Es beginnt mit einem jungen Mädchen, das nach einem Diebstahl von zu Hause weggelaufen ist und nun die Ankunft der Polizei sowie die damit verbundenen Konsequenzen fürchtet, und endet mit gefährlichen Idioten, die mit einem Kofferraum voller Benzinkanister vorhaben, ein Flüchtlingsheim in Brand zu setzen. Es beginnt mit einer orientierungslosen Generation in „OP Fugue“, einem Kurzfilm von Julie Schröll, Moritz Schönecker und Ian De Toffoli, der im Rahmen von Arbeitsgruppen mit Jugendlichen entstanden ist, die ihre eigenen Erfahrungen einbrachten und eine fiktionalisierte Version ihrer selbst verkörpern, die die Sprache genauso zerfleischen wie sie sich selbst – mit Schlucken Wodka direkt aus der Flasche, um sich gegen die Wunden zu betäuben, die ihnen eine von Tag zu Tag härtere, gnadenlosere Welt zufügt, wobei die Kamera die chaotische, unordentliche Seite dieser noch im Entstehen begriffenen Leben förmlich umarmt – wie bei Sean Baker und den Safdies, nur roher und weniger kontrolliert. Und es endet mit einer anderen Generation, jener, die oft für alle Übel verantwortlich gemacht wird und deren schlimmsten Sprösslinge wir hier verfolgen: In „Grillfest“ von Hubrecht L. Brand und Sirvan Marogy planen zwei neonazistische Babyboomer ein Barbecue auf ihre ganz eigene Art, das an jene Duos von Dummköpfen erinnert, die das Markenzeichen bestimmter Hollywood-Komödien waren, bevor sie in „Mandibules“ von Quentin Dupieux ihren Höhepunkt fanden – einer wahren Hymne an die Freundschaft und zugleich einer Lobeshymne auf die Dummheit. Hier hingegen tröstet uns der Film über die Verwüstungen der extremen Rechten hinweg, indem er uns zeigt, dass diese Leute sich letztendlich selbst an der Zündschnur ihres eigenen Hasses in Brand setzen werden. Doch so erfreulich es auch sein mag, die Neonazis von heute ebenso in Flammen aufgehen zu sehen wie einst die Nazis in „Inglourious Basterds“, so birgt ihre übermäßige Lächerlichmachung doch die Gefahr, die sehr reale Bedrohung, die von ihnen ausgeht, herunterzuspielen. Daran erinnert der zwar witzige, aber etwas anekdotische Film, wenn man in seinem überstürzten Ende erkennt, dass gerade die Ordnungskräfte die eigentliche Gefahr darstellen: Wenn fremdenfeindliche Ideologie in den Staatsapparat eindringt, wenn man sie bewaffnet und zum Töten ausbildet, erscheinen die Neonazis von einst plötzlich als perfekte Strohmänner, die – ganz logischerweise – wie Stroh brennen.
Zwischen dieser perfekten dramaturgischen Einlage, die diese beiden Kurzfilme bildeten, bot der Abend der Kurzfilme „made in /with Luxembourg“ viel Raum für Metakino, als würden sich die jungen Regisseure angesichts einer Welt in der Krise auf ihr eigenes Milieu zurückziehen und in dessen Praktiken und Auswüchsen Bilder dessen finden, was draußen nicht stimmt: In „The Last Audition“ von Michael Wang wird die grausame Realität von Castings für Schauspielerinnen offenbart, verbunden mit einem kleinen Seitenhieb auf die einzuhaltenden Quoten für luxemburgische Koproduktionen, die dazu führen, dass luxemburgische Schauspieler dort oft eher als überbezahlte Statisten dienen als alles andere. Auch wenn die Absicht lobenswert ist, kommt das Drehbuch dieses wie ein Neo-Noir gedrehten Kurzfilms nicht ganz ohne Pathos aus. „Pinky Promise“ von Tessy Troes schildert eine weibliche Freundschaft vor dem Hintergrund einer intertextuellen Hommage an Thierry van Werveke und greift dabei ein Thema auf, das dem Soziologen Erving Goffmann am Herzen lag: dem zufolge wir alle in unserem Leben Rollen spielen – eine Feststellung, die sich durch die unaufhörliche Inszenierung eines fiktionalisierten Selbst in den sozialen Netzwerken noch verschärft hat. Auch hier wird die Botschaft etwas redundant vermittelt, und den Dialogen mangelt es bisweilen an Natürlichkeit. Interessanter ist „Backstage“ von Emile V. Schlesser, in dem eine Regisseurin ihren jungen Schauspieler belästigt, als wolle sie zeigen, dass Geschichten von Missbrauch und Manipulation weniger mit einer einem Geschlecht innewohnenden Toxizität zusammenhängen als vielmehr mit der Tatsache, dass in einem patriarchalischen System meistens Männer an der Macht sind und dass Macht nur dazu neigt, zu korrumpieren – eine Idee, die die Schriftstellerin Naomi Alderman in „The Power“ auf subtilere Weise untersucht hat.
