Die AAPL, der Verband der bildenden Künstler Luxemburgs, hat ihren Sitz im ehemaligen Gebäude der Polizeischule in Bonnevoie. Die Klassenzimmer beherbergen heute Künstlerateliers, die zugleich als Mini-Galerien dienen und eine Vielzahl künstlerischer Disziplinen präsentieren. Derzeit ist die Textilkunst dort besonders stark vertreten.
Die Arbeit mit dem Stoff schafft eine neue Sprache, die ausgehend von persönlichen Erzählungen eine universelle Geschichte erzählt. Sie zwingt einen langsamen Rhythmus auf: Die Erzählung entsteht schrittweise, Faden für Faden. Insbesondere die Stickerei hält die Geschichten auf eine sehr unmittelbare Weise fest und verankert jede einzelne von ihnen in den Fasern.
So stickt Carolina Arias in ihren Werken Fragmente ihrer Lebenserfahrungen ein. In ihrem Atelier scheinen sich die Qualen aufzulösen, aufgefangen von den Fäden und den seidigen Perlen ihrer Werke. Vielleicht verflüchtigen sie sich auf diese Weise, während das Gewebe, dieses formbare Material, ihnen Raum lässt, sich zu entwirren und sich hinzugeben. Wie Penina Barnett es beschreibt, beruhe die Poetik des Gewebes auf „flexiblen Logiken“: Denkweisen, die sich verdrehen, dehnen und biegen. In diesem Schwung werden neue Begegnungen möglich, jenseits der Zwänge binärer Gegensätze. Wo das Binäre eine Wahl erzwingt – das eine oder das andere –, eröffnen diese Logiken des Textils einen Raum des „ und “, ein Feld der Möglichkeiten, in dem alles geschehen kann. (Penina Barnett, The Poetics of Cloth) Das Binäre schließt aus und leistet Widerstand. Im Gegensatz dazu eröffnen geschmeidige Oberflächen Falten, in die man sich einschleichen kann. Nachgiebigkeit ist kein Zeichen von Schwäche: Der so geschaffene Raum ermöglicht es, sich neu zu erfinden.
Zwischen den Stichen von Carolina Arias wird die Vergangenheit in den Hintergrund gedrängt. Sie schlummert, ganz wie ihre ausgestopften Tiere, die eine weitere Facette ihres Werks darstellen. Man findet sie ausgestreckt, ruhig, als wären sie während ihres Nickerchens überrascht worden. Carolina, die eine Ausbildung in Taxidermie absolviert hat, arbeitet mit Tieren, die tot am Straßenrand gefunden wurden. So pflegt sie eine Praxis der Bewahrung, bei der die Materie das festhält, was das Gedächtnis vergisst: Alles ist darin eingeschrieben.
Dieser Ansatz findet sich auch bei Cristina Picco wieder, die sich mit Gewalt auseinandersetzt, indem sie Darstellungen von militärischer Ausrüstung stickt. Auf einem Stoffquadrat stickt sie beispielsweise Engel neben Kampfhubschraubern. Ihre Arbeit vermittelt auf ironische Weise die Gewalt einer militarisierten Realität, die durch eine maßlose Überwachung noch verstärkt wird. Eine Realität, die sie bewusst auf einer organischen und elementaren Oberfläche festhält. Vielleicht ist es gerade deshalb, weil diese Gewalt allgegenwärtig ist und wie im Rausch konsumiert wird, dass sie auch zart auf ein T-Shirt gestickt werden könnte – so sehr, dass man den Drang verspürt, es „in den Warenkorb zu legen“.
Diese Künstler sprechen den intimsten aller Sinne an: den Tastsinn. Er regt dazu an, die Ateliers als eine Art Leinwand zu betrachten, als ein sensibles Netzwerk, in dem sich die verschiedenen Praktiken gegenseitig ergänzen und unterstützen.
Dieses Netzwerk erweist sich, ebenso wie das der AAPL, als unverzichtbare Struktur: Es ist nicht nur ein Ort des kreativen Schaffens und der Vernetzung, sondern auch ein Raum, in dem Formen der Wiedergutmachung und der Fürsorge entstehen.