Die Valerius Art Gallery vereint derzeit drei Künstler unterschiedlicher Herkunft unter einem Titel, der suggeriert, dass sich komplexe Dinge einfach so, mit einem Fingerschnippen, lösen lassen: „Things a nice evening can solve“. Die Ausstellung präsentiert die Arbeiten von Enrico Bach (dem Ältesten, geboren 1980 in Deutschland) und zwei weiteren Künstlern, die beide 1990 geboren wurden: Max Kesteloot in Gent (Belgien) und Cosimo Casoni in Italien.
Künstler aus der italienischen Kunstszene sind in Luxemburg selten zu sehen. Mit ihm werden wir daher den Rundgang durch die Ausstellung beginnen. Dabei ist zunächst einmal anzumerken, dass zwar die Ausdrucksformen und Themen unterschiedlich sind, der Strich jedoch – sei er gerade (bei Kesteloot), netzartig (bei Enrico Bach) oder frei (in den Werken von Cosimo Casoni) – etwas umrahmt, das mit der Erinnerung zu tun hat.
Als ob der rätselhafte Titel „Things a nice evening can solve“ durch das Einfügen des letzten Puzzleteils seine Lösung fände. In Cosimo Casonis Werk gibt es keine „Lösung in letzter Minute“. Seine Erinnerung steht im Mittelpunkt der Leinwand. Angefangen beim Spielplatz seiner Kindheit („Playground #18 und 19“) bis hin zum Fahrradständer der urbanen Rodeos seiner Jugend in seiner Heimatstraße („The bike Rack“ und „La strada di casa #6“). Schließlich, auf einem deutlich kleineren Format von 40 x 32 cm, „Déjà vu #19 (Sant Josep)“.
Es ist der Ort der Herkunft, das Elternhaus. Auffällig ist, dass diese Elemente auf sehr klassische Weise gestaltet sind (Öl und Acryl). So hat man fast das Gefühl, die für italienische Fensterbänke so typische Sukkulente berühren zu können. Durch Casonis malerische Sorgfalt spürt man seine Verbundenheit und seine Liebe zur schönen toskanischen Landschaft, zum ursprünglichen Zuhause. Doch all das nimmt er in sein lebhaftes, malerisches Schaffen mit: Reifen- und Skateboardspuren, Sprühfarbe. Die Straßenkunst, ihre Werkzeuge und Materialien im Dienste freier, schneller Figuren umgeben ihn und überlagern das ursprünglich Verehrte, als wollten sie es feiern.
Max Kesteloot reist, ist unterwegs, macht Fotos und dreht kurze Filme über Dinge, die in diesem Moment wichtig sind, später aber an Bedeutung verlieren – es sei denn, sie werden zum Hintergrund seiner Werke. Zurück an seinem Wohnort in Ostende bearbeitet derjenige, der sich selbst als „Bilddieb“ bezeichnet, seine „Aufnahmen“ zu digitalen Bildern weiter. Abgesehen von den Titeln „Untitled, Barcelona (ES)“, „Untitled, Ibiza (ES)“ und „Untitled, Málaga (ES)“ gibt es für den Betrachter dieser Werke keinen Hinweis auf den Ort der Entstehung, im Gegensatz zu den Arbeiten und Darstellungen von Cosimo Casoni.
Kesteloot greift wieder auf Leinen als Untergrundmaterial zurück. Dies war eine Spezialität in der flämischen Kunstgeschichte. Ein historischer Verweis und ein überaus intellektuelles und konzeptionelles Werk, dessen Zerlegung und Neuzusammensetzung an die Transformation durch das künstlerische Schaffen erinnern. Max Kesteloot mangelt es auch nicht an Humor: Die Rechtecke können im öffentlichen Raum auf einem Werbeträger präsentiert werden. Das Bild erinnert an die Identifizierung, die manche Internetseiten verlangen, um unsere Menschlichkeit nachzuweisen. Ein weiteres Puzzle, das mehrere Realitäten miteinander vermischt, um ein Werk mit einer sehr zeitgenössischen Geschichte zu schaffen.
Kunstgeschichte und zeitgenössische Kunst – das ist es, was Enrico Bach miteinander verknüpft. Der älteste der drei Künstler, deutscher Staatsbürger und Absolvent der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Karlsruhe, stellt diese beiden Bereiche einander gegenüber. Denn seine Bilder sind allesamt Diptychen, die Bilder einer imaginären Kunstgeschichte neu zusammensetzen, indem sie beispielsweise „Die Milchmagd“ und „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ von Vermeer aus Delft, „Las Meninas“ von Velázquez usw. miteinander verbinden. Diese Meisterwerke scheinen aus einem farbigen Nebel (opal, himmelblau, grau) wieder aufzutauchen. Die Titel helfen nicht dabei, sie zu erkennen (R.J.V.L.G, R.V.L.G, R.P.L.G). Das ist übrigens nicht das unmittelbare Thema von Enrico Bach: An der Oberfläche „reparieren“ weiße Linien das alte Bild und verwischen es. Es ist das Puzzle der langsamen Zeit der Vergangenheit und der gehetzten Zeit der Gegenwart.