Auch wenn die Veranstaltung „Shorts made in/with Luxembourg“ schon immer ein Experimentierfeld für junge Filmemacher des Landes war, muss man doch feststellen, dass die Ausgabe 2026 eine etwas schwache Phase des hiesigen Filmschaffens widerspiegelt, mit Kurzfilmen, die oft den Eindruck vermitteln, noch auf der Suche nach sich selbst zu sein, mit bisweilen unausgereiften Formen (der allegorische Film „Trame cachée“ von Sophia Kolokouri), deren experimenteller Charakter eher eine Zukunft in Ausstellungen zeitgenössischer Kunst verspricht („Dos Tierras“ von Sébastien Thill, mit sehr gelungener Fotografie). So ist zwar die formale Arbeit eines Ganaël Dumreicher beeindruckend, und so ist auch sein Kommentar dazu, wie der Künstler die Welt in sich aufnimmt und sich im Gegenzug von ihr durchdringen lässt, hätten wir uns gewünscht, dass „Osmosis“ in der Erzählung noch weiter gegangen wäre, da sein Universum zu den interessantesten der Auswahl zählt – vorausgesetzt, man hält der Erkundung der fleischlichen Landschaften im Inneren des menschlichen Körpers stand, die an „De Humani Corporis Fabrica“ erinnern. Am bewegendsten bleibt jedoch „Apartamentul 06“ von Rari Matei, in dem man sieht, wie Rux zur Hochzeit ihrer Schwester nach Rumänien zurückkehrt und dort mit der Gewalt und den unterdrückten Begierden konfrontiert wird, die ihr Geschlechtsübergang hervorruft, wie eine filmische Zusammenfassung dessen, was Édouard Louis über die Rückkehr in die Heimat in eine Familie beschreibt, von der man sich nicht nur geografisch entfernt hat.
Die Spielfilme von Lukas Grevis und Nora Wagner
Es ist die Geschichte einer Rivalität zwischen zwei ungleichen Schwestern – sie, Joan (Alyne Fernandes), denkt nur daran, das Leben zu genießen wie einen Apfel von jenem Baum, den ihre Eltern bei ihrer Geburt gepflanzt haben, einem Apfelbaum, in dessen Schatten der Birnbaum nur schlecht und spärlich wächst; dieser symbolisiert die jüngere Schwester, Sofia (Margarida Domingos), eine Bücherratte, schüchtern und melancholisch, während die andere eine Eroberung nach der anderen macht; sie ist nicht nur wankelmütig und unzuverlässig, sondern scheint auch stolz darauf zu sein. Man sagt ja auf Luxemburgisch, man solle Äppel nicht mit Bier vergleichen. Doch gerade darunter leidet Sofia, dass sie ständig am Maßstab ihrer älteren Schwester gemessen wird. Als sich die beiden Schwestern eines Tages nach den Abiturprüfungen streiten und Joan, verärgert, an der nächsten Tankstelle einen Alkoholrausch erleben will und bei einem Autounfall ums Leben kommt, begibt sich Sofia auf einen Roadtrip auf den Spuren ihrer Schwester, der zugleich eine Reise bis ans Ende der Nacht der Trauer ist, an deren Ende die Versöhnung mit sich selbst steht. Lukas Grevis’ zweiter Spielfilm ist ambitioniert, was sich in der nichtlinearen zeitlichen Konstruktion der Geschichte zeigt, die ein Hin und Her zwischen Rückblenden und Vorausschauen mit dem Hypotext eines Theaterstücks zu einem Puzzle verknüpft, das der Zuschauer selbst zusammensetzen muss, so ist es doch genau dieser Ehrgeiz, der den Film ziemlich wackelig macht. Zwischen Elternfiguren, die weder ausgearbeitet sind noch ausgearbeitet werden