„Das gehört zum Geschäftsleben dazu“
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Freut euch! Ab dem 2. April gibt es einen täglichen Flug vom Flughafen Findel nach Newark. Yuriko Backes zeigt sich „hocherfreut“ und dankt der amerikanischen Botschafterin für ihr Engagement. Der Direktor von Luxair freut sich, dass United Airlines am „Miles & More“-Programm teilnimmt…
Freut euch! Ab dem 2. April gibt es einen täglichen Flug vom Flughafen Findel nach Newark. Yuriko Backes zeigt sich „hocherfreut“ und dankt der amerikanischen Botschafterin für ihr Engagement. Der Direktor von Luxair freut sich, dass United Airlines am „Miles & More“-Programm teilnimmt. „Einfach am Findel einsteigen, fliegen und auf US-Boden wieder aussteigen“, jubelt das Wort. „Große Begeisterung für die United-Linie“, titelt rtl.lu. Auf seine Umfrage gab es 3 000 Antworten; mehr als 60 Prozent kreuzten an: „Ich freue mich“. Man könnte die politische Symbolik dieser Flugverbindung hinterfragen, die von der offiziellen Vertreterin eines Präsidenten, der in Richtung Autoritarismus tendiert, aktiv beworben wird. Vor allem sollte man bedenken, dass ein Hin- und Rückflug von Luxemburg nach Newark in der Business Class vier Tonnen CO₂ verursacht. (Das CO₂-Ziel sollte hingegen bei etwa zwei Tonnen pro Person und Jahr liegen.) Doch niemand will die Stimmung trüben. Selbst wenn es bedeutet, dem Klima zu schaden.
„Der Sommer 2026 verspricht sonniges Wetter“, hieß es im aktuellen Katalog von Luxair-Tours. Das Großherzogtum hat gerade drei brütend heiße Monate hinter sich, eine Hitzewelle jagte die nächste, und die Wälder brannten bis an seine Grenzen. (Kleiner Spoiler: Meteorologen prognostizieren, dass 2027 wahrscheinlich noch schlimmer wird.) Diesen Sommer wurde den Europäern bewusst, dass die globale Erwärmung nicht nur andere Länder wie Somalia oder Bangladesch betrifft, sondern auch mitten auf dem alten Kontinent wütet. Man könnte das fast als eine Art Klima-Karma sehen. 2026 belegt Luxemburg den zweiten Platz unter den Ländern mit den ungewöhnlichsten Temperaturen weltweit (nach Frankreich). Selbst Laurent Mosar hätte inzwischen erkennen müssen, dass ein Eiswürfel im Aperol Spritz die Anpassung nicht einfacher macht.
Doch weniger Flugreisen zu fordern, bleibt politisch undenkbar. Es ist das ultimative Opfer, das kein Politiker zu verlangen wagt. Billigfliegen gilt, wenn nicht als Menschenrecht, so doch zumindest als unverzichtbarer Luxus der Konsumgesellschaft. Die LSAP wagte in ihrem letzten Wahlprogramm lediglich, ein Verbot von Privatjets zu fordern. Aus Angst, als „Vergnügungsräuber“ (um es mit Gaston Vogel zu sagen) gebrandmarkt zu werden, blieben Déi Gréng vage: „Für eine bestmögliche Umweltverträglichkeit des Flugverkehrs.“ Billigfluggesellschaften anzuprangern ist das eine. Gilles Feith, Direktor von Luxair, plädierte gegenüber dem Land für „maßvolles“ Fliegen. Er ist der Ansicht, Fliegen solle keine bloße „Bequemlichkeit“, sondern ein „Mehrwert“ sein. (Luxair.lu wirbt derweil mit Flügen unter der Überschrift „Lust auf einen Wochenendtrip? Entfliehen Sie dem Alltag für ein paar Tage.“)
Man könnte einwenden, dass die sogenannte „Flugscham“ durch die Abwälzung der Klimaverantwortung auf Einzelpersonen die notwendigen kollektiven und strukturellen Reaktionen zu ersticken droht. Man könnte auch darauf hinweisen, dass BP das Konzept des CO₂-Fußabdrucks bereits in den 2000er-Jahren aktiv propagiert hat. Doch diese Einwände laufen oft auf eine Ausrede für Untätigkeit hinaus. Eines ist jedoch klar: Unseren derzeitigen „imperialen Lebensstil“ fortzusetzen, ist keine tragfähige Option.
Alternativ könnte man sich in techno-optimistischen Glauben flüchten. Luxair plant, seine Flotte bis Mitte der 2030er-Jahre zu erneuern. Doch diese Flugzeuge werden weiterhin mit Kerosin fliegen, das in der EU übrigens steuerbefreit ist. Die Dekarbonisierung der Luftfahrt wird nicht über Nacht geschehen. Derzeit schreibt die EU den Fluggesellschaften vor, ihrem Treibstoff zwei Prozent nachhaltigen Flugkraftstoff (SAF) beizumischen. Dieser Anteil wird bis 2030 auf sechs Prozent steigen. SAF, das hauptsächlich aus Altspeiseöl gewonnen wird, ist deutlich teurer als Kerosin. Und vor allem wird seine Verfügbarkeit begrenzt bleiben. Synthetisches SAF befindet sich noch in der Erprobungsphase.
Ende Juni, nach der ersten Hitzewelle, feierte der Direktor des Flughafens Luxemburg im RTL-Radio einen „Rekordsommer“. Er bezog sich dabei auf die Passagierzahlen. Das Ziel, die Passagierzahlen bis 2050 von fünf auf zehn Millionen pro Jahr zu steigern, wird kaum in Frage gestellt. Das Wachstum des Stadtflughafens Findel, sechs Kilometer vom Knuedler entfernt, gilt als gegeben. Ein Selbstzweck.
In der Ausstellung Mehr als eine Postkarte, die derzeit im Cercle-Cité zu sehen ist, sticht ein Bild besonders hervor. Es zeigt eine Frau, die in einem Zug döst. Am Waggon ist die Zielanzeige angebracht: „Brüssel, Luxemburg, Basel, Luzern, Gotthard, Chiasso, Mailand, Bologna, Florenz, Rom (Termini).“ Das Foto wurde 1956 von Pol Aschman aufgenommen. Siebzig Jahre später ist das Großherzogtum zu einer Eisenbahnprovinz geworden. Anstatt die Flugverbindung nach Newark zu feiern, sollte Yuriko Backes sich lieber dafür einsetzen, endlich eine vernünftige Zugverbindung nach Berlin, Basel oder Brüssel zu gewährleisten.
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