeigen die Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen, da dies das Thema der Ausstellung ist. Doch man kann auch mit ganz persönlichem Blick an den Regalen und Ablagen entlangschlendern, die an Lagerräume erinnern, und sich die kitschigen Darstellungen der Heiligen Familie ansehen, die sorgfältig beschriftet sind: die über den Haushalt wachen, oder den Schutzengel, der unter seinen großen Flügeln die verirrten Kinder nach Hause bringt. Der Buchdruck ermöglichte die großflächige Verbreitung dieser Bilder, die traditionell in einem Schlafzimmer oder einem „Stuff“ aufgehängt wurden, ebenso wie die Fotos von Erstkommunionkindern. Diese volkstümlichen katholischen Traditionen prägten lange Zeit die luxemburgischen Häuser.

Naive Glasmalereien werden Liebhaber der Volkskunst ebenso ansprechen wie die kolorierten Druckbögen, die an die Bilder von Épinal erinnern. „Notre-Dame de Luxembourg, Trösterin der Betrübten“ wird hier in schönen Ausgaben von Desclée De Brouwer und der Fabrique d’images de Gangel in Metz gezeigt. Ein erstaunliches Bild des Erlösers Christus, halb gestickt, halb geschnitzt und mit echten Edelweißblüten verziert, steht im Kontrast zu zwei von Raymond Waringo hinterlassenen Gemälden, die einen Mönch mit lachendem und zufriedenem, um nicht zu sagen anzüglichem Gesichtsausdruck zeigen. Doch wer ist dieser Maler, der mit „Steinmetz“ signiert? Es werden keine näheren Angaben gemacht. Auch wenn die historische Forschung nicht das Thema der Ausstellung ist, handelt es sich dennoch um eine allgemeine Lücke, wie bei diesem Chromolithografie-Druck, der von Raffaels „Madonna mit Kind“ inspiriert ist – etwas, das man angesichts der vielen Kopien vielleicht schon vergessen hat.

Auf die Skulpturen sowie auf einen Kreuzweg, der ebenfalls aus Saint-Michel stammt, wollen wir hier nicht näher eingehen; deren Reiz liegt in der Tat eher in der Sorgfalt der Restaurierung als im ekstatischen oder leidensvollen Ausdruck der Heiligen. Hervorragend ist hingegen die Arbeit an den Prozessionsbaldachinen, die mit Gold- und Silberfäden auf rotem Grund bestickt sind. Die Details des mystischen Lammes und des fütternden Pelikans zeugen von religiösem Wissen und handwerklichem Geschick, über die man – wieder einmal – nichts Näheres erfahren wird. Man stellt sich daher Nonnen vor, die sich über diese geduldige Andachtsarbeit beugen. Auf den Fahnen von Vereinen – der korrekte Begriff lautet, wie man nun erfährt, „Gonfalon“ – eine Tradition, die von den Zünften des Mittelalters übernommen wurde, ist das Bild in der Mitte, umgeben von kleinen, sorgfältig gestickten Seidenrosen, offenbar auf geölten Karton gedruckt, um den Unbilden des Marienmonats, des schönen Monats Mai, standzuhalten. Nun ja, das war im Klima des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts…

Die Ausstellung „Sammeln – eine echte Herausforderung… !“ zeigt am Beispiel des religiösen Kulturerbes, wie Objekte ins Museum gelangen. Sie ist bis zum 3. Juli 2022 im Lëtzebuerg City Musée zu sehen