können und die weder Luc Schiltz noch Sascha Ley zu retten vermögen, endlosen Saufszene im österreichischen Nachtleben, die einen ohnehin schon recht langen Film unnötig in die Länge ziehen, einem tragischen Thema, das nicht mit der nötigen Sorgfalt behandelt wird, und dem Bestreben, die gesamte kulturelle Vielfalt des Landes in den Film einfließen zu lassen – auch wenn der Auftritt von DasRADIAL semantisch gerechtfertigt ist, ist die intertextuelle Rolle von „Parfois la nuit se tait“ von Antoine Pohu schwer nachvollziehbar –, erstickt „Apples & Pears“ manchmal unter seinem eigenen Ehrgeiz. Das ist umso bedauerlicher, als es ein bewegender Film über das Ende der Jugend und den harten Einstieg in das sogenannte „wirkliche Leben“ hätte werden können – ein Leben, das uns oft jene Unbeschwertheit raubt, die Grevis manchmal einfühlsam einzufangen versteht.
Auch „Getting There“ beginnt wie ein Märchen: Eines Tages spaziert die Künstlerin Nora Wagner durch einen Wald und stimmt eine Melodie an, die unweigerlich die Aufmerksamkeit einer Hirschkuh auf sich zieht, die ihr für die Dauer eines Liedes folgt, das fortan die kathartischen Ausmaße einer möglichen Heilung annimmt – wird der Gesang zwar zu einer Art Entschuldigung für all das Leid, das die Menschheit dem Wald und seinen Bewohnern zufügt, ermöglicht er doch auch, die gesamte Last der Finsternis eines menschlichen Daseins im 21. Jahrhundert zu sühnen. So bleibt sie etwa vier Monate lang im Wald, lebt von wenig, einen möglichst ökologischen Lebensstil pflegt, ihren ökologischen Fußabdruck auf ein Minimum reduziert und damit gegen den Strom eines Landes schwimmt, in dem der berühmte „Overshoot Day“ bald erreicht sein wird – nur wenige Minuten, nachdem das Silvesterfeuerwerk erloschen ist. Sie schiebt einen als Drache getarnten Karren, so wie Ödipus seinen Buckligen rollte, und erinnert dabei an den Vater und seinen Wagen in Cormac McCarthys „The Road“; die Künstlerin geht von Begegnung zu Begegnung in einer der allerletzten utopischen Enklaven, spricht mit Menschen, die sich dafür entschieden haben, ausschließlich von dem zu leben, was sie in ihrem Garten anbauen, und schafft eine Schwesternschaft der Gequälten, die all das Böse austreiben, das ihnen toxische Partner zugefügt haben – in Anlehnung an den Aktivismus à la Pussy Riot. Mal analysiert sie, inwiefern bestimmte Legenden homophob waren, wenn ihr ein Mann erzählt, dass er als Kind Angst hatte, in den Wald zu gehen, in dessen Untergrund, so wurde ihm gesagt, die Schwulen lebten, Wesen, die Kinder entführen würden – in einer dieser schrecklichen Gleichsetzungen von Homosexualität und Pädophilie, wie sie die Gesetzgebung einiger Länder auch heute noch propagiert –, mal trifft sie auf Migranten, die angesichts der Gewalt der Menschen Zuflucht suchen, wie diesen Afghanen, der mit fatalistischer Stimme vom Tod seines Bruders und seiner Kinder durch die Taliban erzählt. Auch wenn die etwas ungeordnete Form dieser improvisierten Odyssee und der bewusst DIY-Charakter – der ästhetisch daher manchmal etwas nachlässig wirkt – manche stören mögen, steht dieses filmische Unikum zu seiner wandernden Poesie in einer ökologisch radikalen Form.