Luc Frieden hat die einzige tragfähige Rettungsoption gewählt: einen „Bruch mit der Vergangenheit“. So wie man eine „Good Bank“ von einer „Bad Bank“ trennt, wird die Regierung nun eine „Good Caritas“ neben einer „Bad Caritas“ schaffen. Bis Oktober soll eine neue Einrichtung geschaffen werden, kündigte der Premierminister am Mittwoch nach der Regierungssitzung an. Denn es kommt nicht in Frage, die im Namen der Caritas-Stiftung bei der BCEE und der BGL aufgenommenen Kredite in Höhe von 30 Millionen Euro mit öffentlichen Geldern zurückzuzahlen. „Wir werden keine Kredite bezahlen, die sie [die Caritas] ohnehin bestreiten“, erklärte Frieden. Angesichts des Betrugs (den er als „schrecklich“ bezeichnet), vor allem angesichts seines Ausmaßes, gibt der Premierminister zu, dass er die Situation immer noch nicht wirklich versteht. Die neue Caritas wird vom Staat streng kontrolliert werden; Frieden kündigte eine völlig neue Führungsstruktur, ein völlig neues Management und einen neu besetzten Vorstand an. Man kann daher an der politischen Autonomie dieser zukünftigen Einrichtung zweifeln. Die soziale Fürsprache, die die ehemalige Caritas gewährleistet hat, läuft somit Gefahr, auf das absolute Minimum reduziert zu werden.
Eine entscheidende Frage bleibt jedoch offen: Wer soll diese neue Caritas ins Leben rufen? Luc Frieden sprach dabei ganz allgemein von „Stiftungen“. Wird das Erzbistum Luxemburg fast hundert Jahre nach der Gründung der Wohltätigkeitswerke bereit sein, sich erneut daran zu beteiligen? Von der Antwort auf diese Frage hängt ab, ob die neue Struktur in das Netzwerk von Caritas Internationalis integriert werden kann oder überhaupt den Namen Caritas tragen darf. Am Donnerstag teilte die Pressestelle des Erzbistums lediglich mit: „Zum gegenwärtigen Stand der Überlegungen sind noch so viele Fragen offen, dass wir zu diesem Thema keine Angaben machen können.“ Für die luxemburgische Kirche geht es darum, eine grundlegende Frage zu klären: Will sie sich auf ihren „harten Kern“ zurückziehen (und ihre doktrinäre Reinheit bewahren) oder weiterhin eine staatsnahe Rolle spielen (auf die Gefahr hin, sich die Hände schmutzig zu machen)? Vielleicht aus Sorge um seinen vergänglichen Status als Papabile hatte sich der Kardinal vier Wochen lang in Schweigen gehüllt, um schließlich wenige Tage vor Ferragosto seine „tiefe Empörung“ zum Ausdruck zu bringen. Seitdem ist nichts mehr aus dem Bischofspalast durchgesickert.